Personalakquise: 5 Wege zum passenden Mitarbeiter

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Gute Mitarbeiter sind der Motor für jedes Logistikunternehmen. Die Frage lautet aber: Woher nehmen und nicht stehlen? Eine gute Personalakquise will durchdacht sein, um die Personalbeschaffung effizient und erfolgreich zu gestalten.

Personalakquise unter Fachkräften: Vom Leid einer ganzen Branche

Dass es in Deutschland einen Fachkräftemangel gibt, ist hinlänglich bekannt. Dass er sich aber durch jede Branche zieht, weiß vielleicht noch nicht jeder. Auch die Logistiker beklagen mehr und mehr fehlendes Fachpersonal und die Unternehmensführung hat es immer schwerer, Stellen auf Führungsebene sowie in den unteren Ebenen zu besetzen. Egal, ob die Anwerbung von Auszubildenden oder ob Fachkräfte mit mehrjähriger Berufserfahrung gesucht werden: Die Logistikbranche geht sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch.

Berufskraftfahrer aus dem Ausland drängen auf den deutschen Stellenmarkt, bringen aber oft nur unzureichende Erfahrung oder gar nur eine mangelhafte Ausbildung mit. Industriekaufleute treten als Quereinsteiger auf den Plan und sind über eine Umschulung zum Job gekommen. Das soll nicht falsch verstanden werden, denn so mancher Quereinsteiger ist dank hoher Motivation ein wertvoller Mitarbeiter für das Unternehmen. Doch beim Koordinieren der Fahrten, bei der Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben und in den übrigen Bereichen wie Buchhaltung, Marketing, Controlling etc. sind Fachleute gefragt, die genau wissen, was gefordert und gesetzlich vorgeschrieben ist.

Die Branche hat nicht wenige Bewerber, muss aber bei der Personalbeschaffung damit leben, dass die Qualifikationen der Bewerber immer schlechter werden. Auszubildende, die auf geradem Weg an die Spitze marschieren, sind inzwischen Mangelware. Gleichzeitig fallen jedoch viele erfahrene Angestellte aus, denn angesichts des stetig angehobenen Rentenalters treten gerade bei Kraftfahrern und hier insbesondere bei der Personenbeförderung Probleme auf: Wer mag mit Mitte 60 noch viele Stunden täglich auf der Straße unterwegs sein?

Wer möchte in höherem Alter die Verantwortung für die Fahrgäste übernehmen, wenn gleichzeitig bekannt ist, dass die eigene Reaktionszeit immer länger wird? Auch wenn dies scheinbar verschwindend geringe Probleme sind, so zeigen sie in ihrer Gesamtheit doch die Gefahr, dass die gut ausgebildeten Fachkräfte immer weniger werden. Zudem stellt die Logistikbranche teilweise hohe körperliche Anforderungen, was wiederum von immer mehr jungen Menschen nicht als Inhalt des erstrebten Berufslebens gesehen wird. Junge Auszubildende suchen nicht selten den einfachen Weg.

Die verschiedenen digitalen Plattformen nehmen einen immer höheren Stellenwert im Leben der meisten Menschen ein. Verständlich also, dass auch bei der Personalakquise der Weg über LinkedIn, Xing oder Facebook gegangen wird.

Die verschiedenen digitalen Plattformen nehmen einen immer höheren Stellenwert im Leben der meisten Menschen ein. Verständlich also, dass auch bei der Personalakquise der Weg über LinkedIn, Xing oder Facebook gegangen wird. (#01)

Fünf Wege zu neuen Angestellten: Personalakquise auf hohem Niveau

Die Personalakquise von heute ist ebenfalls verändert und kann mit der Personalbeschaffung von vor einigen Jahren nicht mehr verglichen werden. Längst haben sich andere Wege etabliert, auf denen neue Angestellte gefunden werden können. Von diesen Wegen findet der geneigte Leser im Folgenden fünf Möglichkeiten vorgestellt:

1. Personalakquise über Social Recruiting

Die verschiedenen digitalen Plattformen nehmen einen immer höheren Stellenwert im Leben der meisten Menschen ein. Verständlich also, dass auch bei der Personalakquise der Weg über LinkedIn, Xing oder Facebook gegangen wird. Längst ist es nicht mehr nur so, dass die Unternehmensführung in den sozialen Netzwerken stöbert, um etwas über die Angestellten oder über Bewerber herauszufinden. Heute beinhaltet das Personalmanagement sogar, die künftigen Leistungsträger des Unternehmens über die verschiedenen Plattformen zu finden und anzusprechen.

