Digitalisierung Logistik: Herausforderungen für das Transportwesen

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Die Digitalisierung der Logistik stellt das Transportwesen vor große Herausforderungen und eröffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten.

Digitalisierung im Bereich Logistik: Herausforderungen für das Transportwesen

Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran und beeinflusst in steigendem Umfang auch den Bereich der Logistik. Das bedeutet neue Herausforderungen aber auch neue Möglichkeiten für das Transportwesen.

Industrie 4.0 erfordert die Digitalisierung der Logistik

Die digitale Transformation führt in Deutschland im gesamten industriellen Sektor zu einem tiefgreifenden strukturellen Wandel. Da das Transportwesen Berührungspunkte zu fast allen Bereichen der Industrie aufweist, muss sich auch die Logistik an den Trend zur Digitalisierung anpassen. Die Logistikbranche wird beispielsweise von den neuen Entwicklungen der Fahrzeugtechnologie betroffen sein.

Autonomes Fahren ist der Megatrend der Automobilindustrie, der die Logistikbranche wahrscheinlich stark verändern wird. Aber auch der Einsatz von Drohnen, Datenbrillen und intelligenten Softwarelösungen bietet neue Chancen und erfordert ein Umdenken. Bereits jetzt nutzen 80 Prozent aller Logistikdienstleister digitale Lösungen. 75 Prozent aller Unternehmen in diesem Bereich betrachten die Digitalisierung als größte Herausforderung in ihrer Branche und gehen gleichzeitig davon aus, dass die Branche dadurch innerhalb eines Jahrzehnts komplett verändert wird.

Autonomes Fahren ist der Megatrend der Automobilindustrie, der die Logistikbranche wahrscheinlich stark verändern wird. (#01)

Autonomes Fahren ist der Megatrend der Automobilindustrie, der die Logistikbranche wahrscheinlich stark verändern wird. (#01)

Welche Auswirkungen hat die digitale Transformation?

Digitale Technologien erlauben die automatisierte Erfassung und Verarbeitung von großen Datenmengen. Es entstehen neue Möglichkeiten der Verknüpfung und Vernetzung von Datensätzen und das ermöglicht eine neue Sicht auf bisher starre Lieferketten. Die Kunden verlangen vom Transportwesen eine Reaktion auf diese neue Flexibilität und fordern Logistiklösungen, die sich sehr stark am individuellen Kundenbedarf orientieren und den Kunden auf diese Weise flexibel unterstützen.

Durch die Optionen, die eine digitale Transformation bietet, tritt der Kunde in den Vordergrund der Betrachtung und nicht mehr das Produkt. Parallel zu Industrie 4.0 entwickelt sich das Transportwesen rasant zu Logistik 4.0 und unterstützt datenbasiert die Transporte zwischen den Firmen und zum Endverbraucher. Dafür werden digitale Technologien eingesetzt, mit denen die logistischen Prozesse transparenter, agiler und effizienter ablaufen.

Ziele der Digitalisierung in der Logistik

Das Transportwesen profitiert besonders von einer digitalen Auftragsabwicklung. Jeder Auftrag erzeugt eine große Mengen an Formularen (Frachtpapiere, Dokumentation der Zustellung, Rechnungserstellung, Zollpapiere), die verwaltet werden müssen. Durch digitale Verwaltungssysteme kann die Papierflut entscheidend verringert werden. Dadurch sinkt auch die Fehlerhäufigkeit, denn bei einer papierlosen Logistikverwaltung entfallen die Übertragungsfehler, die bei der manuellen Eingabe von Daten kaum zu vermeiden sind.

Durch digitale Verwaltungssysteme kann die Papierflut entscheidend verringert werden. (#02)

Durch digitale Verwaltungssysteme kann die Papierflut entscheidend verringert werden. (#02)

Eine geringe Fehlerquote erhöht die Qualität des gesamten Prozesses und damit die Sicherheit sowie die Effizienz der Disposition. Das digitale Dokumentenmanagement steigert gleichzeitig die Qualität und Schnelligkeit aller Prozesse im Transportwesen. Die Digitalisierung hat folgende positive Effekte für die Unternehmen:

  • sinkende Kosten
  • steigende Flexibilität
  • verbesserte Transparenz

Ein hoher Kostendruck in der Logistikbranche sowie die veränderten Anforderungen von Seiten der Kunden führen dazu, dass sich das Management bemüht, die Einführung digitaler Technologien zu forcieren. Die Notwendigkeit eine Entwicklung hin zur Logistik 4.0 anzustreben, ist bei den Firmen unumstritten.

