Transportkosten richtig kalkulieren: In 5 Schritten zum richtigen Preis

0

Luftfracht, Seefracht, Transport per Lkw: Die Transportkosten unterscheiden sich nicht nur nach Menge und Gewicht des Transportguts, sondern auch nach der Art des Transportmittels.

Faktoren zur Berechnung der Transportkosten

Noch ehe es zum Vertragsschluss kommt, möchte der Kunde natürlich wissen, was preislich auf ihn wartet. Wie hoch werden die Transportkosten sein, wenn Ware xy geliefert wird? Und ist überhaupt die Spedition oder nicht doch der Kurier die bessere, weil günstigere Wahl?

Um die Logistikkosten kalkulieren zu können, müssen erst einmal einige Faktoren bekannt sein, die in die Berechnung mit einfließen müssen. Es geht dabei um die zu fahrende Strecke in Kilometern, um die Art der Güter, um die Frachtart und um die Möglichkeiten, die an der Be- und Entladestelle vorhanden sind. Kann der Lkw einfach an eine Laderampe fahren oder müssen spezielle Vorkehrungen zum Verladen getroffen werden?

Die Kalkulation der Transportkosten gelingt dem Rechnungswesen des Logistikunternehmens am besten, wenn so viele Daten wie möglich bekannt sind. Das heißt, dass diese Punkte vom Kunden zu erfragen sind, andernfalls lässt sich kein fundiertes Angebot erstellen.

Die folgenden Schritte führen den Logistiker zum passenden Preis für den Gütertransport und zeigen, wie Transportkosten kalkuliert werden können:

1. Was wird transportiert?

Es geht zum einen darum, ob es sich zum Beispiel um Stückgut oder um Schüttgut handelt, ob Container transportiert werden sollen oder ob die Ware auf Paletten liegt. Danach richtet sich der zu planende Aufwand, denn Stückgut lässt sich in der Regel besser verladen. Andere Waren können gar nicht mit einem normalen Lkw transportiert werden, dazu zählen Mehl oder Sand, welche den Transport mit einem bestimmten Fahrzeug verlangen

Transportkosten: Der Transportweg beeinflusst die Transportkosten maßgeblich. (#2)

Transportkosten: Der Transportweg beeinflusst die Transportkosten maßgeblich. (#3)

2. Wie viel wird transportiert?

Natürlich geht es nicht nur einfach darum, was transportiert werden soll, sondern auch wie viel. Dabei ist die Gleichung: Weniger Transportgut gleich niedrigere Transportkosten schlichtweg falsch. Kurz gesagt: Auch für eine geringe Transportmenge fallen bestimmte Fixkosten an, die immer einberechnet werden müssen. Doch dazu später gleich mehr. Bei diesem Punkt nun geht es um die Anzahl der Paletten oder die Menge in Tonnen, es geht um Abmessungen und Volumina. Damit einher geht der Aufwand beim Verladen: Stückgut mit einem geringen Gewicht und kleinen Abmessungen lässt sich einfacher verladen als ein großes Gut, welches sperrig und schwer ist.

3. Wohin wird transportiert?

Der Weg spielt natürlich eine Rolle. Handelt es sich um einen Transport, der nur wenige Kilometer dauern soll oder ist gar eine Seefracht enthalten? Sind Subunternehmer gefragt, die einen Teil des Transports realisieren, wirkt sich das verständlicherweise auf den Preis aus. Nationaler oder internationaler Transport, zu überwindende Höhenmeter, Luft- oder Seefracht, das sind die Punkte, die in die Berechnung an dieser Stelle hineinzählen.

Ein Mehraufwand wirkt sich kostentreibend aus. Das Nachfolgesystem zeigt, wohin das Gut unterwegs ist und zu welchem Zeitpunkt es voraussichtlich beim Kunden eintreffen wird. Dieser Service wird mittlerweile als selbstverständlich hingenommen und ein damit begründeter Aufschlag auf die Transportkosten kann zum Ausschluss eines Logistikanbieters bei Vorliegen verschiedener Angebote führen.

Natürlich geht es nicht nur einfach darum, was transportiert werden soll, sondern auch wie viel. Dabei ist die Gleichung: Weniger Transportgut gleich niedrigere Transportkosten schlichtweg falsch.

