Supply Chain Management: Karrierechancen in der Logistik

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Das Supply Chain Management spielt in modernen Unternehmen eine immer wichtigere Rolle. Dieser Artikel stellt vor, was unter diesem Begriff zu verstehen ist und welche Aufgaben und Karrieremöglichkeiten Supply Chain Manager haben.

Lieferketten: Immer wichtiger für die Wirtschaftstätigkeit

Früher wiesen Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie in der Regel eine sehr hohe Fertigungstiefe auf. Das bedeutet, dass sie die gesamten Produkte weitestgehend alleine herstellten. Sie kauften dafür lediglich die Rohstoffe. Mittlerweile haben sich die Produktionsformen jedoch deutlich gewandelt. Immer mehr Betriebe konzentrieren sich lediglich auf ihre Kernkompetenzen. Durch Outsourcing übertragen sie viele Aufgaben an andere selbstständige Anbieter. Wenn beispielsweise ein Unternehmen ein Smartphone herstellt, dann entwickelt es dafür ein Design und legt die technischen Grundlagen fest. Auch die Endfertigung übernimmt es selbst. Die verschiedenen Einzelteile wie die Tastatur, der Bildschirm oder der Akku stammen jedoch häufig von anderen Herstellern.

Diese Lieferketten sind noch deutlich weiter verzweigt, da die meisten dieser Lieferanten für Einzelteile wiederum von anderen Unternehmen beliefert werden. Der Hersteller der Tastatur beispielsweise kann für die Herstellung granulierten Kunststoff verwenden, den er von einem anderen Anbieter bezieht. Dieser wiederum muss die dafür notwendigen Rohstoffe – in diesem Fall vorwiegend Erdöl – bei einem weiteren Unternehmen einkaufen. So entstehen häufig lange und weit verzweigte Lieferketten, die für die Herstellung eines Produkts notwendig sind. In vielen Fällen zeichnen sich die Supply Chains außerdem dadurch aus, dass sie räumlich sehr weit gefasst sind. Oftmals befinden sich die beteiligten Unternehmen in unterschiedlichen Ländern – teilweise sogar auf verschiedenen Kontinenten.

Diese Lieferketten sind mit der Herstellung eines fertigen Produkts jedoch noch nicht beendet. Sie gehen mit dem Vertrieb weiter. Häufig liefern die Hersteller die Produkte zunächst an verschiedene Großhändler aus. Diese verkaufen sie daraufhin an Einzelhändler, ehe sie die Endkunden erreichen. Daher tritt auch nach dem Produktionsprozess eine mehrstufige Verzweigung der Lieferkette auf. Auf den Zielmärkten stehen daher häufig nicht mehr einzelne Hersteller in Konkurrenz zueinander, sondern Lieferketten, die aus vielen unabhängigen Unternehmen bestehen.

Video: Was versteht man unter Supply Chain Management?

Supply Chain Management: Was ist das eigentlich?

Das vorherige Kapitel hat bereits aufgezeigt, dass es sich bei Lieferketten um relativ komplizierte und umfangreiche Strukturen handelt. Um effizient wirtschaften zu können, ist es wichtig, dass diese perfekt organisiert sind. Das betrifft bereits die Herstellung der einzelnen Bauteile. Diese müssen die spezifischen Anforderungen genau einhalten, da das Zusammenfügen sonst nicht möglich ist. Außerdem ist es wichtig, dass die einzelnen Teile der Lieferkette ihre Aufgabe zuverlässig erfüllen und alle Güter zum vereinbarten Zeitpunkt herstellen. Auch zeitliche und räumliche Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Die benötigten Bauteile müssen genau zum richtigen Zeitpunkt am hierfür notwendigen Ort zur Verfügung stehen. Wenn dies nicht der Fall ist, kommt es zu Verzögerungen, die sich auf alle übrigen Glieder der Lieferkette auswirken. Daher können sie sehr hohe Verluste zur Folge haben.

Damit die Produktion reibungslos ablaufen kann, sind daher Supply Chain Manager notwendig. Diese analysieren jeden einzelnen Teil dieser Kette und sorgen dafür, dass dieser seine Aufgaben zuverlässig erledigt. Sie stellen sicher, dass alle Waren die Anforderungen an die Qualität erfüllen und dass sie zum richtigen Zeitpunkt für die Weiterverarbeitung bereitstehen. Sie koordinieren die globalen Warenströme nicht nur, sondern versuchen auch, sie zu optimieren. Das soll das fertige Endprodukt so günstig wie möglich machen, sodass die Gesamtgewinne steigen.

