Logistikzentrum & Co.: Amazon investiert in Hoppegarten in die letzte Meile

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Amazon baut sein Logistiknetzwerk weiter aus. Neben einem neuen Logistikzentrum hat der US-Konzern im letzten Jahr auch ein Verteilzentrum eröffnet. Vom neuen Amazon-Standort Hoppegarten werden nun die Amazon-Lieferungen rund um und in Berlin auf die letzte Meile gebracht.

Amazon: Verteilzentrum Hoppegarten stärkt Logistikkette

In Hoppegarten, etwa 17 Kilometer östlich von Berlin und mit direkter Anbindung an die B1, hat der weltgrößte Online-Händler Amazon im November 2019 ein weiteres Verteilzentrum in Betrieb genommen. Auf einer Gesamtfläche von 11.600 Quadratmetern wurden hochmoderne Lager-, Verlade- und Logistikflächen sowie ein Bürotrakt gebaut.

Das Gebäude verfügt über zwölf Tore, sieben Überladebrücken und eine Jumbo-Überladebrücke. Zur Innenausstattung gehören eine automatische Förderanlage sowie ein Mezzanin für die Paketsortierung. Für eine ansprechende Gestaltung im Außenbereich wurden 130 Bäume gepflanzt und zwei Hallenwände begrünt.

„In dem Verteilzentrum in Hoppegarten stecken mehr als 20 Jahre logistische Kompetenz, technologischer Fortschritt und Investitionen in die Transportinfrastruktur. So kann Amazon Kunden schnellere und flexiblere Lieferoptionen anbieten“, zeigt sich Bernd Gschaider, Direktor von Amazon Logistics in Deutschland, zufrieden nach der Eröffnung. Und die schnelle Auslieferung auf der letzten Meile ist in Hoppegarten auch das Ziel.

Im Verteilzentrum kommen die Pakete aus anderen Amazon Logistik- und Sortierzentren an, werden von Lieferpartnern abgeholt und an den Kunden zugestellt. Dafür arbeitet der Versandhändler mit lokalen Lieferpartnern zusammen. Laut Amazon werden für die Auslieferung der Pakete an die Kunden etwa 600 Fahrer bei den Lieferpartnern zuständig sein. Das Unternehmen selbst hat im Verteilzentrum Hoppegarten 150 neue Mitarbeiter eingestellt.

Amazon-Logistikkette verstehen: Logistik-, Sortier- und Verteilzentren in Deutschland

Der Online-Händler hat in Deutschland ein gut ausgebautes Logistiknetzwerk, das jährlich wächst. So betreibt der Versandriese derzeit an 12 deutschen Standorten 13 Logistikzentren. Die letzte Neueröffnung war im August 2019 in Mönchengladbach. Insgesamt kümmern sich derzeit in allen deutschen Logistikzentren rund 13.000 festangestellte Mitarbeiter um die Bestellungen der Kunden.

In den so genannten Sortable-Logistikzentren werden Waren wie Bücher, Haushalt- und Spielwaren von den Mitarbeitern zusammengestellt und für den Versand vorbereitet. Für eine schnellere Abwicklung setzt Amazon dafür Transportroboter ein. Damit können Bestellungen in wenigen Minuten umgesetzt werden, die zuvor Stunden benötigt haben. In den Non-Sortable-Logistikzentren werden hingegen große und sperrige Artikelbestellungen wie Möbel, Gartengeräte oder Teppiche bearbeitet und auf die Reise gebracht.

Nächste Station der Bestellungen sind die Sortierzentren, die so genannte mittlere Meile. In diesen werden die Waren nach dem Bestimmungsort sortiert und auf die Lkws gebracht. Einer der modernsten Meilensteine bei Amazon ist aktuell das Sortierzentrum in Garbsen, Niedersachen. 2018 eröffnet, ist Garbsen das erste automatisierte Amazon-Sortierzentrum in Deutschland.

Auf 4,6 Kilometer Fördertechnik werden dort Pakete mit einer Geschwindigkeit von 2,5 Metern pro Sekunde auf dem Förderband bewegt und nach Postleitzahlen und Regionen für den Weitertransport sortiert. Aber ohne helfende Hand geht es auch dort nicht. Die Mitarbeiter müssen die Pakete auf die Förderbänder legen und nach der Sortierung auf Paletten oder in Container verstauen. In Garbsen sind dafür 300 Mitarbeiter zuständig.

Letzter Abschnitt der Logistikkette ist das Amazon-Verteilzentrum. Neben Hoppegarten gibt es in Deutschland noch neun weitere Verteilzentren, die seit 2015 entstanden sind. Zu den letzten Eröffnungen zählen neben dem Standort in Brandenburg auch Hamburg und Erfurt.

In diesen Verteilzentren werden weder Kundenaufträge bearbeitet noch Waren eingelagert. Hier kommen die bestellten Artikel aus den europäischen Amazon Logistikzentren an, werden entladen, auf die Zustellfahrzeuge sortiert und schließlich auf der so genannten letzten Meile an die Kunden ausgeliefert.

Letzte Meile noch schneller beim Kunden

Aktuell arbeitet der US-Konzern intensiv daran diesen letzten Zustellschritt noch effektiver auszubauen, damit die Lieferung den Kunden noch schneller erreicht. „Die Nachfrage nach Amazon Prime steigt. Deshalb benötigen wir mehr Kapazitäten und eine höhere Flexibilität für die Next-Day und Same-Day Belieferung“, so Amazon Logistics Chef Bernd Gschaider.

Um das zu realisieren, arbeitet der Online-Händler bereits seit 2015 mit lokalen Lieferpartnern zusammen, die die letzte Meile zum Kunden übernehmen. Auch wenn dieser Lieferservice die bereits bestehenden Zustell-Partnerschaften zu DHL & CO. nur ergänzen soll, wirbt Amazon dennoch auf seiner Website verstärkt um weitere lokale Lieferpartner. Diese unterstützt der Versandhändler sogar mit einer eigens entwickelten Routenplanung. Diese soll eigenständig lernen und dabei helfen, die Pakete schon beim ersten Zustellversuch zum Kunden zu bringen.

Auch in Sachen Nachhaltigkeit unterstützt Amazon seine Lieferpartner. Bis 2040 will der Versandhändler seine Lieferungen kohlenstoffneutral machen und emissionsfreie Lieferfahrzeuge für den Versand der Waren nutzen. Erst vor kurzem hat der Konzern 100.000 Elektro-Lieferfahrzeuge geordert. Im Verteilzentrum in München Daglfing bringen bereits 50 Elektro-Fahrzeuge die Lieferung klimaneutral zum Kunden, und es sollen noch weitere hinzukommen, erklärt Adam Elman, Senior Lead Sustainability bei Amazon in Europa: „Dies ist erst der Anfang. Wir haben bereits 200 weitere Elektro-Fahrzeuge bestellt, die Anfang 2020 in Deutschland auf die Straße kommen sollen.“

Amazon-Logistiknetzwerk in Deutschland wächst weiter

Das deutsche Logistiknetzwerk von Amazon wird auch 2020 weiterwachsen. So sollen in diesem Jahr noch zwei weitere Logistikzentren eröffnen. In Oelde, Nordrhein-Westfalen, und in Sülzetal, Sachsen-Anhalt, will das Unternehmen damit über 2.000 neue Stellen schaffen. Auch weitere Verteilzentren sind 2020 bei dem Online-Riesen in Planung.

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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