Strompreisentwicklung: Logistiker klagen über Strompreise auf Rekordhoch

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Die nächste Strompreiserhöhung steht an und es wird klar, dass die Strompreisentwicklung keine Tendenz nach unten kennt. Logistik und Industrie sind ebenso wie private Nutzer darauf angewiesen, den Stromanbieter zu wechseln.

Strompreisentwicklung: Prognose nicht günstig

Wer seine Stromabrechnung in den Händen hält, ist Jahr für Jahr einer Ohnmacht nahe. Die Strompreisentwicklung geht immer mehr nach oben, günstiger wird es wohl nicht mehr werden. Doch steigende Strompreise belasten nicht nur private Haushalte, auch die Industrie und die Logistik haben zu leiden. Die gesamte Wirtschaft ist von der Strompreiserhöhung betroffen und sucht händeringend nach Möglichkeiten, einen günstigeren Preis pro Kilowattstunde zu bekommen. Erst einmal hilft es sicherlich, die einzelnen Preise bequem vergleichen und den Wechsel über die Seite www.toptarif.de/strompreise/ veranlassen zu können. Industrie- und Haushaltskunden können damit Einfluss auf die Strompreisentwicklung nehmen, denn wenn sie Anbieter mit sehr hohen Preisen durch einen Wechsel abstrafen, werden die Preise (zumindest theoretisch) nicht durch die Decke gehen. Dennoch lassen sich zwei Sachen festhalten:

Video: Alles über Strompreise und warum sie steigen | SWR | Landesschau Rheinland-Pfalz

  • 1. Die Strompreise sind in Deutschland so hoch wie nie.
  • 2. EEG Umlage seit 2017 leicht rückläufig.

Der BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) hat ermittelt, dass die Strompreisentwicklung seit 2016 kontinuierlich nach oben geht. In diesem Jahr kostete die Kilowattstunde Strom durchschnittlich 7 Cent. Hinzu kam die EEG Umlage mit 6,35 Cent pro Kilowattstunden. Der Anteil der Steuern belief sich auf 1,54 Cent pro Kilowattstunde. Auf diesem Niveau liegen die Steuern auch heute noch, der Strompreis beläuft sich aber auf 9,49 Cent/kWh, die EEG Umlage liegt bei 6,41 Cent/kWh und ist damit im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig. Der BDEW teilt aber mit, dass die Strompreise schon einmal auf einem ähnlich hohen Niveau waren:

  • 1998: 9,15 Cent/kWh
  • 2008: 10,70 Cent/kWh
Inforgrafik Strompreisentwicklung: Internationaler Preisvergleich Elektrizität

Inforgrafik Strompreisentwicklung: Internationaler Preisvergleich Elektrizität.

Zu diesen Zeiten, als der Strompreis bereits auf einem höheren Niveau als heute war, war die EEG Umlage jedoch niedriger und betrug in 2008 nur 1,16 Cent/kWh. Dies zeigt der Vergleich über die Daten des BDEW, dennoch ist der nun seit vier Jahren in Folge steigende Strompreis natürlich extrem ärgerlich. Ein Ende dieser Strompreisentwicklung ist überdies nicht in Sicht.

Strompreisentwicklung: Anbieter erhöhen fröhlich weiter

Ob für private Haushalte oder für die Industrie: Strom war noch nie so teuer wie jetzt. Schon in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 erhöhten laut Aussage des Vergleichsportals Verivox 826 Grundversorger ihre Preise. Durchschnittlich stiegen diese um fünf Prozent an, was für einen Haushalt mit drei Personen und einem durchschnittlichen Verbrauch von 4000 Kilowattstunden im Jahr rund 60 Euro jährlich ausmacht. Auch andere Vergleichsportale gehen davon aus, dass die Preisspirale nur den Weg nach oben kennt. Nun stellt sich aber doch die Frage, was Strom so teuer werden lässt.

Immerhin herrscht nach der Liberalisierung ein freier Markt und theoretisch müssten die Preise doch auch in den Keller gehen können. Leider nein, denn die Beschaffung selbst macht nur einen Bruchteil der Strompreise aus. Weitaus mehr ins Gewicht fallen Netzentgelte, Steuern und Abgaben sowie die bereits genannte EEG Umlage. Nun schlug die Kohlekommission vor, dass der Bund einen Zuschuss zahlen sollte, der auf die Netzentgelte anrechenbar ist und sowohl an Haushaltskunden als auch an Unternehmen gezahlt werden solle. Ob diese Diskussion positiv entschieden wird oder nicht, steht allerdings noch in den Sternen.

Strompreisentwicklung: Ob die Diskussion positiv entschieden wird oder nicht, steht noch in den Sternen.

Strompreisentwicklung: Ob die Diskussion positiv entschieden wird oder nicht, steht noch in den Sternen. (#01)

Momentan zeigt sich aber zumindest, dass der Strom zwar teuer wie nie ist, dass sich der Anstieg der Preise aber doch endlich verlangsamt. Die Preise werden durch milde Winter, in denen die Gasspeicher gut gefüllt bleiben, und durch die gesunkene Nachfrage nach Steinkohle gedämpft. Auch der Kohlepreis gab bereits nach, was auf eine gute Prognose hoffen lässt.

