Sea-Air, Verschiffungen: Freighthub eröffnet Niederlassung Hamburg

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Aus dem einstigen Start-Up für Sea-Air, Verschiffungen, Schiene & Air in 2016 ist ein großes Unternehmen geworden, das auch durch erfolgreiche Finanzierungsrunden auf sich aufmerksam macht. Freighthub aus Berlin ist nun auch in Hamburg zu finden.

Sea-Air & Verschiffungen als Herausforderung

Die Container-Schifffahrt dominiert den internationalen Seefrachtverkehr, doch nicht in jedem Fall sind Container das Mittel der Wahl. Manche Güter sprengen das übliche Containermaß, diese können nicht verwendet werden. Auch sehr schwere Transporte können nicht über die Container-Schifffahrt realisiert werden. In solchen Fällen wird die traditionelle Verschiffung in Erwägung gezogen.

Sie ist dann nötig, wenn die Güter aufgrund ihrer:

  • Beschaffenheit
  • Abmessungen
  • Gewichte

nicht in standardisierten Containern zu transportieren sind. Die dafür verwendeten Schiffe sind auf den Bedarf ausgerichtet und bieten zum Beispiel Schwergutkräne zum Bewegen der Ladung.

Sea-Air und Verschiffungen stellen besonders hohe Anforderungen an die Vorbereitung und Planung des Transports, denn eine Standardisierung ist hierbei nicht möglich. Das jeweilige Vorgehen hängt davon ab, welches Gut transportiert werden soll und welche zeitlichen Freiräume bestehen. Denn bei einer Projektladung kommt es auf die Termintreue an – muss ein Projektplan eingehalten werden und ist das Frachtgut Teil eines Projekts, so dürfen sich durch die Verschiffung keine gravierenden Zeitverschiebungen ergeben.

Die Sea-Air-Verschiffung bzw. die konventionelle Verschiffung zeigt aber noch ein weiteres Problem: Das zu transportierende Gut muss besonders gut gesichert sein. Ihm fehlt der Container als schützende Hülle, was bedeutet, dass bei einem Unfall gravierende Konsequenzen zu befürchten sind. Das Transportgut muss daher besonders gut gegen eine unerwünschte Verschiebung der Ladung gesichert sein.

Um nun den gesamten Transport und Sea-Air-Verschiffungen auf einer üblichen Tradelane zu realisieren, wurde Freighthub durch Fabian und Ferry Heilemann gegründet. Das Start-up aus 2016 sollte die Welt der multimodalen Logistik revolutionieren und nicht nur durch neue Ideen, sondern auch durch hohe Förder- und Unterstützungssummen auf sich aufmerksam machen.

Die Gründer von Freighthub beschreiben den Versand von Frachtgut als komplizierte Sache. Bisher mussten die Kunden zwischen einem und drei Tagen warten, bis sie ein Angebot für einen Transport erhielten. Mehrere Schritte waren dann nötig, um den Transport zu organisieren und zu realisieren.  ( Foto: Shutterstock-Travel mania)

Die Gründer von Freighthub beschreiben den Versand von Frachtgut als komplizierte Sache. Bisher mussten die Kunden zwischen einem und drei Tagen warten, bis sie ein Angebot für einen Transport erhielten. Mehrere Schritte waren dann nötig, um den Transport zu organisieren und zu realisieren. ( Foto: Shutterstock-Travel mania)

Die Idee hinter Freighthub

Die Gründer von Freighthub beschreiben den Versand von Frachtgut als komplizierte Sache. Bisher mussten die Kunden zwischen einem und drei Tagen warten, bis sie ein Angebot für einen Transport erhielten. Mehrere Schritte waren dann nötig, um den Transport zu organisieren und zu realisieren. Viel zu aufwendig, wie Fabian und Ferry Heilemann fanden und so gründeten sie Freighthub. Mit dem Service des jungen Unternehmens sollte das Shipping deutlich schneller, günstiger und vor allem einfacher werden.

Nach der Start des Unternehmens in 2016 geglückt war, konnte da Portal rasch ausgebaut werden. Nun werden hier binnen weniger Sekunden viele verschiedene Transportmöglichkeiten für Güter miteinander verglichen, der Kunden kann dann aus mehreren Optionen wählen, welches Angebot exakt zu seinem Bedarf passt. Die nötigen Container werden direkt über die Seite gebucht, danach erfolgt die Verschiffung und Fahrt per Lkw an den gewünschten Bestimmungsort der Fracht.

Digitale Spedition wird weiter ausgebaut

Das Unternehmen aus Berlin sieht sich selbst als „digitale Spedition“ und übernimmt alle Leistungen eines erfahrenen Logistikers. Die Praxis gibt der Idee hinter dem Unternehmen recht und so zeigt die Wachstumskurve kontinuierlich nach oben. Das wiederum hat dazu geführt, dass es nun nicht nur den Hauptstandort der Firma in Berlin gibt, sondern eine weitere Niederlassung in Hamburg eröffnet werden kann.

