Climeon: Energierückgewinnung bei RoPax-Schiff der Viking Line

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Das schwedische Unternehmen Climeon sorgt mit seinem Heat Power System dafür, dass die „Viking Glory“ der Viking Line energieeffizienter unterwegs ist: weniger CO2, dafür Nutzung der Abwärme für den Passagierbetrieb.

Climeon: Schwedenpower für mehr Umweltfreundlichkeit ( Video)

Das schwedische Unternehmen Climeon hat dazu beigetragen, dass die Viking Line mit ihrem neuen Flagschiff „Viking Glory“ besonders energieeffizient arbeitet. Rund 10 Prozent soll die Verbesserung der Energieeffizienz betragen. Angetrieben wird das Super-Eisklasse 1 A-Schiff vom Antriebssystem ABB Azipod XO und den Wärtsilä 31 DF-Zweistoffmotoren.

Hinzu kommt das Energy Recycling System als Besonderheit der Viking Glory: Es nutzt die Abwärme der Motoren und wandelt diese in Strom um. Damit sorgt das Climeon Heat Power System dafür, dass rund 40 Prozent des Stroms, der für den Passagierbetrieb nötig ist, aus der Motorenabwärme erzeugt werden kann.

Video: Viking Glory – vesillelasku

Neue Dampfturbinenlösung von Climeon

Die Viking Glory arbeitet mit der neuen Dampfturbinenlösung aus dem Hause Climeon. Schon 2019 wurde der Werksabnahmetest bestanden, die News waren voll davon. Die Errungenschaft des neuen Systems wurde bereits 2017 bestellt, allerdings konnte die Auslieferung des Schiffs nicht wie geplant 2020 stattfinden.

Die weltweite Pandemie sorgte hier für Verzögerungen, sodass die neue „Viking Glory“ erst jetzt in Dienst gestellt werden konnte.

Viking Glory. Das Climeon System findet sich links oben. (Foto: Viking Line)

Viking Glory. Das Climeon System findet sich links oben. (Foto: Viking Line)

Schon 2015 war Viking Line Vorreiter in der Ship Industry und installierte als erste Firma überhaupt das Wärmekraftmodul von Climeon zur Nutzung der Abwärme von Schiffsmotoren.

Mit dem Bau der „Viking Glory“ sollte diese Errungenschaft fortgeführt werden und zudem einige Verbesserungen erfahren. Vor allem die Einsparung von CO2 stand im Fokus.

Heraus kam bei all den Bemühungen eine Kombination aus Dampfturbine und Wärmekraftmodul, sodass die Abwärme bei hohen und auch bei niedrigen Temperaturen nutzbar ist. Beide Systeme von Climeon sind skalierbar und lassen sich je nach Bedarf einstellen.

Das Climeon Heat Power System in der Übersicht

Die Motoren, die die „Viking Glory“ antreiben, benötigen Kühlwasser, damit sie nicht überhitzen. Dieses Kühlwasser fließt durch die Motoren und erwärmt sich dabei. Aufgrund des niedrigen Siedepunkts dieser internen Flüssigkeit verdampft selbige, die Dämpfe werden über eine Turbine entspannt. Damit wiederum kann ein Generator betrieben werden, der Strom erzeugt.

Diese Erklärung ist stark vereinfacht, stellt jedoch das System des Energy Recyclings gut dar. Genau dieses wird nun auf der „Viking Glory“ verwendet, um das Schiff zu einem der klimafreundlichsten Kreuzfahrtschiffe der Welt zu machen.

“Viking Glory“ als klimafreundliches Beispiel für den nachhaltigen Seeverkehr (Video)

Die innovativen Lösungen wie der Einsatz des neuen Wärmekraftmoduls zur Nutzung der Motorenabwärme lassen die in 2021 in den Dienst gestellte „Viking Glory“ zu einem besonders energieeffizienten und zu einem der klimafreundlichsten Kreuzfahrtschiffe der Welt werden.

Die Viking Glory wird mit dem Climeon Heat Power System eines der klimafreundlichsten Passagierschiffe der Welt sein. (Foto: Viking Line)

Die Viking Glory wird mit dem Climeon Heat Power System eines der klimafreundlichsten Passagierschiffe der Welt sein. (Foto: Viking Line)

Aktuell erwartet die Viking Line Company, dass das Schiff bis zu 10 Prozent weniger Treibstoff benötigen wird als die kleine Schwester „Viking Grace“. Letztere erhielt allerdings schon die Auszeichnung als „umweltfreundlichstes Schiff der Welt“. Dies soll durch die „Viking Glory“ überboten werden.

