Verzollung: Amazon und der Schweizer Onlinehandel

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Online-Gigant Amazon hat nun den Eintritt auf den Schweizer Markt geschafft und es bleibt zu erwarten, dass er diesen aufmischen wird. Ob als positive Konkurrenz für die Händler oder mit negativen Auswirkungen, bleibt abzuwarten.

Zunehmende Onlinekäufe in der Schweiz

Während der Riese Amazon in Deutschland und Österreich auf dem ersten Platz der Onlineshops rangiert, muss er sich derzeit in der Schweiz noch mit dem dritten Rang begnügen. Der Onlinehandel weist in der Schweiz eine deutlich stärkere Fragmentierung auf, gleichzeitig ist er weniger monopolistisch ausgerichtet.

Das heißt, die Angebote sind deutlich diversifizierter, was im übrigen DACH-Raum nicht der Fall ist. Amazon wird allerdings nach der Verhandlung um die Verzollung aufholen können – wenn die Schweizer das zulassen sollten. Wie stark die Schweizer auf den eigenen Shops beharren und welchen Raum sie dabei Amazon geben, bleibt noch abzuwarten.

Direkte Verzollung der Amazon Päckchen klargemacht

Bislang stellte sich immer noch das Problem der Verzollung der Päckchen, die vom Versandriesen Amazon verschickt wurden. Nun hat Amazon aber mit der Schweizer Post einen Deal geschlossen, der die direkte Verzollung ermöglich, wodurch sich der Schweizer Markt für Amazon öffnet. Noch im Dezember, also knapp nach dem Beschluss des Deals, wurden die ersten Pakete ausgeliefert. Die bisher schwächere Position in der Schweiz könnte damit bald aufgeholt werden. Wobei es ursprünglich gar nicht mehr darum ging, ob Amazon überhaupt Zutritt zum Schweizer Markt bekommt – die Frage war wohl eher, wann das der Fall sein wird.

Bisher gab es aber zahlreiche Beschränkungen zur Bezollung der Lieferungen, nun soll die Post aber zum einen die Verzollung, zum anderen die Abgabe der Mehrwertsteuer übernehmen. Eine neue Sammelverzollung soll dazu führen, dass Amazon in Zukunft innerhalb von 24 Stunden per Prime in die Schweiz liefern kann. Einen Preisvorteil in Bezug auf Zollfreigrenzen gibt es damit aber nicht mehr: Bislang waren Sendungen unter 67 Schweizer Franken und Büchersendungen bis 200 Schweizer Franken zollfrei. Das wird es in Zukunft nicht mehr geben.

Einschneidende Änderungen im Onlinehandel in der Schweiz

Das neue Jahr ist für die Schweizer Onlinehändler von zahlreichen Veränderungen geprägt. Sie müssen auf der einen Seite mit dem Markteintritt des Versandriesen Amazon klarkommen, auf der anderen Seite greift nun ab 2018 die europäische Datenschutzgrundordnung, auf die einige kleine und mittlere Unternehmen aber nur unzureichend vorbereitet sind.

Eigens dazu gab es die Konferenz „Regulatory Framework for Operating E-Commerce in Switzerland 2018“, die durch die Berner Fachhochschule und den Verband NetComm Suisse durchgeführt wurde. Die Konferenz berücksichtigt, dass der Onlinehandel in der Schweiz immer weiter steigt und dass der Wachstumstrend auch in den nächsten Jahren ungebrochen sein wird.

Das Potenzial des Onlinehandels ist aber noch längst nicht ausgeschöpft und so bestehen immer noch ausgezeichnete Möglichkeiten für die Unternehmen des Landes. Doch was passiert, wenn Amazon sich auf dem Markt behauptet, welche Auswirkungen wird das für die übrigen Unternehmen und den Onlinehandel haben?

Doch nicht nur Amazon, sondern auch die neuen Richtlinien zur Datenverarbeitung stellt zahlreiche Unternehmen vor große Herausforderungen. Sie sind darauf bislang nicht ausreichend vorbereitet und müssen nun Wege finden, die Vorschriften umzusetzen. Das könnte ein turbulentes Jahr für die Schweizer Wirtschaft werden!

Markteintritt und Verzollung bei Amazon: Das sagen die anderen Händler

Zum Markteintritt und zur geplanten Verzollung von Amazon haben die übrigen Händler ihre eigene Meinung, die nicht immer positiv ausfällt. Und was sagen Schweizer Händler zu dem Coup, der Amazon einen enormen Aufschwung bescheren wird?

  • Fust
    Fust sieht im Markteintritt von Amazon eine Art sportlichen Wettkampf und wird den einmal beschrittenen Weg zur langfristigen und nachhaltigen Kundenbindung weiterhin beschreiten.
  • Media Markt
    Media Markt ist nicht überrascht von dieser neuen Entwicklung und äußert sich derart, dass man es gewöhnt sei, sich an ein Marktfeld anzupassen, welches durch den Wettbewerb gekennzeichnet ist. Spezielle Strategien dafür seien immer schon vorhanden gewesen und würden auch jetzt angewendet werden.
  • Brack.ch
    Hier befürchtet man, dass Amazon dem Onlinehandel weiteren Aufschwung geben wird, worunter der stationäre Handel kurz- bis mittelfristig leiden kann. Allerdings sei man bei Brack.ch zuversichtlich, was die Anpassung an den veränderten Markt angeht und man vertraut auf die eigene Stärke zur Anpassung an den Schweizer Markt.
  • Digitec Galaxus
    Das Unternehmen hat sich bereits seit Jahren darauf vorbereitet, dass Amazon auf dem Markt erscheint und diesen versucht, zu dominieren. Die eigenen Preise orientieren sich an denen von Amazon, die Konkurrenzfähigkeit bestünde in jedem Fall. Niemand scheut hier einen Vergleich mit dem Internetgiganten, eher im Gegenteil: Der Vergleich würde laut Pressesprechern sogar gesucht.

Die bisher auf dem Markt präsenten Schweizer Unternehmen sehen der Zukunft mit Amazon gelassen entgegen bzw. äußern sie sich zumindest in dieser Art gegenüber der Öffentlichkeit. Was hinter geschlossenen Türen passiert und wie sich die Firmen auf die große Konkurrenz vorbereiten, bleibt (noch) deren Geheimnis.


Bildnachweis:©Shuttestock-Titelbild: Jeramey Lende

About Author

Jürgen G. Mehren, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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