Die Digitalisierung der Logistik erfolgt stufenweise

Eine Fraunhofer-Studie geht davon aus, dass die Logistikbranche derzeit die erste Stufe der digitalen Transformation bereits weitgehend erreicht hat hat. Auf dieser Stufe werden alle Vorgänge der Warenverbuchung digital mit Barcodes abgewickelt und außerdem ist die GPS-Erfassung schon sehr weit verbreitet. Das Management bemüht sich, die mobile Datenerfassung flächendeckend einzuführen.

Die Einführung von Cloud-Lösungen und mobilen Apps sowie der automatisierten Warenverbuchung (Warehouse Management Systeme) befindet sich noch im Anfangsstadium wird aber in den nächsten Jahren bei einer steigenden Zahl von Logistikdienstleistern realisiert werden.

Perspektivisch wird im Rahmen der Big Data Analytics eine Einbeziehung von Daten als Entscheidungsgrundlage in Echtzeit möglich sein und dem Management noch weitergehende Optionen eröffnen, flexibel auf Kundenbedürfnisse einzugehen. Prognosemodelle ermöglichen, Kundenbedarfe zu antizipieren und somit einen Zeitvorteil gegenüber der Konkurrenz zu erreichen.

Die Unternehmen der Transportbranche in Deutschland befinden sich auf unterschiedlichen Umsetzungsstufen der digitalen Transformation. Es gibt immer noch Firmen, die alle logistischen Prozesse analog durchführen und Visionäre, die bereits heute die Technologien einsetzen, um sich umfassend mit anderen Unternehmen, Dienstleistern und den Kunden zu vernetzen. Es werden Wertschöpfungsnetzwerke generiert, die unternehmensübergreifend das Entstehen effizienter IT-Workflows begünstigen.

Eine Fraunhofer-Studie geht davon aus, dass die Logistikbranche derzeit die erste Stufe der digitalen Transformation bereits weitgehend erreicht hat hat.

Eine Fraunhofer-Studie geht davon aus, dass die Logistikbranche derzeit die erste Stufe der digitalen Transformation bereits weitgehend erreicht hat hat. (#03)

Digitalisierung der Logistik: Herausforderungen

Dabei stehen besonders folgende Bereiche im Mittelpunkt der Betrachtung:

  • Datenqualität
  • Fähigkeit und Bereitschaft Daten in Netzwerken zu teilen
  • Anpassung der Unternehmenskultur
  • Überwindung von Umsetzungshemmnissen
  • Mitarbeiterqualifizierung

Datenqualität

Datengestützte Automatisierungsprozesse können nur dann erfolgreich implementiert werden, wenn die Datenqualität hoch ist. Es ist wichtig, dass genau die Daten erhoben werden, die relevant sind und das diese Datensätze aktuell, fehlerfrei, valide und vollständig sind.

Infografik zur Datenqualität

Infografik zur Datenqualität

Im nächsten Schritt sorgt eine intelligente Datenauswertung dafür, die in den Datensätzen enthaltenen Informationen zu extrahieren und daraus Entscheidungsgrundlagen für das Management zu generieren. Für die Auswahl von Mitarbeitern in den Logistikunternehmen heißt das, dass neben den Fachkenntnissen im Bereich der Logistik auch ein Verständnis für die Ergebnisse der Datenanalysen vorhanden sein muss.

Fähigkeit und Bereitschaft Daten in Netzwerken zu teilen

Besonders im Logistikbereich lassen sich die Effekte der Digitalisierung nur dann realisieren, wenn alle an der Lieferkette beteiligten Unternehmen in das Datenmanagement einbezogen werden. Die ganzheitliche Betrachtung der Supply Chain führt zur optimalen Realisierung der positiven Effekte einer digitalen Transformation.

Anders als in der Vergangenheit werden diese Kooperationen aber nicht jahrelang bestehen, sondern für konkrete Projekte und damit temporär begrenzt stattfinden. Dabei kann sogar die Situation eintreten, dass Wettbewerber zeitweise miteinander arbeiten, um durch diesen Kontakt für beide Seiten Vorteile zu erreichen.

