Speditionsfirma: So sind Sie wettbewerbsfähig

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Der Siegeszug des Internets hat den Online-Handel in neue Höhen gehoben. Die Logistikbranche profitiert davon in hohem Maße. Aber wie kann eine klassische Speditionsfirma wettbewerbsfähig bleiben, wenn die Konkurrenz immer stärker wird?

Im Speditionsgewerbe hat sich viel geändert

Das Umfeld, in dem sich die typische Speditionsfirma von heute bewegt, hat sich sehr verändert. Früher hatte der Speditionskaufmann ein klar umrissenes Aufgabenfeld, das sich mit der Organisation der gesamten Logistikkette befasste. Heute muss der Speditionskaufmann weiter denken, denn die Konkurrenz ist stärker als je zuvor. Obwohl also theoretisch der Kuchen durch den Online-Handel größer geworden ist, konkurrieren viel mehr Unternehmen auf der Straße miteinander als noch vor 30 Jahren. Die Öffnung des Eisernen Vorhangs sorgte lange Zeit für ein zunehmendes Lohndumping von billigen Speditionen aus Osteuropa, die Kunden in ganz Europa günstiger mit Transportdienstleistungen versorgen konnten als die heimische Speditionsfirma.

Der Mindestlohn hat dem zumindest theoretisch einen Riegel vorgeschoben, denn nun müssen ausländische Betriebe ihren Fahrern den hiesigen Mindestlohn zahlen, wenn sie auf deutschem Boden unterwegs sind. Doch das ist nicht das einzige Problem:

  • Mautzahlungen,
  • Instandhaltung von LKW, um die sich manche ausländische Speditionsfirma gerne drückt,
  • komplizierte Berechnung des Lohns aufgrund der anderen Streckenberechnungen in Deutschland im Vergleich zum Rest Europas
  • und vieles mehr macht die Wettbewerbssituation oft nicht ganz einfach.

Viele Speditionen mit Sitz in Deutschland hatten in den vergangenen Jahren darauf gesetzt, Aufträge an Subunternehmen im Ausland zu vergeben, um Kosten mit hiesigen Fuhrparks und dem höheren Lohnniveau zu begrenzen. Da die Kosten durch den Mindestlohn aber auch für solche Subunternehmer steigen, klettern die Kosten für Transporte am Ende für die Auftraggeber.

Der Siegeszug des Internets hat den Online-Handel in neue Höhen gehoben. Die Logistikbranche profitiert davon in hohem Maße.

Der Siegeszug des Internets hat den Online-Handel in neue Höhen gehoben. Die Logistikbranche profitiert davon in hohem Maße.(#01)

Sind Frachtbörsen die Lösung für die optimale Auslastung?

Klar ist, dass eine Speditionsfirma ihren teuren Fuhrpark und die über Jahre gewachsene Infrastruktur in der Heimat schützen und ausbauen muss, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Auslastung von Transportflotten ist dabei ein Problem. Insbesondere Leerfahrten sind unwirtschaftlich und treiben die Kosten nach oben. Klar, dass Kunden sich an den Preisen orientieren und bei den Transportkosten sparen möchten.

Es gibt aber durchaus Möglichkeiten für eine Speditionsfirma, ihre Fahrer und Fahrten so zu disponieren, dass sie (fast) immer ausgelastet sind.

Das Internet ist hierbei der Schlüssel zum Erfolg. Was in anderen Tätigkeitsfeldern schon lange erfolgreich umgesetzt wird, wird in der Transportbranche endlich auch wahrgenommen. Vielleicht hat die eine oder andere Speditionsfirma bereits Erfahrungen mit Transportbörsen gemacht. Dabei werden Angebot und Nachfrage für Transportaufträge in bestimmten Regionen gebündelt und in einer Art Marktplatz zur Vermittlung angeboten. Das hat viele Vorteile, denn die Kunden bekommen einen transparenten und günstigen Preisvorschlag, können die Anbieter vergleichen und müssen nicht lange auf eigene Faust das Internet durchforsten. Umgekehrt kann die Speditionsfirma bei Nutzung einer solchen Plattform auf eigene teure Werbung und Onlinepräsenzen verzichten bzw. diese einfacher halten.