Das BMWi teilt mit, dass die Stromanbieter nur für einen Teil der Preise selbst verantwortlich seien. Sie können den Preis für die Beschaffung sowie für den Vertrieb bestimmen und halten damit eine Wettbewerbsmöglichkeit in der Hand. Wer einen Wechsel des Anbieters vornehmen möchte, muss also auf die Strompreise schauen bzw. auf den Preisbestandteil für Beschaffung und Vertrieb. Die Netzentgelte sowie die staatlich veranlassten Preisbestandteile hingegen können nicht durch die Anbieter beeinflusst werden. Das Vergleichen bringt in dem Fall nichts, denn diese Preisanteile sind für alle Stromanbieter gleich. Letztes Endes macht der Wettbewerbsanteil nur rund 22 Prozent des Gesamtpreises aus.

Dennoch lohnt sich der Vergleich der Stromtarife angesichts der aktuellen Strompreisentwicklung, meint das BMWi. Es rät dazu, vor allem außerhalb der Grundversorger nach einem Stromanbieter zu schauen, denn diese Grundversorger sind meist um durchschnittlich ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde teurer. Die Möglichkeit zum Wechsel besteht spätestens nach der nächsten Mitteilung über Strompreiserhöhung, außerdem ist vor dem Ende des regulären Vertrags bzw. vor dessen automatischer Verlängerung ein Wechsel möglich. Teilweise kann es bereits ausreichend sein, die Tarife eines Anbieters einem genauen Vergleich zu unterziehen und hier gegebenenfalls zu wechseln.

Video: Stromkosten berechnen – ganz einfach und verständlich!

Dem Stromanbieter Kontra geben: Stromkosten herausfinden

Haushaltskunden haben es deutlich einfacher als Logistiker oder andere industrielle Stromkunden. Sie können die jährliche Ablesung des Stromzählers zum Vergleich nehmen und sehen hier eine positive oder negative Entwicklung ihres Verbrauchs im Vergleich zum Vorjahr. Um herauszufinden, was welche Stromkosten verursacht, ist ein Stromzähler zwischen Steckdose und elektrischem Gerät zwischenschaltbar. Doch wie sieht es in der Wirtschaft aus? Welche Möglichkeiten haben Unternehmen, die eigenen Stromkosten feststellen zu können? Wie das BMWi mitgeteilt hat, sind die Netzentgelte nicht überall in Deutschland gleich hoch, sie hängen unter anderem an dem Netzgebiet bzw. dessen Kosten sowie am gesamten Stromverbrauch innerhalb dieser Region.

Es ist in jedem Fall schwierig, den Stromverbrauch an einzelnen Logistikstandorten konkret zu definieren.

Vor allem die Zuordnung zu den einzelnen operativen Prozessen innerhalb der Logistik ist schwer. Welche Tarife sind für das Lagern oder Fördern, für die Kommissionierung oder für andere Tätigkeiten die besten? Wo lassen sich Strompreise durch einen Wechsel beeinflussen und die eigenen Kosten senken? Auch in Gewerbe und Industrie möchte niemand zu viel zahlen und die Vorzüge der Liberalisierung des Strommarktes für sich nutzen. Dafür heißt es aber erst einmal, Stromverbrauchsmessungen durchzuführen und das bestenfalls im laufenden Betrieb. Nur so lässt sich ein konkreter Verbrauch ebenso feststellen, wie es möglich ist, die passenden Stromtarife für ein einzelnes Unternehmen zu finden.

Infografik Strompreisentwicklung: Internationaler Preisvergleich Erdgas

Infografik Strompreisentwicklung: Internationaler Preisvergleich Erdgas.

Die folgende Vorgehensweise bietet sich an, wenn die Entwicklung der Stromkosten bzw. der aktuelle Verbrauch nachvollzogen werden sollen:

Erstbegehung

Im Rahmen der Erstbegehung werden Ziele definiert. Welche Erwartungen werden an die Messungen gestellt und was soll mit der Überprüfung herausgefunden werden? Wird nur ein Standort überprüft oder geht es um eine Prüfung einzelner Bereiche innerhalb des Standorts? Wichtig ist in dem Zusammenhang eine verantwortliche Fachperson zu benennen, die Ansprechpartner für alle Beteiligten ist.

Messkonzept erstellen

Hierin werden sowohl automatisierte als auch manuelle Prozesse aufgeführt. Außerdem geht es um die Festlegung von Verbrauchergruppen. Diese können in bestimmten Kunden oder Ladeeinheiten bestehen.

Messpunkte wählen

Die Messpunkte werden nicht nach baulichen Gegebenheiten festgelegt, sondern nach einzelnen Anwendungen und Bereichen. Ein Beispiel ist der Messpunkt der Haustechnik.

Auch in Gewerbe und Industrie möchte niemand zu viel zahlen und die Vorzüge der Liberalisierung des Strommarktes für sich nutzen. Dafür heißt es aber erst einmal, Stromverbrauchsmessungen durchzuführen und das bestenfalls im laufenden Betrieb.

