Trans-Eurasia-Express: in 16 Tagen von Asien nach Deutschland

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Der Trans-Eurasia-Express ist die kommerzielle Güterzugverbindung zwischen China und verschiedenen Zielbahnhöfen in Europa. Bereits seit dem Jahr 2020 verkehren bis zu 60 Züge pro Woche zwischen Shenzhen und Duisburg. Jetzt erreichte am 25. Oktober der erste Containerzug einer neuen Verbindung das DUSS-Terminal in Hamburg-Billwerder. Der Weg von Asien nach Europa wird zusehends kürzer.

Trans-Eurasia-Express: rasante Entwicklung seit 2008

Die heutige DB Cargo Eurasia GmbH vermarktet den Trans-Eurasia-Express als ein Joint Venture des Unternehmen seit 2008.

  • DB Mobility Logistics (40 %),
  • Rossijskije schelesnyje dorogi (RŽD, 30 %),
  • TransContainer (20 %) und
  • Kombiverkehr (10 %).

Start im Jahr 2008

Der Trans-Eurasia-Express führt den Containerzug schrittweise als Blockzug zwischen Europa und Asien ein. Noch werden die Verbindungen nicht auf der gesamten, geplanten Strecke offeriert. Der Fokus der Geschäftsentwicklung lag zunächst auf dem Verkehr zwischen Deutschland und Russland (und den GUS-Staaten). Seit Juni 2010 rollen In nur sieben Tagen Logistikzüge als „Moscovite“ getaktet in nur sieben Tagen von Duisburg nach Moskau.

Nordroute des Trans-Eurasia-Express über die Transsib

Erstmalig fuhr ein Testzug am 6. Oktober 2008 von Xiangtan (dies liegt zwischen Zhuzhou und Changsha, etwa 700 Kilometer nördlich von Hongkong) nach Hamburg. Dies war auch insofern ein Novum, als es sich um einen Company Train handelte, der von dem Kunden vollständig gechartert wurde. Die Ladung aus 50 Containern mit Monitoren und PC-Chassis benötigte über die Nordroute für die etwa 10.000 Kilometer lange Strecke nur 17 Tage. Die Strecke lief von China zunächst über die Transsibirische Eisenbahn mit den Stationen Nowosibirsk, Omsk, Jekaterinburg und Moskau. Von Moskaus aus lief der Zug durch Weißrussland und Polen bis nach Hamburg.

Südroute des Trans-Eurasia-Express über Kasachstan

Über die 10.300 Kilometer lange Südroute lief ein Zug in 16 Tagen von Chongqing über Kasachstan nach Duisburg. Die Südroute ist etwa 2.000 Kilometer kürzer als die oben genannte Nordroute. Schneller schaffte es ein Zug im August 2013, der in nur 15 Tagen die 10.218 Kilometer lange Strecke über die Südroute von Zhengzhou nach Hamburg zurücklegte. Die Südroute ist insofern aufwändig, als sie mehr Zollformalitäten erfordert als die Nordroute. Auf der Strecke Asien – Westeuropa sind mittlerweile einige Anbieter aktiv.

Video: Die Seidenstraße. Containerzüge von Chongqing nach Duisburg

Die Bedeutung der Zugverbindung China – Deutschland wird im Video klarer, wenn das chinesische Vorzeigeprojekt der neuen Seidenstraße in seinen Dimensionen deutlich wird.

Erster Containerzug des „Shanghai-Express“ erreicht am 25. Oktober 2021 Hamburg

Der erste Containerzug verließ Shanghai am 28. September. Obwohl die Reise über die Südroute nur 16 bis 18 Tage dauern sollte, hatte der Zug aufgrund von Überschwemmungen im mittleren Westen Chinas Verspätung, die sich auch auf das Eisenbahnnetz des Landes auswirkten. Nach dem Verlassen Chinas durchquerte der Zug Kasachstan und Weißrussland, um über Małaszewicze in Polen in die EU einzureisen. Von dort führte der Weg direkt nach Hamburg.

Der erste Containerzugnach Westen beförderte fünfzig 40-Fuß-Container. Die Ladung aus Kleidung, Schuhen, Glaswaren, Autoteilen, Photovoltaik, Kochutensilien, Möbeln, Lampen und anderen Konsumgütern erreichte nach knapp einem Monat sein Ziel, das DUSS-Terminal in Hamburg-Billwerder. Bis zur Rückfahrt des Zuges von Hamburg nach Shanghai wird es laut TONG Jisheng, dem Vorsitzenden des Betreibers, etwa einen Monat dauern.

Regelmäßiger Verkehr im Wochentakt geplant

Die Zugverbindung für Containerverkehr soll im Wochentakt aufgenommen werden. In Zukunft will man die Frequenz der Züge auf zwei bis drei Züge pro Woche erhöhen. Aktuell sind alle planmäßigen Fahrten bis Ende 2021 bereits ausgebucht.

Geschwindigkeit und CO2-Fussabdruck

Die Laufzeit eines 20´ GP Containers von Zhengzhou (China) nach Hamburg (oder Duisburg) ist mit planmäßig etwa 14 Tagen doppelt so schnell wie ein herkömmlicher Schiffstransport. Zudem spart man gegenüber dem Schiffstransport etwa 95$ des CO2-Ausstoßes. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass die tatsächliche Fahrtdauer meist bei etwa 21 Tagen liegt. Vorteil: diese Transportvariante ist sehr zuverlässig und verläuft ohne große Verzögerungen. Seefrachten aus der Region hingegen benötigen im Schnitt etwa 35 Tage. Schiffe dürfen seit Januar 2020 aufgrund der geltenden Schwefeleinsparungsgesetze nicht mehr mit Spitzengeschwindigkeiten fahren.

Video: Trans-Eurasia-Express / Zhengzhou International Hub Development(ZIH) in Berlin-Schönefeld

Container-Umschlag Hamburg: 2,4 Millionen Standardcontainer

Knapp jeder dritte Container, der die Kaimauern des Hamburger Hafens überquert, kommt aus China oder führt dorthin. In Hamburg schlägt der China-Handel mit jährlich etwa 2,4 Millionen Standardcontainern (TEU) zu Buche. Bereits im Jahr 2020 vermarktete die Bahn etwa 230 wöchentliche Verbindungen zwischen Hamburg und 20 Zielen in der Volksrepublik China. Damit bietet die Bahn eine Alternative zum See- und Luftverkehr. Neu in diesem Jahr sind die Verbindungen aus Shijiazhuang in der Provinz Hebei und Wuhei in Gansu. Im Jahr 2020 wurden rund 107.000 TEU zwischen China und Hamburg auf der Schiene transportiert.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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