Sammelgut: Definition, Vorteile & Beispiele

0

Der Versand von Waren als Sammelgut, ist eine besondere Versandform im Speditionswesen. Denn die Beförderung von Sammelgütern ist ein recht komplexer Vorgang und Prozess. Wir erklären, wie er funktioniert, welche Aufgaben Spediteur/Kurierdienst und Empfänger dabei haben und für wen es sich besonders eignet, Sammelgut-Transporte durchführen zu lassen.

Am Sammelgut-Transport beteiligte Akteure

Eine ganze Reihe an Akteuren ist bei dieser Speditions-Dienstleistung am Vorgang beteiligt. Bei den einzelnen „Parteien“, die beim Versand von Sammelgut involviert sind, handelt es sich um:

  • den Urversender: er beauftragt den Versandspediteur
  • den Versandspediteur: er organisiert die Sammelladung, sprich: die Zusammenstellung der einzelnen Sendungen
  • den Frachtführer: dieser übernimmt für den Versandspediteur den Hauptlauf, also den Transport an den Bestimmungsort. Ein Frachtführer muss aber nicht zwangsläufig beteiligt sein. Ab und an übernehmen die Speditionen selbst diese Aufgabe
  • den Empfangsspediteur: an ihn wird die Sammelladung geliefert. Im Anschluss sorgt er für die Weiterverteilung
  • Endempfänger: der Endempfänger nimmt die Einzelsendungen einer Sammelladung entgegen
    Holt der Versandspediteur die Sendungen nicht selber bei den Urversendern ab, kommt als zusätzlicher „Player“ noch ein Nahverkehrsunternehmer hinzu. Diese fungiert dann als weiterer Frachtführer. Doch was versteht man eigentlich genau unter „Sammelgut“?

Zunächst holt der Versandspediteur die Güter bei verschiedenen Versendern im Quellgebiet ab und sammelt sie in seinem Lager. Am Umschlaglager des Empfangsspediteurs, erfolgt dann wieder die Trennung der Güter. (#01)

Zunächst holt der Versandspediteur die Güter bei verschiedenen Versendern im Quellgebiet ab und sammelt sie in seinem Lager. Am Umschlaglager des Empfangsspediteurs, erfolgt dann wieder die Trennung der Güter. (#01)

Definition Sammelgut

Viele Speditionen bieten als Dienstleistung den Sammelgut-Transport an. Er steht dann im Angebotsportfolio des Unternehmens gleichberechtigt neben Leistungen wie dem Paket- und Expressdienst, der Gefahrgutabfertigung, Fahrzeugdistribution, der Gefahrstofflagerung oder auch dem Stückgutverkehr. Nicht wenige sind der Ansicht, dass der Sammelgutverkehr das Kernstück modernen Transportwesens und ausgefeilter Logistik, darstelle. Doch was versteht man eigentlich genau unter „Sammelgut“?

Ganz allgemein versteht man darunter solche Stückgüter, die zusammengefasst – also als eine große Sammelladung – transportiert werden. Zunächst holt der Versandspediteur die Güter bei verschiedenen Versendern im Quellgebiet ab und sammelt sie in seinem Lager. Am Umschlaglager des Empfangsspediteurs, erfolgt dann wieder die Trennung der Güter.

Im Anschluss daran sortiert ein Transportplaner die Waren nach vier Aspekten:

  • Volumen
  • Gewicht
  • Richtung
  • Dringlichkeit

Der nächste Schritt ist die Auslieferung an die verschiedenen Empfänger – als Stückgut. Zuvor haben die Speditionen, die an dem Transport beteiligt sind, einen Speditionsvertrag abgeschlossen. Darüber hinaus existieren sog. „Sammelgutabkommen“. In diesen Abkommen sind die exakten Vertragsbeziehungen geregelt (wie etwa die genauen Zeiten der Zustellung oder auch der Abholung).