Der neue Standort soll am 2. Mai 2018 an den Start gehen und wird zunächst von acht Mitarbeitern geführt. Es geht hierbei vor allem um die operative Abwicklung der einzelnen Frachtsendungen sowie um die Betreuung der Kunden des Unternehmens. Das eingesetzte Personal besteht vorrangig aus Speditionsfachkräften – bei Freighthub setzt man auch weiterhin auf Fachkenntnis und ausreichendes Know-how.

Insgesamt sind derzeit 30 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig, der Plan sieht allerdings einen kräftigen Ausbau des Personals vor. Das heißt, dass allein in Berlin bis zu 80 Mitarbeiter tätig sein sollen, wobei das Personal aus Fachkräften aus den Bereichen Logistik und Softwareentwicklung stammen soll bzw. in diesen Bereichen eingesetzt werden wird. Besetzt wird unter anderem die Stelle des Director Global Procurement im Seefrachtbereich und hier speziell für den Rateneinkauf.

Seefracht als wichtigster Verkehrsträger

Die beste Tradelane führt Freighthub zufolge über die See – die Seefracht gilt im Unternehmen als wichtigster Verkehrsträger. Sogenannte FCL-Sendungen (Full Container Load, Container sind komplett mit einer Fracht gefüllt) nehmen etwa 60 Prozent des Aufkommens ein. LCL-Verschiffungen (Less than Container Load, Container nehmen als Sammelcontainer mehrere Frachten auf) machen 20 Prozent aus. Danach folgt die Luftfracht mit 12 Prozent, die Bahn bringt es nur noch auf fünf Prozent. Transporte per Rail finden zwischen Asien und Europa statt und kommen immer dann zum Einsatz, wenn die Logistik per Flugzeug zu teuer ist und per Schiff zu lange dauert. Die übrigen drei Prozent entfallen auf die Sea-Air-Verschiffungen, wobei dieser Bereich in Zukunft ausgebaut werden soll.

Derzeit ist nicht absehbar, ob sich die einzelnen Prozentränge in naher Zukunft ändern werden. Lufttransporte könnten nach Meinungen der Experten abnehmen, weil sie die Umwelt stark belasten und für viele Güter relativ teuer sind. Seetransporte hingegen sind sicher und günstiger, dauern aber deutlich länger. Momentan liegt der Fokus vieler Logistiker auf den Bahntransporten, die bisher nur einen geringen Anteil an der Frachtlogistik ausgemacht haben. Sie sind jedoch günstiger als die Flugtransporte, dabei schneller als die Seefracht. Freighthub wird auch diesem Fakt Rechnung tragen und ist in der Lage, entsprechende Kundenwünsche und Transportvorhaben zu vergleichen sowie in die Wege zu leiten.

Tradelane zwischen Asien und Europa

Das im Juli 2016 gegründete Unternehmen konzentriert sich auf die Tradelane Asien – Europa, wobei der Weg anfänglich nur aus Asien in Richtung Europa möglich war, doch schon bald führten die Frachtwege auch in die andere Richtung. Geplant ist nun, dass der Transatlantik-Weg erobert wird. Grundsätzlich streben die Gründer des Unternehmens danach, möglichst schnell zu wachsen, dennoch stehen Kundenzufriedenheit und Nachhaltigkeit im Fokus. Außerdem dürfte das anfängliche Wachstum von 50 Prozent pro Monat für die Zukunft eher unrealistisch sein, lässt die erfolgsverwöhnten Unternehmer aber optimistisch in die Zukunft schauen.

Die Tradelane Asien – Europa dient nun als Vorbild für den Aufbau neuer Tradelanes und erfährt eine ständige Überarbeitung und Perfektionierung. Neue Tradelanes sollen daraus kopiert werden, was aber nur mit den passenden Geschäftspartnern möglich sein wird. Daher verwendet Freighthub viel Zeit darauf, die  passenden Partner zu finden und diese zur Zusammenarbeit zu bewegen.Die Konzentration auf nur eine Tradelane war für Freighthub insofern von Vorteil, weil hierüber Erfahrungen gesammelt werden konnten. Der Fokus auf dem Transportweg Asien-Europa brachte neue Erkenntnisse, die sich im Aufbau neuer Tradelanes widerspiegeln werden und die vor wichtigen Fehlern schützen können.

Neben den reinen Transportleistungen übernimmt Freighthub zudem die Verzollung und kümmert sich um Ausstellung und Richtigkeit der Frachtpapiere, wozu verschiedene Verfahren angewendet werden. ( Foto: Shutterstock-Travel mania )

Neben den reinen Transportleistungen übernimmt Freighthub zudem die Verzollung und kümmert sich um Ausstellung und Richtigkeit der Frachtpapiere, wozu verschiedene Verfahren angewendet werden. ( Foto: Shutterstock-Travel mania )

Freighthub: Umfassende Leistungen für die Sea-Air-Verschiffungen und andere Transporte

Freighthub ist eine Full-Service-Spedition und möchte diesen Status auch in der neuen Niederlassung in Hamburg beibehalten. Dabei werden grundsätzlich sowohl FCL- als auch LCL-Sendungen angeboten. Die Verschiffung für Bahn- und Seefrachten erfolgt containerisiert (FCL) und individuell auf die Kundenwünsche angepasst. Dazu kommt die Stückgutverschiffung als LCL-Sendung. Die Kunden profitieren bei dieser digitalen Spedition davon, dass sie für alle Verschiffungen eine digitale Übersicht bekommen und der gesamte Frachtweg nachvollziehbar bzw. belegbar ist. Die Verschiffungsaccounts sind in Echtzeit nachvollziehbar, daher lassen sich alle Angebote miteinander vergleichen.

