Digitalisierung in der Logistik: Warum sie nur von außen kommen kann

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Die Digitalisierung in der Logistik soll von innen heraus geregelt werden. Experten sehen jedoch die einzigen Lösungen darin, digitale Prozesse von außen einzuleiten, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein.

Digitalisierung in der Logistik: Der aktuelle Stand

Viele Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, die Digitalisierung in der Logistik voranzutreiben. Neue Produkte versprechen die Abbildung aller Geschäftsbereiche in einem System, Zulieferer vergeben keine Belege mehr und berufen sich auf eine rein digitale Vorgehensweise. Aber heißt „digital“ auch in jedem Fall „digital“? Oder sehen die Unternehmen nicht oftmals etwas Unterschiedliches darin?

Unterschiedliche Vorstellungen von umfassender Digitalisierung

Wer den Anschluss an den Wettbewerb nicht verlieren und Kunden zufriedenstellen möchte, muss den gesamten Transport durch neue Prozesse überarbeiten. Digitale Lösungen werden vorgebracht und erweisen sich in der Realität doch nicht immer als umsetzbar.

Eigene Geschäftsmodelle werden zunehmend beeinflusst, Social Media, Data Analytics und Cloud Computing sind längst keine Fremdwörter mehr. Und dennoch: Die Unternehmen sehen die Digitalisierung in der Logistik unterschiedlich und setzen sich daher auch unterschiedliche interne Standards, wie in der DVZ zu lesen war.

Die Spedition Emons ist stolz darauf, Rechnung nur noch elektronisch zu versenden. Und das schon seit Jahren! Was anfangs ein Vorbild war, kann nun keine aktuellen News mehr bereichern, denn andere Speditionen haben längst auf weitaus mehr digitale Prozesse umgestellt. Auch wenn die genannte Spedition inzwischen auf die digitale Kommunikation mit dem Fahrer und den Verzicht auf immer mehr Vorgänge in Papierform setzt, so sind doch andere Firmen deutlich weiter.

Hingegen ist die Spedition Dachser schon deutlich weiter und lässt sich nicht treiben. Sie geht die Digitalisierung in der Logistik aktiv an und sieht darin die Chance, die gesamte Supply Chain in eine neue Zukunft zu führen. Wertschöpfungsprozesse profitieren von den neuen Lösungen, sind effektiver, flexibler und stabiler geworden.

Die beiden Speditionen zeigen, wie unterschiedlich die Auffassungen sind und wie verschieden die Prozesse der Digitalisierung angegangen werden. Während viele Firmen der Meinung sind, dass sie sofort einen wirtschaftlichen Schaden erleiden würden, wenn sie sich nicht an neue Vorgaben und Wege hielten, ist es bei anderen Firmen umgekehrt. Sie wollen weder die Kunden noch sich selbst überfordern und gehen den Weg der sehr kleinen Schritte. Unglaublich kleine Schritte, die nicht selten gefühlte Kilometer hinter den anderen hinterherhinken.

Wann sind digitale Geschäftsmodelle rentabel?

Die gesamte Digitalisierung in der Logistik steht unter der Maßgabe der Rentabilität. Neue Prozesse ja, Altbewährtes behalten – ebenso ja. So setzen die Firmen klassische Businessmodelle ein und engagieren sich oft nur zögerlich für hochdigitalisierte Prozesse in Transport und Logistik. Marktstrategische und betriebswirtschaftliche Regeln sind immer noch das Maß der Dinge, zumal die Zukunft noch längst nicht klar ist. Es gibt keine durchgängigen Modelle für die Industrie 4.0, vor allem der Aspekt der Sicherheit in der Digitalisierung ist noch nicht geklärt.

Maßgeblich ist überdies der „Reifegrad“ der Unternehmen. In vielen Firmen sind in verschiedenen Abteilungen und Bereichen noch viel zu viele manuelle Prozesse nötig. Das muss in Zukunft anders werden, wenn die Vorteile der Digitalisierung ausgeschöpft werden sollen.

Video: Digitale Logistik bei Schnellecke (IHK Lüneburg-Wolfsburg)

Ein Beispiel für die Umsetzung der Digitalisierung in der Logistik ist das Beispiel von Schnellecke. Die IHK Lüneburg-Wolfsburg zeigt, wie mit Scanner-Handschuhen und Schulungen mit der Virtual Reality-Brille bei Schnellecke Logistik in Soltau die Chancen der Digitalisierung genutzt werden.

Chancen durch Digitalisierung in der Logistik

Angesichts dessen, dass es die Digitalisierung in der Logistik von außen braucht, sind mehr Fachkräfte aus dem Bereich gefragt. Neuerdings gibt es daher auch ein Studium, das Logistik und Digitalisierung verbindet, doch das reicht noch längst nicht aus. Es muss jetzt etwas passieren und nicht erst in einigen Jahren! Einige Unternehmen preschen dabei nach vorn.

Shell als Zugpferd für die Digitalisierung in der Logistik

Mit der Beteiligung des Shell-Konzerns an der Berliner digitalen Spedition „InstaFreight“ prescht das Unternehmen vor und sagt eindeutig, dass andere Firmen wohl nicht schnell genug sind. Sprich: Wenn die Firmen selbst nicht digital sein können oder wollen, warten einige nicht und schließen sich mit denen zusammen, die es können! Shell Ventures beteiligte sich an der Finanzierungsrunde von InstaFreight und man möchte gemeinsam die digitalen Angebote in Europa ausbauen sowie den Transport weiter digitalisieren.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Finanzierungsrunde wurden die News davon beherrscht und es war klar, dass nun auch andere Firmen nachziehen und Lösungen präsentieren mussten. Durch die Kooperation ist es nun möglich, eine schnelle und bequeme Buchung der Transporte zu realisieren, die gesamte Supply Chain transparenter zu machen und die Logistik deutlich effizienter zu gestalten.

