Deutsche Logistiker investieren zu wenig in Forschung und Entwicklung

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Der Logistic-Trend-Index 2017, der seitens der Weltleitmesse Transport Logistic initiiert wurde, wartet aktuell mit einer Reihe an interessanten Ergebnissen auf. Optimistische 75 Prozent halten die Branche in punkto Wettbewerb und Internationalisierung für up-to-date. Diesen gegenüber stehen 64 Prozent, die bemängeln, dass deutsche Logistiker zu wenig in Entwicklung und Forschung investieren. Werden auf diese Warnung hin keine Veränderungen am Markt erfolgen, wird ein düsteres Szenario aufgezeichnet, das sogar mutmaßt, Marktanteile zu verlieren.

Logistik im Wandel der Zeit

Wie jede Branche ist auch die Logistikbranche dem Wandel der Zeit unterworfen. Ein eng verwobenes Netz an internationalen Produzenten und Lieferanten ist das Bild der Logistik heutzutage. Neben dem verbesserten Leistungsspektrum steigen auch die Anforderungen in der Branche. Geblieben ist die Forderung nach Zuverlässigkeit und Sicherheit. Neu hinzugekommen sind Komponenten wie der Umweltschutz und das Risikomanagement.

Einen Blick in die Anfänge der Logistik zeigt die folgende Grafik:

Grafik

Mit dem Wissen dieser Entwicklungsstufen im Background wurde ab 2000 die Phase der Globalisierung der Logistikbranche eingeläutet. Zur Erklärung der Grafik heißt es im selben Artikel: „Durch zunehmende Prozessorientierung änderte sich die Branchenstruktur: Neben Spediteure, Transportunternehmen und Lagerhalter trat ein neuer Dienstleistertyp. Die Logistikdienstleister moderner Prägung übernahmen als Outsourcing-Partner von Industrie und Handel deren logistische Aufgaben ganz oder teilweise, beispielsweise die Versorgung von Produktionslinien. Mitunter gingen die Serviceleistungen schon damals auch über die „klassischen“ Logistikfunktionen hinaus – zum Beispiel bei der Übernahme von Vormontagen.“ Somit führte die Globalisierung der Logistikbranche zu einigen Änderungen bei den Arbeitsprozessen.

Digitalisierung im Fokus

Allen voran schreitet bei jedem Entwicklungsthema der Logistikbranche aber auch das Thema der Digitalisierung. Gerade in diesem Bereich zeichnen sich zwei Gruppen von Akteuren ab:

  1. Die einen verharren wartend – und mit der Hoffnung, dass es bald Digitalisierungslösungen für die Logistikbranche am Markt gibt, die nicht erst mühevoll getestet werden müssen.
  2. Andere wiederum zeigen sich mutiger und würden auch selbst in die Testphase einsteigen – um nur nicht den Anschluss zu verpassen und immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Der Online-Gigant Amazon beispielsweise tüftelt fleißig an noch schnelleren Logistikverfahren und testet bereits mit Drohnen-Lieferanten und 3D-Druckern, die auf dem Weg zum Kunden das gewünschte Produkt fertigen.

Über die Theorie bzw. die theoretische Notwendigkeit der Digitalisierung weiß eine deutliche Mehrheit Bescheid. Dass aus dieser Theorie aber noch lange keine Strategie wird, zeigt die Praxis, in der es weder eine Analyse der Möglichkeiten digitaler Vernetzung geschweige denn eine Praxis gibt.

Warum die Digitalisierung nicht ausgesessen werden darf, zeigen indes diese Punkte:

  • Unternehmen müssen sich auf wachsende Globalisierung umstellen. Das heißt: Ein Logistikunternehmen muss heute international gemanagt werden, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.
  • Die Logistikbranche ist dem einsamen Transporteur längst entwachsen. Heute wird nicht nur mit dem Transporteur zusammengearbeitet. Auch Warenströme werden digital gesteuert.
  • Mit der Globalisierung eröffnet sich ein Pool weitere Aufgaben, die bei Export- und Zollbestimmungen gerade einmal einen Bruchteil der neuen Anforderungen beim Namen nennen.
  • Gesetze und Vorschriften müssen nun nicht mehr nur deutschlandweit, sondern international eingehalten werden. Themen wie Embargo-Vorschriften und Emissionsvorgaben betreffen Transport und Ware. Doch auch Fahrzeitenregulierung und Mindestlohn sind Themen, die nun auf der Bühne der Top-Themen erscheinen. Hier müssen sich die Unternehmen an die veränderten Gesetze und Vorschriften anpassen.
Dieses Bild haben viele vor Augen, wenn sie an "Logistik" denken. Doch der Transport via Schiff ... (#01)

Dieses Bild haben viele vor Augen, wenn sie an „Logistik“ denken. Doch der Transport via Schiff … (#01)

Warum die Digitalisierung in der Logistikbranche nicht schneller voranschreitet

Die Digitalisierung in der Logistikbranche steckt im Vergleich zu anderen Branchen jedoch noch in den Kinderschuhen und schreitet nur langsam voran. Auf der Frage nach dem „warum“ formuliert Daniel Terner bei den Logistikweisen diese Antwort: „Eine mögliche Ursache liegt in einem Bereich, in dem man es per se auf Anhieb nicht vermuten würde: in der IT.“ Und wenige Zeilen später führt Terner auch einen Beleg für eben diese These an: „Ein Beleg dafür: In vielen Unternehmen ist seit vielen Jahren ein großer Teil des IT-Budgets fest allokiert – und zwar nicht für zukunftsweisende Investitionen, sondern um die bestehende Systemlandschaft am Laufen zu halten. Beispielsweise müssen eingesetzte ERP-Systeme regelmäßig gepflegt und angepasst werden. Die Folge: hohe laufende Kosten.“ Nur mit einem höheren Budget lassen sich bestehende Prozesse also mit einer zunehmenden Digitalisierung vereinbaren.

