DHL Paket-Preise: Konzern-Chef Frank Appel zur Preiserhöhung

0

Die DHL erhöhte vor Kurzem die Gebühren für Geschäftskunden. Das führte zu Befürchtungen, dass auch die Preise für Privatkunden steigen werden. DHL-Chef Frank Appel hat dies nun jedoch verneint.

DHL-Chef Appel: Preiserhöhung im Privatkundenbereich bislang nicht geplant

Die Paketzustellung boomt in den letzten Jahren wie kaum eine andere Branche. Die Mengen der Zustellungen haben sehr stark zugenommen. Trotz der guten Auftragslage gibt es einige Anzeichen dafür, dass die Preise für die Zustellung in nächster Zeit ansteigen werden. Beispielsweise hat der Chef des Zustelldiensts DPD Boris Winkelmann die Idee geäußert, einen Zuschlag für die Zustellung bis zur Haustüre zu erheben. Demnach soll nur noch die Zustellung zum Paketshop kostenfrei bleiben. Wenn der Kunde die Lieferung an der Haustüre empfangen will, soll er dafür 50 Cent extra bezahlen.

Einen anderen Plan verfolgt der Konkurrent Hermes. Dieser will für Lieferungen während der Weihnachtszeit fortan einen kleinen Zuschlag erheben. Außerdem kam es auch beim Marktführer DHL zu einer Preiserhöhung – allerdings nur für Geschäftskunden. Dennoch befürchteten viele Marktbeobachter, dass es auch im Privatkundenbereich zu höheren Kosten kommen könnte. Dem hat Konzernchef Appel jetzt jedoch eine Absage erteilt. Er sagte deutlich, dass sich sein Unternehmen bisher nicht mit einer Preiserhöhung für Privatkunden beschäftige.

Die Paketzustellung boomt in den letzten Jahren wie kaum eine andere Branche. Die Mengen der Zustellungen haben sehr stark zugenommen. (#01)

Die Paketzustellung boomt in den letzten Jahren wie kaum eine andere Branche. Die Mengen der Zustellungen haben sehr stark zugenommen. (#01)

Langfristig ist dennoch mit einer teureren Zustellung zu rechnen

Die Absage an höhere Preise war jedoch mit einer Einschränkung versehen. Appel sagte lediglich, dass es hierfür im Moment keine konkreten Pläne gebe. Allerdings denkt das Unternehmen kontinuierlich über die Preisgestaltung nach. Dabei machte er unter anderem deutlich, dass die Kosten für die Zustellung ansteigen. Das große Wachstum in diesem Bereich bringt zwar einige Skalenvorteile mit sich, die es möglich machen, den Service effizienter und damit preiswerter zu gestalten. Diesen Möglichkeiten sind jedoch einige Grenzen gesetzt. Wenn die Kosten weiter ansteigen, könnte es auch im Bereich der Zustellung der Sendungen von Privatpersonen fortan zu höheren Preisen kommen.

Großes Wachstum bei DHL durch E-Commerce

Sehr interessant sind auch die Geschäftsergebnisse, die der Konzern aus Bonn vor einiger Zeit präsentierte. Diese zeigen einen neuen Rekordgewinn für 2017 auf. Grund dafür ist, dass die Menschen in Deutschland immer häufiger Pakete versenden. Insbesondere in der Vorweihnachtszeit war die Nachfrage enorm und führte zu einem sehr positiven Ergebnis. Auch der Expressversand ist im vergangenen Jahr stark angestiegen und trägt daher ebenfalls zum beachtlichen Wachstum des Konzerns bei.

Der operative Gewinn erreichte mit 3,74 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Das entspricht einem Anstieg um 7,2 Prozent. Auch der Umsatz stieg an – um 5,4 Prozent auf 60,4 Milliarden Euro. Besonders stark war der Anstieg in der Express-Sparte. Hier betrug er 9,5 Prozent. Von den guten Ergebnissen profitieren auch die Aktionäre. Der Konzern schüttete eine Dividende von 1,15 Euro pro Aktie aus – deutlich mehr als im Vorjahr und mehr, als von den meisten Marktbeobachtern erwartet.

Das große Wachstum bringt jedoch auch einige Probleme für den Konzern mit sich: Er benötigt immer mehr Zusteller und findet dafür keine geeigneten Bewerber.(#02)

Das große Wachstum bringt jedoch auch einige Probleme für den Konzern mit sich: Er benötigt immer mehr Zusteller und findet dafür keine geeigneten Bewerber.(#02)

Hoher Bedarf an Paketzustellern

Das große Wachstum bringt jedoch auch einige Probleme für den Konzern mit sich: Er benötigt immer mehr Zusteller und findet dafür keine geeigneten Bewerber. Auch hierzu nahm Appel im Interview Stellung. Die geringe Nachfrage nach Jobs in diesem Bereich erklärt er nicht mit den vergleichsweise geringen Löhnen. Vielmehr führte er aus, dass diese Tätigkeit den Werktätigen viel abverlange und dass nicht alle Menschen dazu bereit seien, diese Herausforderung anzunehmen. Außerdem betonte er, dass DHL im Vergleich zu den Konkurrenten recht gute Löhne bezahle. Bei anderen Zustelldiensten kommen häufig Subunternehmer zum Einsatz, deren Beschäftigte auf Mindestlohn-Niveau arbeiten.

Langfristige Wachstumschancen durch Online-Lebensmittelbestellung

Appel nahm auch zu den langfristigen Wachstumsaussichten des Konzerns Stellung. Dabei erklärte er, dass es nicht absehbar sei, ob der Boom, den die Paketdienste in den letzten Jahren erfahren, auch weiterhin anhalten werde. Allerdings erläuterte er, dass es in vielen Bereichen noch ein enormes Wachstumspotenzial gebe. Ein Beispiel hierfür ist die Online-Bestellung von Lebensmitteln. Diese spielt in Deutschland bislang noch kaum eine Rolle. Wenn jedoch nur etwa 10 Prozent der Bevölkerung regelmäßig Lebensmittel über das Internet bestellen, würde das auch bei den Zustelldiensten über Jahre hinaus hohe Wachstumsraten mit sich bringen.

Aufgrund der immer schwierigeren Verkehrssituation in vielen deutschen Städten könnten Drohnen eine perfekte Lösung darstellen, um die Pakete schnell und kostengünstig zuzustellen. (#03)

Aufgrund der immer schwierigeren Verkehrssituation in vielen deutschen Städten könnten Drohnen eine perfekte Lösung darstellen, um die Pakete schnell und kostengünstig zuzustellen. (#03)

Neue Technologien können die Art der Zustellung verändern

Schließlich ging der DHL-Chef auf neue Möglichkeiten bei der Zustellung ein. Er erklärte, dass es schon Zustellroboter gebe, die schwere Pakete für den Boten tragen und dadurch die Zustellung erleichtern. Bislang handelt es sich dabei jedoch nur um Prototypen. Konkreter sind hingegen die Pläne für die Zustellung per Drohne. Auch hier gibt es bereits erste Tests. Aufgrund der immer schwierigeren Verkehrssituation in vielen deutschen Städten könnten Drohnen eine perfekte Lösung darstellen, um die Pakete schnell und kostengünstig zuzustellen.


Bildnachweis:©Deutsche Post AG

About Author

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Comments are closed.