Wichtig zu wissen: Aus rechtlicher Sicht transportiert der Spediteur dabei im Hauptlauf lediglich eine Sendung, nicht mehrere. Hauptlauf bezeichnet den Transport der Waren an ihren Ziel- bzw. Bestimmungsort. Mehr dazu sowie den einzelnen Phasen im Sammelgut-Transport, findet sich im nächsten Abschnitt. Übrigens: Natürlich bieten auch Kurierdienste den Versand per Sammelgut an, nicht nur Speditionen

 

Eine ganze Reihe an Akteuren ist bei dieser Speditions-Dienstleistung am Vorgang beteiligt. Bei den einzelnen „Parteien“, die beim Versand von Sammelgut involviert sind, handelt es sich um. (#02)

Eine ganze Reihe an Akteuren ist bei dieser Speditions-Dienstleistung am Vorgang beteiligt. Bei den einzelnen „Parteien“, die beim Versand von Sammelgut involviert sind, handelt es sich um. (#02)

Sammelgut-Versand: genauer Ablauf

Im Detail läuft Sammelgutverkehr in der Praxis wie folgt ab:

Phase 1: Vorlauf

Die Spedition oder der Kurierdienst holt die kleineren Sendungen bei den unterschiedlichen, entsprechenden Auftraggebern ab. Diese einzelnen Stückguter werden dann zu einer Sammlung zusammengefasst, und zwar im Umschlaglager der Versandspedition.

Phase 2: Umschlag + Hauptlauf

Die wichtigste Funktion des Umschlags ist die Sortierung der Güter bzw. Sendungen. Diese erfolgt, wie oben beschrieben, u.a. nach Gewicht oder Richtung (Weg zum Bestimmungsort). Dies ist der sog. Umschlag. Hier werden nun z.B. all jene Sendungen zusammengefasst, die dasselbe Ziel haben oder die identische Verkehrsrichtung. Danach hat der Frachtführer die Aufgabe, die Güter an ihren Zielort zu bringen. Diese Phase bezeichnet mal als Hauptlauf.

Phase 3: Zweiter Umschlag und Nachlauf

Ist die Ware am Bestimmungsort eingetroffen, erfolgt zunächst die offizielle Übergabe an die Empfangsspedition. Die zuvor zu zusammengefasste Lieferung bzw. Gesamtladung, wird nun aufgelöst, die Sammelladung also in Einzelsendungen aufgebrochen. In der Speditionslogistik, bezeichnet man auch diesen Vorgang als Umschlag. Denn er findet jetzt im Umschlaglager des Empfangsspediteurs statt. Erst jetzt begeben sich die Sendungen auf die Reise zu ihren eigentlichen Empfängern. Denn nun verschickt der Empfangsspediteur die einzelnen, kleineren Sendungen an die entsprechenden Empfänger.

Das Gegenteil vom Transport der Güter als Sammelgut, ist der Stückgutverkehr. Hierbei werden die Sendungen als Stückgut im Ganzen ausgeliefert. Der Sammelgutverkehr ist aufgrund seiner Wirtschaftlichkeit ein verbreitetes Verfahren und daher eine Dienstleistung im Speditionsgewerbe sowie im Bereich Kurierdienst, die häufig genutzt wird. Doch warum genau ist der Transport per Sammelgut wirtschaftlich so sinnvoll und wo liegen die weiteren Vorteile dieser Art des Versands?