Neben die Tatsache, dass (zu) viel in das viel beschriebene Tagesgeschäft gesteckt wird, und dann in der Folge zu wenig Geld und Manpower übrig bleibt, um Entwicklungen voranzutreiben, gibt es einen weiteren Faktor, der als Grund für die nur schleichende Digitalisierung in der Logistikbranche genannt werden kann und dieser heißt: Fachkräftemangel. Wie viele andere Branchen auch steht die Logistikbranche vor dem Problem, bereits einen Mangel an Fachkräften für das aktuelle Tagesgeschäft zu haben. Von innovativ denkenden Köpfen, die die Digitalisierung der Branche vorantreiben könnten, ganz zu schweigen. Die Suche nach IT-Spezialisten ist allgegenwärtig – doch die Anzahl an offenen Stellen steigt ebenso rapide.

... oder auf der Autobahn ist längst nur noch ein kleiner Bestandteil der Logistik. Gefordert wird von der Branche deutlich mehr Mut zur Entwicklung.(#02)

… oder auf der Autobahn ist längst nur noch ein kleiner Bestandteil der Logistik. Gefordert wird von der Branche deutlich mehr Mut zur Entwicklung.(#02)

Andere Länder haben die Nase vorn

In den USA werden Sendungen bereits webbasiert und via App direkt beim Transporteur eingebucht. So sieht Digitalisierung in der Praxis aus und: So sieht die Zukunft aus, in der Speditionen nicht mehr zwingend eine Rolle spielen müssen. Die andere Seite der Medaille ist indes eher deutsch und bedacht geprägt – und das ist die Kundenseite. Und gerade an diesem Punkt ist die Logistikbranche gezeichnet von einer mangelhaften Kunden-Akzeptanz und einer mangelhaften Unternehmenskompetenz.

  • Den Unternehmen fehlt die wichtige Echtzeit-Komponente.
  • Auch eine Big Data-Auswertung zur Optimierung von Touren lässt noch auf sich warten.

Darüber hinaus scheuen Betriebe die Investitionssumme rein materieller Natur ebenso wie die Investition in Know-how, denn die Digitalisierungstechnik kann nur dann gewinnbringend im Bereich der Logistik eingebracht werden, wenn die nötige Kompetenz vorhanden ist.

Rund um mögliche Zukunftsszenarien gibt es viele Theorien. Eine besagt, dass auch die Logistikbranche davon gezeichnet ist, dass das Angebot die Nachfrage bestimmt – oder, dass die Suchenden dort suchen, wo sie die von ihnen gewünschten Angebote auch finden. Zum Vergleich: Auch der Rohrstoffhandel wird entsprechend nach Angebot und Nachfrage gehandelt. Können die Logistikunternehmen bestimmte Waren wie Silber, Gold oder auch Landwirtschaftliche Rohrstoffe nicht ausliefern, so verändert dies auch den Handel.

 Nötig für eine gewinnbringende Digitalisierung ist das Umdenken in der IT. Hier muss mit Geld und Expertise investiert werden. Allerdings sind Fachkräfte auch rar. (#03)

Nötig für eine gewinnbringende Digitalisierung ist das Umdenken in der IT. Hier muss mit Geld und Expertise investiert werden. Allerdings sind Fachkräfte auch rar. (#03)

Einflussfaktoren bedenken und in die Zukunft blicken

Logistikunternehmer von heute müssen durchaus sportliche Ambitionen haben, denn sie müssen einerseits die Einflussfaktoren kennen und beachten und sich andererseits aufmachen in Richtung Zukunft.

Zu den Haupt-Einflussfaktoren wurden diese Themen gekürt:

  • Der demografische Wandel und die Zuwanderung.
  • Der Kostentreiber Komplexität.
  • Die Logistik-IT (und damit auch der Digitalisierungs-Boom).
  • Die Globalisierung als Wachstumsimpuls für die Logistik.
  • Die Themen E-Commerce und B2C-Logistik.

Zu bedenken hat ein Unternehmer heute zudem die Faktoren Ökonomie, Nachhaltigkeit, Organisation 4.0 sowie die smarte Arbeitswelt, die mittlerweile längst in der Industrie 4.0 angekommen ist.

Fazit

Alle Branchen unterliegen einem Wandel der Zeit. Auch, wer in der Logistikbranche tätig ist, muss sich so auf eine ganze Reihe von Veränderungen einstellen. Dazu gehören beispielsweise die zunehmende Globalisierung und Digitalisierung. Die zunehmende Globalisierung zeigt sich beispielsweise in der immer häufigeren Auslagerung von bestimmten Arbeitsprozessen. Themen wie E-Commerce und Logistik-IT werden indes im Zusammenhang mit der Digitalisierung in der Zukunft eine immer größere Bedeutung einnehmen.

Aufgrund von fehlendem Budget sowie nicht ausreichender Manpower schreitet gerade die Digitalisierung in der Logistikbranche nur langsam voran. Zum Vorbild nehmen könnten sich deutsche Logistikunternehmen die USA, wo Digitalisierung bereits eine größere Rolle spielt und Sendungen webbasiert und via App beim Transporteur eingebucht werden. Eine größere Investition in Forschung und Entwicklung könnte so vielleicht auch bei Logistikunternehmen in Deutschland dazu beitragen, die digitalen Prozesse zu optimieren.


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About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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