Die Koordination der Warenströme ist nicht nur für den Bereich vor der Fertigstellung der Produktion von Bedeutung, sondern auch danach. Auch hierbei ist es wichtig, dass die Waren möglichst schnell und kostengünstig ihren Weg über Groß- und Einzelhändler bis hin zu den Endkunden finden. Daher optimieren Supply Chain Manager auch diesen Bereich.

Supply Chain Management basiert in vielen Bereichen auf der Betriebswirtschaftslehre. Viele Methoden sind dabei identisch. Allerdings verlässt es den engen Rahmen dieses Wissenschaftszweigs, der sich stets auf ein einzelnes Unternehmen bezieht. Es untersucht hingegen auch die Beziehungen zwischen unabhängigen Betrieben und ist darum bemüht, die sich daraus ergebenden Prozesse zu optimieren.

Das Supply Chain Management spielt in modernen Unternehmen eine immer wichtigere Rolle. (#01)

Das Supply Chain Management spielt in modernen Unternehmen eine immer wichtigere Rolle. (#01)

Abgrenzung zwischen Supply Chain Management und Logistik

Ein großer Teil der Aufgaben im Supply Chain Management besteht darin, die Objektflüsse – also den Austausch von Gütern, Informationen oder Werten – effizient zu gestalten. Einen wichtigen Aspekt stellt dabei der Transport der Waren dar. Die Logistik beschränkt sich dabei jedoch in erster Linie auf die Bereiche Transport und Lagerhaltung.

Diese spielen zwar auch beim Supply Chain Management eine wichtige Rolle, allerdings umfasst dieses noch viele weitere Aufgaben – vorwiegend aus dem Bereich der Betriebswirtschaft. Beispielsweise kümmern sich die Supply Chain Manager um Marketing-Aktionen, die die gesamte Lieferkette umfassen. Außerdem sind sie darum bemüht, die Produktion in jedem einzelnen der beteiligten Unternehmen so effizient wie möglich zu gestalten. Diese Aspekte gehen weit über das Feld der reinen Logistik hinaus.

Die Aufgaben und Ziele eines Supply Chain Managers

Supply Chain Manager verfolgen stets einen ganzheitlichen Ansatz. Sie haben nicht nur die komplette Lieferkette mit allen einzelnen Gliedern im Blick. Auch innerhalb der einzelnen Betriebe befassen sie sich mit den einzelnen Abteilungen, die an den jeweiligen Prozessen beteiligt sind.

Nachdem die vorherigen Kapitel bereits einige Ziele vorgestellt haben, zeigt die folgende Liste nun die ganz konkreten Aufgaben im Supply Chain Management auf:

  • Lieferung beschleunigen und koordinieren
  • Kosten für Produktion, Lagerung und Transport senken
  • Optimalen Informationsfluss erreichen
  • Beziehungen zwischen den beteiligten Unternehmen der Lieferkette verbessern
  • Flexibilität erhöhen, um sich ändernden Kundenansprüchen gerecht zu werden

Ein sehr wichtiger Aspekt des Supply Chain Managements besteht in der Vermittlung und im Ausgleich der Interessen der beteiligten Unternehmen. Diese sind häufig vollkommen entgegengesetzt. Während der Hersteller eines bestimmten Bauteils dafür möglichst hohe Preise erzielen will, ist das Unternehmen, das die Endproduktion übernimmt, an möglichst günstigen Kosten interessiert. Supply Chain Manager müssen diese unterschiedlichen Wünsche aufnehmen und so koordinieren, dass eine für alle Beteiligten sinnvolle Lösung entsteht.

Video: Duales Studium BWL Logistik & Logistikmanagement [Info-Serie]

Die Studienmöglichkeiten für Supply Chain Management

Das Supply Chain Management ist eine relativ neue Wissenschaft. Die ersten Grundzüge entstanden zwar bereits zu Beginn der 80er Jahre. Bis dieser Ansatz eine breite Akzeptanz erfuhr, sollten jedoch noch viele Jahre vergehen. Zwar hat sich das Supply Chain Management mittlerweile zu einem angesehenen Wissenschaftszweig gemausert. Allerdings konnte sich dieser Bereich an den deutschen Hochschulen bislang nicht vollständig etablieren. Insbesondere an staatlichen Universitäten und Fachhochschulen gibt es kaum passende Studienangebote. Lediglich vereinzelte Seminare und Vorlesungen beschäftigen sich mit diesem Thema.