Neben den reinen Transportleistungen übernimmt Freighthub zudem die Verzollung und kümmert sich um Ausstellung und Richtigkeit der Frachtpapiere, wozu verschiedene Verfahren angewendet werden. Für FCL-Sendungen können die Kunden außerdem die Sendungsverfolgung nutzten, sodass sie jederzeit genau wissen, an welcher Stelle sich die Fracht gerade befindet und wann sie als Lieferung eintreffen wird. Insofern lässt sich der Frachtgutverkehr ein wenig mit der Paketbeförderung der Post vergleichen – bis auf die Art und das Gewicht der Fracht sind die Vorgänge vergleichbar. Jedoch haben die Kunden des Unternehmens die Möglichkeit, die für sie günstigsten Anbieter und Transportwege zu wählen.

Freighthub als Finanzierungskünstler

Das ehemalige Start-up aus Berlin hat sich seit seiner Gründung als wahrer Finanzierungskünstler erwiesen. Bereits in der ersten Finanzierungsrunde wurden drei Millionen Euro eingesammelt, die unter anderem von Kapitalgebern wie Global Founders Capital, Cherry Ventures oder der Fonds von Rocket Internet stammen. Außerdem sind La Famiglia, Saarbruecker21 und Cavalry Ventures mit eingestiegen und stellten dem jungen Unternehmen das nötige Startkapital zur Verfügung. Die Mehrheit der Anteile am Unternehmen verbleibt aber bei den Gründern, dies war den jungen Unternehmern von Anfang an wichtig. Dass jedoch externes Geld eingeworben werden musste, war ebenfalls von Beginn an klar.

Doch es geht noch besser: Es wurden 20 Millionen Dollar in der A-Runde eingeholt, was die laut Freighthub größte Finanzierung dieser Art für ein Start-up aus dem Logistikbereich darstellt. Der leitende Investor ist dabei Northzone, eine Venture Capital Gesellschaft, die auch Lesara oder Spotify unterstützt. Auch die in der ersten Finanzierungsrunde beteiligten Gesellschaften waren wieder mit dabei und trugen etwas zu den 20 Millionen Euro bei. Neu an Bord ist Mittal, wobei das Family Office als strategischer Business Angel einsteigt.

Freighthub will den Wachstumskurs natürlich fortsetzen und plant sogar, das „digitale Rückgrat“ innerhalb der Logistik zu werden. Noch in 2018 sollen die neuen Standorte in Asien und Nordamerika (speziell USA) eröffnet werden.

Bisher ist Freighthub der einzige Dienstleister seiner Art und hat die gesamten Logistikprozesse digital umgestellt.  ( Foto: Shutterstock-CrispyPork _)

Bisher ist Freighthub der einzige Dienstleister seiner Art und hat die gesamten Logistikprozesse digital umgestellt. ( Foto: Shutterstock-CrispyPork _)

Daten werden online ausgewiesen

Das Besondere ist, dass die Sea-Air-Verschiffungen sowie die übrigen Frachttransporte transparent und nachvollziehbar ausgewiesen werden – und das online. Hintergrund zu diesem Schritt war, dass die zehn größten Speditionen der Welt, von denen immerhin fünf aus Deutschland kommen, einen Marktanteil von rund 40 Prozent ausmachen. Es gibt zwar verschiedene Onlineportale, auf denen ein Preisvergleich möglich ist, doch diese konzentrieren sich rein auf das Vergleichen. Das Handling der Transporte ist hier nicht möglich.

Bisher ist Freighthub der einzige Dienstleister seiner Art und hat die gesamten Logistikprozesse digital umgestellt. Nun werden Angebote in Echtzeit dargestellt, die Kunden erhalten eine nachvollziehbare Preisliste zu allen Leistungen. Die Dienstleistungen, die aus einer Full-Service-Spedition bekannt und dort üblich sind, werden bei Freighthub mit denen eines normalen Vergleichsportals verknüpft und über einen Algorithmus dauerhaft dazu angehalten, Daten auszugeben.

Alle einzelnen Bestandteile des Transports sind online nachvollziehbar, das manuelle Heraussuchen der Preise aus festen Listen ist nicht mehr nötig. Als Entlohnung dafür bekommt Freighthub zwischen 10 und 20 Prozent des Auftragsvolumens, was allerdings von der Kundengröße sowie der Häufigkeit der Nutzung des Services abhängig ist.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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