Ist die Ware am Bestimmungsort eingetroffen, erfolgt zunächst die offizielle Übergabe an die Empfangsspedition. Die zuvor zu zusammengefasste Lieferung bzw. Gesamtladung, wird nun aufgelöst, die Sammelladung also in Einzelsendungen aufgebrochen. (#03)Ist die Ware am Bestimmungsort eingetroffen, erfolgt zunächst die offizielle Übergabe an die Empfangsspedition. Die zuvor zu zusammengefasste Lieferung bzw. Gesamtladung, wird nun aufgelöst, die Sammelladung also in Einzelsendungen aufgebrochen. (#03)

Ist die Ware am Bestimmungsort eingetroffen, erfolgt zunächst die offizielle Übergabe an die Empfangsspedition. Die zuvor zu zusammengefasste Lieferung bzw. Gesamtladung, wird nun aufgelöst, die Sammelladung also in Einzelsendungen aufgebrochen. (#03)

Die Vorteile vom Sammelgut-Transport

Der Vorteil der Wirtschaftlichkeit kommt vor allem dann zum Tragen, wenn kein Zeitdruck besteht und die Güter nicht unmittelbar, so z.B. schon am nächsten Tag, beim Empfänger sein müssen. Da die Lieferung– durch den mehrfachen Umschlag – mehr Zeit in Anspruch nimmt als der Stückgutverkehr, müssen sich alle Akteure im Klaren darüber sein, dass der Transport einige Tage dauern kann. Stellt dies kein Problem dar, kommt der Auftraggeber in den Genuss des größten Vorteils vom Sammelgut, der sich in seinem Geldbeutel bemerkbar macht: eben jener Wirtschaftlichkeit.

Denn die Sendung des Auftraggebers „teilt“ sich das Transportfahrzeug mit verschiedenen anderen Kunden der Spedition. Die Konsequenz: es wird billiger, und zwar für alle Beteiligten. Und: je mehr Zeit die Akteure haben (heißt: wenn problemlos zwei bis drei Tage auf die Lieferung gewartet werden kann und man auch Verzögerungen in Kauf nimmt), desto günstiger wird es. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass man keine Ladehilfen benötigt – weder auf Seiten des Versenders, noch auf Seiten des Empfängers. Wenn beim Versand nämlich Nahverkehrs-LKWs zum Einsatz kommen, die für die Erstabholung und die Endzustellung eingesetzt werden, dann übernimmt diese Aufgabe quasi der LKW. Nahverkehrs-LKWs verfügen nämlich über Ladebordwände und sind ausgestattet mit eigenen Hubwägen.

Vorteile auch für Spediteur und Frachtführer

Und ein zusätzlicher großer Pluspunkt ist schließlich, dass der feste Preis, der dem Auftraggeber offeriert wird, für ein hohes Maß an Planungssicherheit sorgt. Denn die an dem Transport beteiligten Spediteure, sprechen sich in der Regel ab und treffen Vereinbarungen über die Rahmenbedingungen und Konditionen. Diese regeln genau, welcher der Spediteure für welche Aufgabe in der Transportkette zuständig ist, also z.B. welche Spedition die Güter abholt, wer sie umschlägt und wer sie zum Empfänger transportiert. Die Folge: als Kunde bekommt man einen festen Preis angeboten, der Kalkulationssicherheit bietet

Weitere Vorteile für den Versender:

  • eine höhere Flexibilität hinsichtlich Bestimmungs- und Zielort: der Transport an viele verschiedene Orte ist dadurch möglich
  • die Beförderung erfolgt regelmäßig
  • kleinere Warenpartien können zu mehreren Empfängern zugestellt werden
  • der Versender muss sich meist nicht um die Lagerung, Umladung, Wiederverpackung sowie Papierformalitäten kümmern. Dies bieten viele Speditionen an

Doch auch für die Spedition und den Frachtführer, bringt diese Versandart einige erhebliche Vorteile mit sich:
Der Spediteur (sowohl der Versand- als auch Empfangsspediteur) kann sein Personal und Umschlaglager, effizienter und sinnvoller nutzen. Und natürlich machen sich die reduzierten Transportkosten, die der Spediteur an den Auftraggeber weitergibt, auch bei der Spedition selbst, bemerkbar: er zahlt selbst weniger für den Transport, da ein ganzer Verbund an Speditionsfirmen an dem Auftrag beteiligt ist.
Und am Ende freut sich schließlich noch der Frachtführer über positive Auswirkungen: er kann sein Fahrzeug effizienter nutzen bzw. auslasten und auch das Schadensrisiko verringert sich für ihn.