Natürlich geht es nicht nur einfach darum, was transportiert werden soll, sondern auch wie viel. Dabei ist die Gleichung: Weniger Transportgut gleich niedrigere Transportkosten schlichtweg falsch.(#01)

4. In welcher Zeit wird transportiert?

Eine besonders eilige Ladung ist meist mit dem Kurierfahrzeug günstiger zu übermitteln, denn die Transportkosten sind damit deutlich geringer. Außerdem ist das Kurierfahrzeug schneller als der Lkw und kann auch Strecken befahren, die für Lkw gesperrt und dadurch mit einem Umweg verbunden sind.

Wichtig ist für die Kalkulation, ob eventuelle Brücken- oder Feiertage im Transportzeitraum liegen oder ob anderweitige Verzögerungen in Kauf genommen werden müssen. Teilweise kann es sein, dass eine Beiladung aufgenommen werden soll, diese kann aber erst zu einem späteren Termin aufgeladen werden. Der gesamte Transport verzögert sich damit, was sich auf den Preis auswirkt.

5. Welche Zusatzleistungen sind nötig?

Teilweise ist zusätzliches Equipment nötig, damit die Be- und Entladung stattfinden kann. Muss ein Gabelstapler mitgeführt werden, wirkt sich das auf die Höhe des Preises aus. Auch Zusatzvereinbarungen, die beispielsweise vom üblichen Liefern frei Bordsteinkante abweichen, müssen separat bezahlt werden. Generell fallen in diesen fünften Schritt alle Zusatzleistungen, die dem Kunden zugestanden werden und mit einem erhöhten Aufwand verbunden sind.

Natürlich ist die Kalkulation der Transportkosten noch weitaus komplexer, als dies auf den ersten Blick hier erscheinen mag, zumal die einzelnen Positionen detailliert berechnet werden müssen. Ein Beispiel dafür ist der Lkw: Er muss sich durch seinen Einsatz selbst finanzieren, daher sind anteilig Versicherungskosten, Treibstoff, Instandhaltungskosten usw. im Lkw-Preis enthalten, wobei diese Kosten in der Regel durch die Fahrkosten pro Kilometer abgegolten werden, wenn sie nicht auf einen pauschalen Preis aufzurechnen sind.

Den zweiten Kostenpunkt macht der Fahrer aus, der sein Gehalt erarbeiten muss. Der dritte Punkt wird durch das Transportgut selbst dargestellt, welches sich aufgrund seiner Menge und Beschaffenheit auf die Logistikkosten auswirkt. Hinzu kommen besondere Erschwernisse bei der Be- und Entladung oder bei der Beschaffenheit der Straße, sollte der Transport in schwer zugängliche oder (wie im Winter) nur eingeschränkt befahrbare Gegenden führen.

Selbstverständlich muss das Logistikunternehmen die Transportkosten so kalkulieren, dass nicht nur kostendeckend gearbeitet wird.

Selbstverständlich muss das Logistikunternehmen die Transportkosten so kalkulieren, dass nicht nur kostendeckend gearbeitet wird. (#02)

Das Rechnungswesen geht somit wie folgt vor:

Transportkosten = Lkw + Fahrer +Zusatzaufwendungen – Preisnachlässe

Selbstverständlich muss das Logistikunternehmen die Transportkosten so kalkulieren, dass nicht nur kostendeckend gearbeitet wird. Vielmehr kommt es auch auf die Erwirtschaftung eines Gewinnanteils an, von dem sich das Unternehmen letzten Endes trägt.

Niedrigere Transportkosten möglich?

Vor Vertragsschluss stehen immer die Verhandlungen darüber, ob ein Preisnachlass möglich ist. Seitens der Kunden wird hier vorausgesetzt, dass die Preise eher großzügig kalkuliert sind und somit ein Nachlass durchaus machbar sein sollte. Doch das ist nicht in jedem Fall möglich, zumal auch das Konzept der Beiladung nicht immer anwendbar ist. Dabei handelt es sich um die Zuladung weiterer Güter, damit der gesamte Transportpreis niedriger wird.