Durch diese Kooperation von Shell und InstaFreight wurde klar, dass die Zukunft nur noch digital sein kann, denn Rückschritte in diesem Prozess wird es nicht geben. Gleichzeitig geht es darum, neue Lösungen für mehr Mobilität zu finden, außerdem sollen die neuen Möglichkeiten in bestehende Prozesse integriert werden sowie diese erweitern. Andere Unternehmen stehen damit zunehmend unter Druck.

Neue Chancen durch die Digitalisierung in der Logistik

Zahlreiche Vorträge zum Thema Logistik und Digitalisierung griffen das Thema in der Vergangenheit immer wieder auf, aktuelle News befassen sich mit der Supply Chain der Zukunft: Die Digitalisierung in der Logistik bietet mehr Chancen als die bisherigen Vorgehensweisen. Vor allem die folgenden Vorteile sind im Rahmen der Digitalisierung zu erwarten:

  • Stärkere Kundenbindung

    Prozesse sind enger verzahnt, Kunden können nicht einfach von einem Anbieter zum nächsten gehen

  • Bessere Kostenkontrolle

    Wirtschaftlichkeit wird erhöht, Preise können attraktiver gestaltet werden

  • Besseres Personal

    Vorteil bei der Mitarbeitergewinnung durch bessere Zukunftsaussichten für Angestellte: Employer Branding sozusagen als Nebeneffekt.

  • Weniger Wettbewerb

    Konkurrenten bleiben zwangsläufig auf der Strecke, die Anzahl an Wettbewerbern sinkt

Aufgaben für Logistikunternehmen

Unternehmen müssen nun alles daran setzen, den Anschluss an den Wettbewerb nicht zu verlieren. Es gilt, Handelslieferketten digital zu gestalten, eigene Prozesse neu zu organisieren. Hier allerdings sind einige Probleme zu lösen.

Keine Digitalisierung vorgesehen?

Viele Unternehmen haben es bislang versäumt, eine Strategie für die zu erwartenden Digitalisierung in der Logistik zu entwickeln. Die Möglichkeiten, die sich durch automatisierte Prozesse ergeben, sind noch längst nicht überall bekannt, man fokussiert sich eher auf den Erhalt des Jetzigen. Dennoch werden Defizite beklagt und nur rund 39 Prozent der Firmen verfügen über die für die Digitalisierung nötige IT-Kompetenz. Die digitale Prozessführung kam bislang zu kurz und scheint sich auch in naher Zukunft nicht ausreichend ausweiten zu können.

Damit fehlt das Fundament für die Entwicklung der Strategien zur Digitalisierung. Es ist daher wichtig, eigene Prozesse zuerst einmal neu zu organisieren und zu strukturieren, ehe eine Digitalisierung möglich wird. Organisationsstrukturen müssen definiert, Prozesse transparenter gestaltet werden. Außerdem braucht es die zugehörigen Instrumente sowie ein Steuerungskonzept, um die Digitalisierung in der Logistik voranzutreiben.

Mit dem Innovationsprogramm 2030 hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zudem die Wichtigkeit der Spitzenposition des Logistikstandorts Deutschland unterstrichen, wie auch Bundesminister Andreas Scheuer MdB bekräftigte.

Ganzheitliche statt Teillösungen gesucht

Bisher tun sich die Unternehmen noch schwer damit, den Weg der Digitalisierung in der Logistik zu gehen. Die Zahlen einer Studie des Digitalverbandes Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V.) mit 514 Logistikunternehmen ab 50 Mitarbeitern belegen, dass die Firmen noch längst nicht soweit sind, wie sie sein sollten:

  • Einsatz von Warehouse Management Systemen: 74 Prozent
  • Einsatz von Sensortechnologien: 56 Prozent
  • Nutzung von Smartphones und Tablets im Lager: 27 Prozent
  • Nutzung elektronischer Frachtdokumente: 24 Prozent
  • Nutzung von Lagerrobotern: 17 Prozent

Diese Zahlen belegen noch nicht einmal, dass die entsprechenden Technologien aktuell im Einsatz sind. Viele Firmen planen auch erst deren Einsatz, genau wie 71 Prozent in Zukunft mit Künstlicher Intelligenz und 41 Prozent mit Big Data Analytics jonglieren wollen. Sehr eindrucksvolle Zahlen, zeigen sie doch, wie wenig fortgeschritten die Digitalisierung derzeit noch ist.

Es handelt sich bei allen Lösungen zudem nur zum Teillösungen. Lediglich Teile einer Firme werden damit digital, die Unternehmen sind noch weit davon entfernt, als wirklich digitale Firmen zu gelten. Viel zu viele Prozesse werden noch auf konventionellem Wege erledigt.

Wen wundert es da, dass sich Firmen wie Shell Ventures Partner suchen, bei denen sie keine alten Zöpfe abschneiden müssen? Das Ankämpfen gegen veraltete Unternehmensvorstellungen, übliche Vorgehensweisen und den Gedanken an „Das haben wir doch schon immer so gemacht!“ ist deutlich kostenintensiver und zeitaufwendiger, als direkt in ein Start-up zu investieren, welches die gewünschte Digitalisierung sofort bieten kann.

Die Hauptaufgabe für Unternehmen besteht nun darin, sich mehr den geforderten digitalen Prozessen zuzuwenden und weniger an alten Gewohnheiten zu hängen. Dies dürfte in so manchen Firmen mit einem Wechsel der verantwortlichen Personen verbunden sein, gleichzeitig wird das aber den nötigen Schritt in Richtung Zukunft darstellen.

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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