Der Kraftstoffverbrauch wird besonders optimiert werden, was durch die sechs 31 DF-Motoren möglich ist. In diesem Segment setzt man zudem auf die höchstmögliche Zylinderleistung mit 550 kW pro Zylinder. Gleichzeitig wird die „Viking Glory“ das erste Schiff sein, dass die LNG-Abfallkühlung nutzt, um Kühlräume, Kühlschränke und einige Räumlichkeiten an Bord zu betreiben.

Zusammengearbeitet haben an dem Projekt gleich mehrere Firmen:

  • Wärtsilä Corporation
  • Projektia Oy
  • Deltamarin Ltd.
  • Viking Line

Das Energy Recycling System von Climeon beherrschte zudem lange Zeit die News in der Company, denn dass die Abfallkühlung verwendet wird, ist heute längst üblich. Dass aber die Abwärme der Motoren zu einem großen Teil des benötigten Stroms sorgt, ist eine echte Innovation. Bis zu 40 Prozent des benötigten Stroms können hierüber geliefert werden.

Zudem ist die „Viking Glory“ mit einem dynamischen Lüftungs- und Beleuchtungssystem ausgestattet, das wiederum an das Buchungssystem gekoppelt ist. Nicht belegte Kabinen werden auf ein Minimum der Heizung und Klimatisierung heruntergefahren. Endlich ist das Ziel erreicht: Die Viking Glory ermöglicht den nachhaltigen Seeverkehr!

Nicht zuletzt spielt hier das Azipod-Propellersystem von ABB eine Rolle, denn es sorgt beim Manövrieren des Schiffes dafür, dass Zeit und Kraftstoff in nicht unerheblicher Menge gespart werden.

Video: Climeon & Viking Line

Das Problem des CO2 clever gelöst

Das Climeon System hilft nicht nur dabei, Kraftstoff zu sparen. Das Energy Recycling System beherrschte für einige Zeit auch aus dem Grund die News, weil so manche Company im Bereich Schiffsbau nach Möglichkeiten forscht, den CO2-Ausstoß zu verringern. Hier zeigt sich „Industry at it’s best“ und das Climeon Energy System hat es geschafft, bis zu 4.000 Tonnen CO2 pro Jahr weniger ausstoßen zu lassen.

MSC Cruises sucht nach kohlenstoffarmen Lösungen

Bislang ist klar: Das Climeon System wird hohe Mengen an CO2 einsparen, was den nachhaltigen Seeverkehr ermöglichen soll. Doch auch MSC Cruises forscht nach entsprechenden Lösungen und will Energietechnologien und ein innovatives Schiffsdesign kombinieren, um die CO2-arme Schifffahrt zu fördern.

Neu gebaut werden aktuell die MSC Seashore und die MSC Virtuosa, die beide in der Lage sein sollen, ihren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Ab 2022 wird die MSC World Europa ein Teil der MSC-Flotte, wobei dieses Schiff mit LNG-Antrieb funktioniert. Noch in 2021 soll ein weiteres LNG-Schiff gebaut werden.

Um die nachhaltige Seefahrt zu fördern, wurde an der Universität Vaasa in Finnland das Projekt „CHEK“ ins Leben gerufen. Daran beteiligt sind zahlreiche Unternehmen und Einrichtungen:

  • World Maritime University Malmö
  • Wärtsilä
  • Silverstream Technologies
  • HASYTEC
  • Deltamarin
  • Climeon
  • Cargill
  • BAR Technologies
  • Lloyds Register

Fördermittel aus dem EU-Förderprogramm für Forschung und Innovation sollen dem Projekt zufließen, bei dem es um Energieeffizienz in allen Bereichen des Schiffsbetriebs gehen soll. Die gesamte Ship Industry wird von den synergetischen Vorteilen der neuen Technologien profitieren, wobei es zum Beispiel um Ultraschall-Antifouling, Wasserstoffantrieb und neue Abfallverbrennungssysteme gehen soll.

MSC Cruises sucht mithilfe des Projekts nach einer breiten Palette an modernen Technologien, die den ökologischen Fußabdruck der Schifffahrt endlich reduzieren sollen. Weitere Verbesserungen werden möglich sein, wenn nicht-fossile Kraftstoffe wie Bio-LNG endlich in ausreichendem Maße verfügbar sind.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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