Um im Bereich Supply Chain Management tätig zu werden, ist daher in erster Linie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre sinnvoll. Auch ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens stellt eine gute Grundlage dar. Dabei ist es jedoch wichtig, sich bereits frühzeitig auf den Bereich Supply Chain Management zu spezialisieren. Dies kann – sofern vorhanden – durch Lehrveranstaltungen an den Hochschulen mit entsprechendem Inhalt geschehen. Wenn es keine passenden Angebote gibt, sind die Studenten auf Eigeninitiative angewiesen. Sie sollten sich die Inhalte einerseits im Selbststudium aneignen und andererseits Lehrgänge und Seminare bei anderen Bildungseinrichtungen mit diesem Schwerpunkt besuchen.

Eine Alternative dazu stellt es dar, ein spezialisiertes Studium an einer privaten Hochschule zu absolvieren. Bei diesen Anbietern gibt es zahlreiche Studiengänge, die sich genau mit diesem Thema befassen. Das bringt sicherlich den Vorteil mit sich, dass die Studierenden dabei genau die Inhalte erlernen, die sie für die Aufgaben im Supply Chain Management benötigen. Auf der anderen Seite sind die Studiengebühren dabei in der Regel erheblich.

Video: Supply Chain Management -Technologie Trends in der Logistik

Weitere Tätigkeiten im Bereich Supply Chain Management

Nicht bei allen Arbeitskräften, die in diesem Bereich tätig sind, handelt es sich um studierte Betriebswirtschaftler, Wirtschaftsingenieure oder um Absolventen mit einem spezialisierten Abschluss im Supply Chain Management. Da dieser Bereich ziemlich neu ist und es nur wenige spezialisierte Fachkräfte gibt, ist auch ein Quereinstieg möglich. Darüber hinaus sind für ein effizientes Supply Chain Management nicht nur wirtschaftliche Fähigkeiten notwendig. Eine wichtige Grundlage für die Tätigkeit stellen beispielsweise effiziente IT-Strukturen dar. Daher sich auch Informatiker, Mathematiker oder Naturwissenschaftler in diesem Bereich tätig. Auf diese Weise ergibt sich ein breites Angebot an weiteren möglichen Berufen.

Häufig kommen in diesem Bereich Sachbearbeiter mit einem kaufmännischen Abschluss zum Einsatz. Es ist daher nicht immer ein Hochschulstudium für diese Tätigkeit notwendig. Eine gute Ausbildung und nach Möglichkeit eine passende Weiterbildung stellen ebenfalls eine gute Grundlage dar.

Informatiker kümmern sich um die IT-Architektur für die Organisation der Lieferkette. Diese Aufgabe nimmt eine so wichtige Stellung ein, dass es sich bei einem erheblichen Anteil der Arbeitskräfte im Supply Chain Management um Informatiker handelt – entweder mit Hochschulstudium oder mit einer Ausbildung zum Fachinformatiker.

Um die Prozesse zu optimieren, ist es zunächst notwendig, sie gründlich zu analysieren. Dafür kommen vorwiegend mathematische Methoden zum Einsatz. Daher haben auch Mathematiker Chancen auf eine Anstellung im Bereich Supply Chain Management.

Gute Gehalts- und Karrierechancen im Supply Chain Management

Das Supply Chain Management nimmt aufgrund der grundlegenden Wandlungen der wirtschaftlichen Strukturen eine immer wichtigere Rolle ein. Gleichzeitig gibt es bislang noch recht wenige Fachkräfte, die über ein entsprechendes Studium verfügen. Das eröffnet sehr gute Karrierechancen, die sich auch im Gehalt niederschlagen.

Einsteiger mit akademischem Abschluss können bereits mit einem Einstiegsgehalt von über 45.000 Euro rechnen. Dieser Wert ist deutlich höher als in vergleichbaren Berufen – beispielsweise in der Logistik. Je höher die Berufserfahrung ist, desto stärker steigen die Gehälter. Führungskräfte mit langjähriger Erfahrung verdienen um Durchschnitt rund 90.000 Euro pro Jahr und zählen damit zu den Spitzenverdienern in Deutschland.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: KAMONRAT-#01: Kritsana Maimeetook   _

About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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