Lohngruppen: Vom Lagerist bis zum Supply-Chain-Manager

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Ohne eine gut organisierte und lückenlose Logistik funktioniert die gesamte Wirtschaft nicht mehr, denn alle Unternehmen sind auf reibungslose Abläufe angewiesen. Das bringt hohe Gehälter. Oder nicht?

Lohngruppen und Gehälter: Wer verdient wie viel in der Logistik?

Wie in anderen Bereichen auch gibt es in der Logistik verschiedene Lohngruppen. In welche Gehaltsgruppe der einzelne Mitarbeiter einsortiert wird, hängt von verschiedenen Faktoren wie Ausbildung, Berufskenntnisse, Alter und Verantwortung im Rahmen des jeweiligen Arbeitsbereichs ab.

Dabei lassen sich grob die folgenden Daten festhalten:

  • Logistiker mit akademischem Abschluss verdienen zwischen 42.500 und 48.000 Euro jährlich in ihren ersten Berufsjahren
  • Speditionskaufleute oder andere Logistiker mit schulischer Ausbildung beginnen mit rund 27.000 Euro im Jahr
  • in vielen Unternehmen gelten Tarifverträge
  • Zuschläge und Sonderzahlungen sind nicht überall üblich

Meist sind die Tarifverträge auf Landesebene geregelt. Somit zeigen sich Unterschiede bei einer Betrachtung der einzelnen Bundesländer und der Lohngruppen und Gehälter der Logistiker. Ein Lagerarbeiter könnte in Sachsen nach Tarif rund 2.473 Euro monatlich verdienen, in Baden-Württemberg wären es zehn Euro weniger. Dafür müsste der Baden-Württemberger aber auch nur 35 statt 38 Stunden in der Woche arbeiten.

Teilweise werden Mitarbeiter in eine sehr gehobene Gehaltsgruppe gezählt, dabei handelt es sich meist um Vertriebler oder Einkäufer auf Führungsebene. Qualifizierte Facharbeiten sorgen für die Einteilung in höhere Lohngruppen. Damit die Durchschnittswerte der Branche nicht verzerrt werden, werden Mediane gebildet, die die Mitte für unterschiedliche Berufsgruppen darstellen. Eine Hälfte der Berufsangehörigen verdient dann mehr, die andere Hälfte weniger.

Mit der Einteilung in Lohngruppen geht es nicht nur darum, die Lohnabrechnung einfacher zu machen, sondern auch um eine Gleichbehandlung der Mitarbeiter mit einer ähnlichen und somit gleichzusetzenden Qualifikation. Wer im Rahmen seines Arbeitsbereichs ein hohes Verantwortungsbewusstsein zeigt und sich für Führungsaufgaben qualifiziert, kann damit rechnen, dass er in eine andere Gehaltsgruppe aufsteigt. Die angesetzten Lohngruppen sind damit nicht fix, sondern variabel für den einzelnen Mitarbeiter.

Wie in anderen Bereichen auch gibt es in der Logistik verschiedene Lohngruppen.

Wie in anderen Bereichen auch gibt es in der Logistik verschiedene Lohngruppen. (#01)

Die folgende Übersicht zeigt, wer in der Logistik wie viel verdient, wobei es sich hierbei natürlich nur um Durchschnittswerte handelt:

 

Berufsbezeichnung Tätigkeit Durchschnittliches Gehalt
Fachkraft für Lagerlogistik – Annahme und Kontrolle von Gütern

– Zusammenstellung von Tourenplänen

– Mitwirkung bei Optimierungsaufgaben

– Durchschnitt 2695 Euro (Unterschiede Ost – West ca. 500 Euro)
Speditions- und Logistikkaufmann/-kauffrau – Sämtliche Tätigkeiten rund um Lagerwirtschaft und Logistik – Durchschnitt 3089 Euro (Unterschied Ost – West ca. 800 Euro)
BetriebswirtIn für Logistik – Beratung der Geschäftsleitung