Der erste Transportauftrag ist in der Regel derart kalkuliert, dass er kostendeckend ist. Die Beiladung kann dann zu einem niedrigeren Preis angeboten werden. Allerdings vergünstigt sich damit oft auch der Preis für den ersten Transport, da dieser sich zeitlich verschieben kann. Genau darin liegt aber ein Problem, denn ein termingebundener Transportauftrag darf sich nicht verzögern. Passt ein Beiladungstransport nicht zur Terminplanung, ist eine günstigere Kalkulation daher nicht möglich.

Allgemein ist die Voraussetzung für den Transport per Beiladung, dass das transportierende Fahrzeug bereits auf der Strecke ist oder demnächst abfährt. Außerdem muss hier genügend Platz vorhanden sein, was sich sowohl auf den Laderaum als auch auf das maximale Gewicht der Zuladung bezieht. Außerdem darf es nicht zu Verzögerungen bei der Zustellung der ursprünglichen Lieferung kommen. Eine solche würde sich schon im Nachfolgesystem bemerkbar machen und den Kunden, der doch auf die baldige Zustellung wartet, vor den Kopf stoßen. Daran ist kein Logistiker interessiert, daher muss die Terminplanung exakt stimmen und eingehalten werden.

Gern wird gerade der letzte Punkt vergessen, denn für die Dauer des Transports kann das Fahrzeug nicht für andere Transporte eingesetzt werden.

Gern wird gerade der letzte Punkt vergessen, denn für die Dauer des Transports kann das Fahrzeug nicht für andere Transporte eingesetzt werden.(#04)

Transportkosten: Je kürzer die Strecke, desto kleiner der Preis

Diese Rechnung geht leider nicht auf, dennoch wird von vielen Kunden erwartet, dass bei einer kurzen Transportstrecke ein niedriger Preis möglich sein sollte. Auf den Kilometer gesehen mag das auch stimmen, denn für eine kürzere Strecke wird nun einmal weniger Zeit und Treibstoff benötigt. Doch ein gewisser Mindestaufwand ist unabhängig von der Strecke immer vorhanden.

Dieser bezieht sich auf die folgenden Punkte:

  • Anfahrt zur Ladestelle
  • Beladen mit dem Transportgut
  • Entladen an der Entladestelle
  • Gebundensein des Fahrzeugs für die Dauer des Transports

Gern wird gerade der letzte Punkt vergessen, denn für die Dauer des Transports kann das Fahrzeug nicht für andere Transporte eingesetzt werden. Ergibt sich beispielsweise ein lukrativer Auftrag, für den der Lkw eingesetzt werden müsste, kann dieser nicht realisiert werden, da das Fahrzeug unterwegs ist. Es ist daher verständlich, dass die Transportkosten bei jedem Auftrag einen Mindestaufwand abdecken müssen, was vergleichbar ist mit der Fahrt in einem Taxi. Auch dort gibt es einen Grundpreis, auf den weitere Leistungen (wie die Anzahl der gefahrenen Kilometer) aufgerechnet werden müssen.

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit zum Einsparen von Transportkosten: Ware, die nicht auf Paletten liegt, könnte doch eigentlich lose transportiert und als Lückenfüller genutzt werden. Falsch gedacht, denn hier spielt die Sicherheit im Straßenverkehr eine Rolle und die besagt, dass die Güter nicht ungesichert transportiert werden dürfen. Damit wiederum ergibt sich, dass ein Rohr oder ein Stahlträger zwar als Beiladung transportiert werden könnte, dies jedoch nur theoretisch. Praktisch sind diese Sperrgüter als Alleintransport zu realisieren, damit eine ausreichende Sicherung vorgenommen werden kann.

Wer die konkreten Transportkosten erfahren möchte, kann die Eingabe der Daten in den Preisrechner nutzen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Persönliche Mehrkosten sind hier allerdings immer zu berücksichtigen und müssen auf den ermittelten Preis aufgeschlagen werden.


Bildnachweis: © Shutterstock – Titelbild: Travel mania, # 01: Beketoff_-#02: 101akarca #3 Rasica, #04: Andrey_Popov

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Leave A Reply