Der Nachteil der herkömmlichen Transportbörsen liegt aber in dem beschränkten Angebot und den begrenzten Möglichkeiten, die der Spediteur hat. Wer zur Planung der Logistik eine Frachtenbörse in Erwägung zieht, stößt oft schon auf das Problem, dass sich das Angebot entweder an private oder gewerbliche Kunden richtet, häufig jedoch nicht an beide. Außerdem entstehen bei der Nutzung vieler Transportbörsen Mehrkosten, weil schon die Registrierung Geld kosten kann. Einen anderen Weg zur Buchung von Dienstleistungen rund um den Transport mit Speditionen innerhalb Europas bietet Pamyra.de an. „Die Mitfahrgelegenheit für Paletten“ hebt sich in einigen Punkten von den Mitbewerbern ab. Für die Speditionsfirma besonders interessant ist dabei die Möglichkeit, Leerfahrten zu inserieren. In der Mehrzahl der Fälle scheitert eine Transportanfrage durch einen Kunden, der einen innereuropäischen Transportweg bewältigen muss, an den hohen Kosten.

Klar: Der Speditionskaufmann kann manchmal selbst durch geschicktes Disponieren nicht vermeiden, dass auf einer Wegstrecke Leerfahrten anfallen. Dann fährt der LKW quasi nur als Kostenfaktor und bringt kein Geld ein. Die Transportkosten müssen dies selbstverständlich abbilden. Nutzt die Speditionsfirma aber bereits bei der Planung die Möglichkeit, Leerfahrten entlang bestimmter Routen zu inserieren, ergeben sich häufig Folge- und Ergänzungsaufträge, die Kosten senken können. Potenzielle Kunden, die genau zu diesem Zeitpunkt entlang der ohnehin befahrenen Route einen Auftrag haben, können die Plattform nutzen, um den Spediteur mit dem Transport zu beauftragen oder zunächst eine Transportanfrage zu stellen.

Waren große Lagerkapazitäten früher für eine Speditionsfirma wichtig, ist die Auslastung heute oft nicht mehr gegeben. Grund dafür sind große Logistikzentren weniger Anbieter, über die flächendeckend die Verteilung von Waren gewährleistet ist.

Waren große Lagerkapazitäten früher für eine Speditionsfirma wichtig, ist die Auslastung heute oft nicht mehr gegeben. Grund dafür sind große Logistikzentren weniger Anbieter, über die flächendeckend die Verteilung von Waren gewährleistet ist.(#02)

Neue Wege gehen und Angebot erweitern

Immer mehr Spediteure erweitern ihr Angebot in Sachen Logistik. Konnten sie früher gut mit der Transportanfrage weniger Großkunden leben, müssen heute auch Nischen besetzt werden. Gerade der freie Personen- und Warenverkehr innerhalb Europas führt dazu, dass Menschen Umzüge über weite Strecken hinweg planen und organisieren müssen. Daher steigt mancher Spediteur mittlerweile in das Geschäft mit der Umzugsorganisation ein:

  • Die Anforderungen sind hierbei andere als beim normalen Warentransport von Paletten und Verpackungseinheiten, die problemlos in kurzer Zeit be- und entladen werden können.
  • Bei einem Umzug müssen (je nach Umfang des angebotenen Service) Lade- und Packdienstleistungen einbezogen werden, wofür man geeignetes und zuverlässiges Personal benötigt.
  • Doch wenn sich eine Spedition einmal auf Umzugsdienstleistungen spezialisiert hat, ist dies nach wie vor ein sehr lukratives Geschäft.
  • Auch hierfür lassen sich Frachtbörsen zur Vermittlung von Aufträgen in ganz Europa nutzen.