– Steuerung und Kontrolle in Transport- und Lagerwesen

– ca. 3900 Euro (West) und 2900 Euro (Ost)
Supply-Chain-Manager, Diplom-Logistiker – führende Tätigkeiten in der Logistik

– Beratung der Geschäftsleitung

– ca. 3500 Euro (West) und 2450 Euro (Ost)
Leiter Lagerwirtschaft – Organisation und Verwaltung des Warenlagers

– Administrative Tätigkeiten

– Durchschnittlich 3830 Euro

 

Immer noch sind die Unterschiede zwischen Ost und West sehr deutlich und es ist nicht abzusehen, dass sich die Lohngruppen angleichen werden. Vielfach sind die Gehälter allerdings noch deutlich höher, weil zum Beispiel Zuschläge für bestimmte Leistungen gewährt werden. Über diese Zuschläge entscheidet in der Regel der Betriebsrat, zu dessen Bildung die Unternehmen ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl verpflichtet sind.

Die Gehälter in der Logistikbranche richten sich nach verschiedenen Faktoren und so unterscheiden sich auch die Lohngruppen enorm.

Die Gehälter in der Logistikbranche richten sich nach verschiedenen Faktoren und so unterscheiden sich auch die Lohngruppen enorm.(#02)

Lohngruppen in der Logistik: Verdient ein hochkomplexes Berufsfeld hohe Gehälter?

Die Gehälter in der Logistikbranche richten sich nach verschiedenen Faktoren und so unterscheiden sich auch die Lohngruppen enorm. Zuschläge, wie sie teilweise durch den Betriebsrat verabschiedet werden, erhöhen das monatliche Einkommen, welches somit nicht nur von den eigenen Fähigkeiten, sondern auch vom Unternehmen selbst abhängig ist. Qualifizierte Mitarbeiter eines Arbeitsbereichs verdienen durch ihre Berufserfahrung teilweise mehr als ein Kollege, der gerade frisch aus dem Studium kommt. Wie genau die Bildung der Lohngruppen zustande kommt, dazu muss ebenfalls der Betriebsrat Auskunft geben können.

Die Vorurteile bezüglich der Lohngruppen und der Höhe der Gehälter in der Logistik sind allerdings immer noch groß. Dabei stellt sich bei näherem Hinsehen heraus, dass auch die qualifizierte Fachkraft gar nicht so viel verdient wie angenommen. Das Einstiegsgehalt für einen Absolventen der Hochschule liegt gewöhnlich zwischen 31.000 und 40.000 Euro pro Jahr, gerechnet ohne weitere Zuschläge oder Gratifikationen.

Die durchschnittlichen 36.000 Euro teilen sich auf etwa 3000 Euro im Monat auf, was nicht wirklich viel ist. Allerdings sei auch an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass für die Höhe des Gehalts nicht nur der Abschluss des Mitarbeiters wichtig ist, sondern auch seine Aufgaben und das Verantwortungsbewusstsein bzw. die Verantwortung, die er übernimmt. Wer qualifizierte Aufgaben ausführt und ein Team anleitet, verdient verständlicherweise mehr als jemand, der die Aufgaben nur ausführt.

Die folgenden Gehälter sind üblich:

  • Disponent: 32.000 Euro
  • Produktionsplaner: 37.000 Euro
  • Supply-Chain-Manager: 42.000 bis 63.000 Euro
  • Lkw-Fahrer: 24.750 Euro
  • Kommissionierer: 21.000 Euro

Diese durchschnittlichen Gehälter sind auf die Anfangszeit im Beruf gerechnet, das heißt, dass jemand, der direkt aus der Ausbildung oder vom Studium kommt und eine entsprechende Stelle ergattert, mit einem solchen Bruttoverdienst rechnen kann.