Anpassung der Unternehmenskultur

Die Phase der Digitalisierung stellt veränderte Anforderungen an eine Unternehmenskultur. Jetzt ist eine erhöhte Risikobereitschaft im Hinblick auf den Einsatz neuer Technologien gefragt, um Wettbewerbsnachteile durch eine zögerliche Vorgehensweise zu vermeiden. Eine Start-up-Mentalität erleichtert es, neue technische Möglichkeiten auszuprobieren und auch unkonventionellen Ideen eine Chance zu geben.

Überwindung von Umsetzungshemmnissen

Umsetzungshemmnisse erschweren es, neue Technologien einzuführen. Deshalb ist es unverzichtbar, die Umsetzung konsequent voranzutreiben und die Vorteile in den Mittelpunkt zu stellen.

Mitarbeiterqualifizierung

Digitale Technologien verändern das Leben der Menschen tiefgreifend. Smartphone, Tablet und Netbook sind längst tägliche Begleiter im Privatbereich und haben dort den Umgang mit Informationen verändert. Die meisten Menschen nutzen bereits die Social Media und letztlich wird es darum gehen, die Kompetenzen im Umgang mit den neuen Medien auf die Arbeitswelt zu übertragen.

Die Mitarbeiter müssen flexibel mit Veränderungen ihres Berufsbildes umgehen. Eine datenbasierte Unternehmensführung erfordert andere Kompetenzen, die jedoch durch Schulungsmaßnahmen vermittelt werden können. In Zukunft werden neben Logistikkenntnissen auch Sprach- und IT-Kenntnisse sowie eine insgesamt technikaffine Haltung nötig sein, um erfolgreich im Bereich der Logistik zu arbeiten.

Die zunehmende Digitalisierung wird dazu führen, dass immer mehr in Netzwerken gearbeitet wird.

Die zunehmende Digitalisierung wird dazu führen, dass immer mehr in Netzwerken gearbeitet wird.(#04)

Ausblick auf die Zukunft der Logistikbranche

Die zunehmende Digitalisierung wird dazu führen, dass immer mehr in Netzwerken gearbeitet wird. Dabei werden Produktion, Handel und Logistik stärker zusammenarbeiten und sogar gemeinsame Geschäftsmodelle generieren. Die Kunden äußern Wünsche und Kritik in den Social Media, sodass auch diese Informationsquellen einbezogen werden müssen. Daraus ergeben sich dann neue Anforderungen, um die Schnittstellenintegration sicherzustellen.

Durch das Internet haben die Kunden die Möglichkeit, direkten Zugang zu den Logistikdienstleistungen zu erhalten. Es entstehen neue Serviceangebote, die sogenannten reverse logistics. Die Zusammenarbeit mit den Produktionsunternehmen im Sinne einer „Smart Factory“ führt wiederum zur Steigerung der Effizienz und Transparenz.

Auch der Transport selbst wird mit anderen Technologien durchgeführt. Drohnen, selbstfahrende LKW und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz eröffnen den Logistikfirmen neue Möglichkeiten. Große Anbieter wie Amazon experimentieren bereits mit dem Einsatz von Drohnen in Stadtgebieten, die es erlauben, Waren innerhalb einer Stunde vom Logistikzentrum zum Endverbraucher zu liefern.

Besonders die Entwicklungen im Bereich der Sensorik treiben den technologischen Fortschritt in der Logistikbranche voran und führen zu einer vollständige Überwachung der Lieferkette, den Einsatz autonom fahrender Transportfahrzeuge und die prädiktive Wartung. Es ist dennoch nicht zu erwarten, dass der Mensch in diesem Prozess vollständig ersetzt wird, denn der persönliche Kontakt im Servicebereich ist weiterhin notwendig und auch nicht durch moderne Tools zu ersetzen.


Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: RikoBest, #01 &  #02: iJeab, #03: PopTika  -#04: metamorworks

Über den Autor

Klaus Müller-Stern

Klaus Müller-Stern (25) studiert aktuell Maschinenbau, beschäftigt sich daneben jedoch schon lange mit allen Aspekten rund um Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Eloquent und scharfsinnig bringt er Themen wie Social Media oder den Finanzsektor auf den Punkt. Darüber hinaus blickt der passionierte Laufsportler in seinen Beiträgen hinter die Kulissen erfolgreicher Startup-Firmen.

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