In diesem Zusammenhang bietet sich etwas anderes an: Waren große Lagerkapazitäten früher für eine Speditionsfirma wichtig, ist die Auslastung heute oft nicht mehr gegeben. Grund dafür sind große Logistikzentren weniger Anbieter, über die flächendeckend die Verteilung von Waren gewährleistet ist. Das ist ökonomisch sinnvoll, denn es spart Transportschritte für die einzelnen Speditionen. Doch was macht man mit den jetzt überzähligen Lagerkapazitäten? Speziell wenn die Speditionsfirma auch den Umzug von A nach B organisiert, wird das Angebot der Einlagerung von Möbeln, Hausrat und anderen Dingen immer wichtiger.

In den USA wird allein mit der Lagerung von Eigentum mehr Geld verdient als in manchen Ländern in der gesamten Transportbranche. Das kann sich auch in Deutschland lohnen. Viele Menschen stehen vor dem Problem, nach einer Haushaltsauflösung verstorbener Verwandter die wertvollen Möbel und andere Dinge nicht entsorgen zu wollen. In den eigenen Räumlichkeiten fehlt aber häufig der Platz. Ortsnahe und günstige Stellflächen in geeigneten Lagerräumen sind die Lösung. Auch große Lagerhallen lassen sich z. B. durch Gitterkonstruktionen mit abschließbaren Lagerzellen neu konfigurieren, in denen die Kunden ihre Gegenstände einlagern können. Berechnet wird nach Quadratmeter bzw. Raumvolumen. Für die Speditionsfirma eine gute Nutzung leerstehender Kapazitäten und für die Kunden häufig ein absoluter Problemlöser.

as Disponieren „on demand“ oder „on time“ ist es, das die angesprochenen eigenen Lagerkapazitäten zum Teil überflüssig macht. Die Digitalisierung bietet bereits jetzt interessante Softwarelösungen und Hardwarenachrüstungen, mit denen die Logistik völlig neue Wege geht.

as Disponieren „on demand“ oder „on time“ ist es, das die angesprochenen eigenen Lagerkapazitäten zum Teil überflüssig macht. Die Digitalisierung bietet bereits jetzt interessante Softwarelösungen und Hardwarenachrüstungen, mit denen die Logistik völlig neue Wege geht.(#03)

Spediteure sollten jetzt auf die Automatisierung setzen

Die Automatisierung macht auch im Transportgewerbe nicht Halt. Im Gegenteil: Wer als Speditionsfirma nicht in den Trend zur Automatisierung investiert, wird in einigen Jahren ein echtes Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit bekommen. Aktuell ist die Automatisierung vor allem hinsichtlich des Transportmanagements schon weit fortgeschritten. Das Disponieren „on demand“ oder „on time“ ist es, das die angesprochenen eigenen Lagerkapazitäten zum Teil überflüssig macht. Die Digitalisierung bietet bereits jetzt interessante Softwarelösungen und Hardwarenachrüstungen, mit denen die Logistik völlig neue Wege geht.

Optimal funktioniert das, wenn man die komplette Lieferkette (neudeutsch: Supply Chain) durchstrukturiert. Durch modulare Softwarelösungen kann das Transport Management je nach Bedarf entsprechend aufgerüstet und skaliert werden. Die Investitionen in diese modernen Systeme sind nach Meinung der meisten Experten längst überfällig und sollten nicht auf die lange Bank geschoben werden. Denn schon in wenigen Jahren wird kaum noch ein Kunde zum Telefon greifen und sich bei der Speditionsfirma aufwändig nach Konditionen erkundigen. Doch auch für die Unternehmen ist das Potenzial durch Einsparungen und Zeitmanagement nicht zu unterschätzen.

Kostensenkung und höhere Flexibilität sind nur zwei Aspekte, die durch moderne Datenerfassung und Echtzeit-Überwachung des Lieferflusses verbessert werden. So kann der Fahrer etwa durch GPS-Überwachung von der Logistikzentrale kurzfristig zu einem anderen Kunden auf der Strecke umgeleitet oder bei Bekanntwerden von Verkehrsstörungen umdisponiert werden. Für diese Anforderungen gibt es unterschiedliche Anbieter, von denen alle ihre eigenen Wege verfolgen. Zukunftssicher sind vor allem die Systeme, die sich später flexibel anpassen lassen.