Ebenfalls interessant: Ein Kaufmann in der Speditions- und Lagerlogistik verdient durchschnittlich 22.200 Euro, eine Kauffrau im gleichen Beruf nur ca. 20.300 Euro. Auch in der Logistik sind nicht nur Unterschiede der Lohngruppen zwischen Ost und West erkennbar, sondern auch zwischen Mann und Frau. Lediglich bei Führungskräften sind diese Unterschiede weniger deutlich, denn bei ihnen verdienen Frauen ähnlich gut wie Männer.

Video: Abwechslungsreich: Logistikberufe stellen sich vor

Lohngruppen in der Logistik: Was beeinflusst den Verdienst?

Wie bereits angedeutet sind die Lohngruppen nicht endgültig, das heißt, dass jemand, der sich mit zahlreichen Facharbeiten einen Namen macht oder eine Weiterbildung absolviert, in höhere Lohngruppen aufsteigen kann. Als wichtiger Einflussfaktor gilt das Unternehmen selbst bzw. dessen Größe. Umfragen haben ergeben, dass große Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern rund 6000 Euro mehr Gehalt zahlen, als das bei kleinen Firmen der Fall ist.

Auch der Standort der Firma ist relevant, wie bereits aus den Unterschieden zwischen Ost und West zu erkennen ist. In Hessen, Baden-Württemberg und Bayern verdienen Logistikfachleute am besten, danach folgen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz als Bundesländer, in denen hohen Gehälter gezahlt werden. Bis zu 17.000 Euro weniger als in den erstgenannten Ländern verdienen Logistiker in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Wichtig ist des Weiteren die Branche, in der der Logistikfachmann angestellt ist. Am besten zahlen Unternehmen aus der Medizintechnik, gefolgt von der Pharmaindustrie, den Unternehmen aus Energie und Entsorgung und der Unternehmensberatung. Danach folgen Wirtschaftsprüfung und Recht sowie die Luft- und Raumfahrt.

Wer einen speziellen Schwerpunkt besitzt, kann sich auf ein höheres Gehalt freuen. Logistik-Manager bekommen mehr Geld als Disponenten, Consultants verdienen mehr als Produktionsplaner.

Immer noch sind die Unterschiede zwischen Ost und West sehr deutlich und es ist nicht abzusehen, dass sich die Lohngruppen angleichen werden.

Immer noch sind die Unterschiede zwischen Ost und West sehr deutlich und es ist nicht abzusehen, dass sich die Lohngruppen angleichen werden.(#03)

Gut zu wissen: Je mehr Personal- und Berufserfahrung vorliegt, desto höher wird das Gehalt. Aus einem anfänglichen Gehalt von 36.000 Euro im Jahr werden nach rund zehn Jahren bereits 80.000 Euro.

Wer mehr verdienen möchte, sollte wissen, dass sich gerade in der Logistikbranche ein Studium lohnt. Denn es ist unbestritten, dass es mehr Gehalt bei akademischer Ausbildung gibt. Fach- und Führungskräfte können hier mit einem deutlich höheren Gehalt rechnen, selbst dann, wenn sie gerade in den Beruf eingestiegen sind und folglich noch keine umfassende Berufserfahrung vorweisen können. Das Gehalt einfacher Mitarbeiter ohne akademische Ausbildung stieg auch in den letzten Jahren nur in geringem Maße an, während sich die Gehaltsentwicklung bei hoch qualifizierten Führungskräften deutlich nach oben entwickelte.

Rund 13 Prozent mehr Gehalt gab es für Mitarbeiter mit Hochschulabschluss in den Jahren zwischen 2002 und 2012. Wer dabei sogar noch Personalverantwortung zu tragen hatte, konnte sich über einen Gehaltsanstieg von rund 44 Prozent freuen. Auch wenn der untersuchte Zeitraum schon einige Zeit zurückliegt, so sind die Grundlagen doch die gleichen geblieben. Ein Studium lohnt sich und wer direkt nach dem Einstieg in den Job möglichst viel verdienen möchte, kommt um die akademische Ausbildung nicht herum. Das gilt auch für Fortbildungen und so kann ein berufsbegleitendes Studium auch nachträglich zu mehr Gehalt und höheren Lohngruppen führen.


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About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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