Auch in Gewerbe und Industrie möchte niemand zu viel zahlen und die Vorzüge der Liberalisierung des Strommarktes für sich nutzen. Dafür heißt es aber erst einmal, Stromverbrauchsmessungen durchzuführen und das bestenfalls im laufenden Betrieb. (#02)

Messungen durchführen

Nach Verteilen des Messequipments werden die Messungen durchgeführt. Hierbei muss meist ein Kompromiss zwischen gewünschten und wirklich machbaren Messungen gefunden werden, zumal die Messungen im laufenden Betrieb stattfinden müssen.

Die Ergebnisse der Messungen werden einer genauen Analyse unterzogen. Wo wird besonders viel Strom verbraucht? Wer outet sich als Stromfresser und welche Bereiche verbrauchen sehr wenig? Angesichts der aktuellen und auch in Zukunft zu erwartenden Strompreisentwicklung ist es wichtig, derartige Analysen exakt und akribisch durchzuführen. Daraus ergeben sich Sparmöglichkeiten in der Logistik.

Der Strompreisentwicklung mit Einsparungen begegnen

Infografik Strompreisentwicklung: Internationaler Strompreisvergleich 2018

Infografik Strompreisentwicklung: Internationaler Strompreisvergleich 2018

Das BMWi weiß, dass nur der Wettbewerbsanteil des Strompreises durch die Anbieter zu beeinflussen ist. Doch der Strompreiserhöhung, die die Strompreise überall in Deutschland hoch wie nie sein lässt, zu begegnen, sind Sparmaßnahmen auch in der Wirtschaft und hier insbesondere in der Logistik möglich.

Neben den Einsparmaßnahmen, die sich zum Beispiel durch den Umstieg auf alternative Kraftstoffe im Bereich des Fuhrparks ergeben, können die Logistikbetriebe auch in der Verwaltung und in den Lagerhallen sparen. Einsparpotenziale gibt es vor allem bei der Heizung, die bedarfsgerecht durchgeführt werden sollte. Es spart Strom, wenn die Heizung nicht die ganze Nacht hindurch läuft! Außerdem ist ein bewusster Umgang mit Kälte- und Klimatechnik sowie mit den elektrischen Verbrauchern nötig. Letztere sollten gänzlich ausgeschaltet werden, wenn sie sich nicht in der Benutzung befinden. Lüftungsanlagen erweisen sich bei Messungen häufig als große Energiefresser und sollten entsprechend überprüft werden.

Gibt es hier Leckagen, steigt der Energieverbrauch stark an. Eine regelmäßige Wartung dieser Anlagen hilft somit dabei, Strom zu sparen. Teilweise sind Mitarbeiterschulungen empfehlenswert, in denen es um den energiebewussten Umgang mit den Ressourcen des Unternehmens geht.

Durch die folgenden einfachen Maßnahmen lassen sich je nach Unternehmensgröße und Konsequenz der Anwendung bis zu 20 Prozent Stromkosten sparen:

  • Beleuchtung optimieren, elektronische Vorschaltgeräte nutzen
  • Leuchtstoffröhren reinigen lassen
  • Kühlvorrichtungen optimieren
  • Außenjalousien anwenden (halten Wärme im Sommer ab, daher geringere Klimakosten)
  • nicht verwendete Geräte ausschalten (vor allem nachts und am Wochenende)
  • Thermoskannen statt Kaffeemaschinen einsetzen

Vor allem der letztgenannte Punkt mutet zuerst ein wenig seltsam an, hat sich aber in der Praxis bewährt. Kaffeemaschinen erweisen sich als Stromfresser, wenn sie den ganzen Tag über angeschaltet bleiben, um den Kaffee warmzuhalten. Wird er aber in eine Thermoskanne umgefüllt, kann die allseits beliebte Kaffeemaschine nach Zubereitung des Kaffees ausgeschaltet werden.

Nicht nur im Hinblick auf die eigenen Stromkosten ist es für jedes Logistikunternehmen sowie alle Firmen aus Industrie und Wirtschaft empfehlenswert, Einsparungspotenziale zu suchen und zu definieren. Auch im Hinblick auf die umstrittenen CO2-Emissionen sind solche Einsparmöglichkeiten wichtig. Der energieeffiziente Umgang mit den Ressourcen des Unternehmens hat damit nicht nur Auswirkungen auf die Betriebsausgaben und kann die Verbrauchskosten enorm senken, sondern wirkt sich auch positiv auf die Umwelt aus.

Damit wiederum trägt das Unternehmen seinen Teil zur geforderten Nachhaltigkeit durch mehr Energieeffizienz bei und schafft sich praktisch nebenbei einen Wettbewerbsvorteil. Dies zumindest dann, wenn die eingeleiteten Maßnahmen marketingtechnisch ausgewertet und angewendet werden.


Bildnachweis: ©Shutterstock – Titelbild: LookerStudio – #01: Gearstd – #02: Phovoir

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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