Die großen Anbieter für Telematik haben sich zur Etablierung eigener Standards inzwischen zu einem Verband zusammengeschlossen, um das Chaos unterschiedlicher Technologieansätze nach Möglichkeit zu reduzieren. Denn nur dann kann die Digitalisierung für die Speditionsfirma zukunftssicher und kompatibel zu anderen Partnern großflächig umgesetzt werden.

 Es dürfte klar sein, dass der Elektroantrieb für LKW auf der Langstrecke auf absehbare Zeit noch nicht umsetzbar ist, weil die Kapazitäten dieser Antriebe nur auf Kurzstrecken ausreichen und zudem in der Anschaffung noch sehr teuer sind.

Es dürfte klar sein, dass der Elektroantrieb für LKW auf der Langstrecke auf absehbare Zeit noch nicht umsetzbar ist, weil die Kapazitäten dieser Antriebe nur auf Kurzstrecken ausreichen und zudem in der Anschaffung noch sehr teuer sind. (#04)

Moderne Speditionen müssen die Umwelt schützen

Der Umweltschutz spielt in der Transportbranche eine immer größere Rolle. Politik und Umweltverbände drängen auf Alternativen zum Diesel. Für die Speditionsfirma sind die LKW mit Dieselantrieb aber mangels verfügbarer Alternativen bei den Fahrzeugherstellern derzeit noch unverzichtbar. Trotzdem sollten Planer diese Entwicklung bei der Neuanschaffung von Fahrzeugen der Transportflotte frühzeitig im Auge behalten. Es dürfte klar sein, dass der Elektroantrieb für LKW auf der Langstrecke auf absehbare Zeit noch nicht umsetzbar ist, weil die Kapazitäten dieser Antriebe nur auf Kurzstrecken ausreichen und zudem in der Anschaffung noch sehr teuer sind. Ideen wie die Elektrifizierung von LKW-Spuren auf Autobahnen sind hingegen für viele Logistiker eher eine Spielerei.

Wirklich machbar ist bislang nur der Umstieg auf Erdgas als Antrieb für LKW. Als erprobter und bewährter Brennstoff ist er nahezu flächendeckend zu bekommen und verursacht bei der Neuanschaffung nicht so hohe Mehrkosten wie etwa ein Elektroantrieb. Insbesondere hinsichtlich der Emission von Schadstoffen kann man mit Erdgas schon eine Menge erreichen. Deswegen drängen Experten von Verbänden und der Deutschen Energie Agentur darauf, erdgasbetriebene LKW durch Entlastungen bei Maut und Steuer als derzeit einzig sofort umsetzbare Alternative zum Diesel populärer zu machen. Für die einzelne Speditionsfirma mag das noch nicht relevant sein, doch das Thema sollte man auf jeden Fall im Auge behalten.

So bleiben Sie mit Ihrer Spedition langfristig wettbewerbsfähig:

  • intelligente und vorausschauende Planung zur Vermeidung von Leerfahrten
  • überregional Dienstleistungen anbieten und entlang der Routen planen
  • Nutzung von Frachtbörsen senkt Kosten und kann Leerfahrten reduzieren
  • moderner Fuhrpark mit zukunftssicheren Antrieben
  • clevere Nutzung von Überkapazitäten im Lagerbereich
  • Durchführung der Umzüge und Einlagerung von Waren für Endkunden
  • Digitalisierung zur Optimierung der gesamten Transportkette nutzen

Fazit: Die Speditionsfirma von morgen sieht anders aus als heute

Obwohl LKW für Transporte von Waren nach wie vor unverzichtbar sind, ist die Frage moderner Antriebssysteme längst keine ökologische Spinnerei mehr. Bei der Planung neuer Fuhrparks sollte das beachtet werden. Im Alltag helfen moderne Plattformen und Frachtbörsen bei der Organisation der Transportwege und der effizienten Auslastung der eigenen Kapazitäten.

Teure Lagerhallen, die nicht mehr im vollen Umfang genutzt werden, kann man in Teilen oder komplett an Drittnutzer weitervermieten, um die Einlagerung von Waren privater und gewerblicher Kunden zu ermöglichen, die dringend günstige Stellflächen suchen.


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About Author

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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