 

Wichtig: nicht jedes Speditionsunternehmen kann so einfach den Transport von Sammelgut bewerkstelligen. Eine wichtige Grundvoraussetzung sollte in jedem Fall gegeben sein: die Spedition muss über ein großes Netzwerk verfügen. (#04)

Wichtig: nicht jedes Speditionsunternehmen kann so einfach den Transport von Sammelgut bewerkstelligen. Eine wichtige Grundvoraussetzung sollte in jedem Fall gegeben sein: die Spedition muss über ein großes Netzwerk verfügen. (#04)

Beispiele für Sammelgut-Lieferungen

Es gibt Güter, die sich weniger für den Versand per Sammelgut eignen als andere. Generell gilt: alles was nicht auf eine Palette passt, eignet sich in aller Regel nicht für den Umschlag, und damit auch nicht für den Sammelgut-Transport. Außerdem ist ein solcher Transport für diejenigen Waren schwierig, die sich in nur gering belastbaren Verpackungen befinden. Oftmals halten dann bereits die Verpackungen, dem Vorgang des Umladens nämlich nicht stand.

Im Gegensatz zum Stückgut, das in aller Regel immer Waren der gleichen Art meint (also z.B. eine Ladung TV-Geräte, Motorroller, Papierkörbe etc.), so steht das Sammelgut immer für verschiedene Colli. Ein Colli ist das in der Regel kleinste aller Transportgüter innerhalb der Lieferung. Die Begriffe Stückgut und Sammelgut sind nicht auf bestimmte Warenarten oder Produktkategorien, beschränkt. Eine Sammelgut-Lieferung kann sich z.B. aus einer Lieferung mit Spielkonsolen, einer mit den passenden Spielen und wieder einer anderen mit passendem Zubehör für die Konsole, zusammensetzen. Alle Güter gemeinsam gehören zu ein und demselben Auftrag und werden meist in gleich hoher Anzahl an die Abnehmer bzw. Empfänger (in diesem Fall z.B. Elektrofachmärkte) ausgeliefert.

Ein anderes Beispiel: Eine Reihe von Universitätskliniken soll ein neues medizinisches Gerät für die Diagnostik erhalten. Die Empfänger (die Kliniken) bekommen die einzelnen Komponenten – in Form und Größe unterschiedlichste Bestandteile von verschiedenen Herstellern – dieses Geräts von verschiedenen Speditionen geliefert.

Wichtig: nicht jedes Speditionsunternehmen kann so einfach den Transport von Sammelgut bewerkstelligen. Eine wichtige Grundvoraussetzung sollte in jedem Fall gegeben sein: die Spedition muss über ein großes Netzwerk verfügen. Nur so können die Güter vom Versender zum Empfänger gebracht werden. Und günstige Preise kann man auch nur mit einem profilierten, gut funktionierendem System der drei entscheidenden Phasen (Vorlauf, Hauptlauf, Umlauf) der „Sammelgut“-Transportketten, anbieten.

Sammelgut – ein Fazit

Wer einzelne Paletten preiswert versenden lassen will und nicht unter erheblichem Zeitdruck steht, der sollte auf den Transport per Sammelgut zurückgreifen. Sobald die Wünsche sowie die Anforderungen aber spezieller werden und die Zahl der zu transportierenden Güter steigt, für den bietet sich die Direktfahrt an. Die Waren werden dann als Teil- oder Komplettladungen, geliefert. Mit den „spezielleren Wünschen“ kann übrigens gemeint sein, dass der Zeitrahmen unbedingt eingehalten werden muss oder sich die Waren nicht palettieren lassen.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild: Africa Studio -#01:  th-photo -#02:industrieblick  -#03: nullplus  -#04:Shutter81_

Share.

About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Leave A Reply