Es gibt Stellenausschreibungen bei Twitter, Unternehmensvorstellungen per Video über Youtube und Kurzmeldungen zur aktuellen Stellensuche auf Facebook. Wer die Seiten des Unternehmens abonniert hat, wird automatisch mit den neuesten Neuigkeiten versorgt. Die Nutzung derartiger Kanäle hat den Vorteil, dass hier ein einfaches Fragen und Antworten möglich ist, es entsteht ein wechselseitiger Kontakt, durch den schon Stellenkandidaten ein wenig an das Unternehmen gebunden werden. Das Social Media Recruitment gilt inzwischen als einer der wichtigsten Teile der Personalbeschaffung, nur noch übertroffen von Stellenanzeigen im Internet und der eigenen Karriereseite des Unternehmens.

Für Unternehmen ist dabei nicht unwichtig, dass es sich um eine äußerst wirtschaftliche Art und Weise der Personalakquise handelt, denn die investierten Kosten sind vergleichsweise gering. Es braucht nur jemanden, der sich von der Seite der Personalverwaltung mit der Pflege der sozialen Netzwerkseiten befasst und das Beantworten von Fragen übernimmt. Das Finden gut ausgebildeter Fachkräfte gestaltet sich auf diese Weise um einiges effektiver als auf anderen Wegen.

Ebenfalls wichtig: Das Social Recruiting gehört zum immer wichtiger werdenden Employer Branding, bei dem sich der Arbeitgeber als zuverlässige und vertrauenswürdige Marke präsentiert. Menschen sollen gern in einem Unternehmen arbeiten wollen, in dem sich scheinbar alles um die Belange der Angestellten dreht und diese gleichwertig behandelt werden. Über die sozialen Netzwerke wird das Employer Branding betrieben und geht damit Hand in Hand mit dem Social Recruiting.

Wenn nicht mehr geht, könnte eine Zeitarbeitsfirma aushelfen

Wenn nicht mehr geht, könnte eine Zeitarbeitsfirma aushelfen. (#02)

2. Akquise über Personalleasing

Das Personalleasing stellt eine besondere Möglichkeit der Personalakquise für Logistiker dar. Gesucht werden sogenannte Fremdarbeiter, Leiharbeiter oder Arbeitnehmer, die im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung für das Unternehmen tätig werden. Die Überlassung ist dabei nur zeitweise zu sehen und soll lediglich dabei helfen, Auftragsspitzen abzufangen. Entsteht einem Unternehmen zum Beispiel durch unvorhergesehene Aufträge ein Mehraufwand, der nicht mit dem vorhandenen Personal abgedeckt werden kann, ist die zeitweise Überlassung von Mitarbeitern eine Lösung.

Infrage kommt dieser Weg der Personalakquise unter anderem bei saisonalen Schwankungen in der Kapazität oder bei personalpolitischen Engpässen. Wenn beispielsweise Angestellter xy plötzlich erkrankt, sein Vertreter aber in Elternzeit ist, ist guter Rat teuer. Um die anfallenden Arbeiten nicht auf alle anderen Angestellten verteilen zu müssen, braucht es einen Leiharbeiter, der die Arbeiten übernimmt. Dies hat den Vorteil, dass die übrigen Angestellten weiterhin ihrer Arbeit nachgehen können und dass sie dennoch nicht Gefahr laufen, völlig überlastet zu werden.

Für das Personalleasing wird ein Vertrag zwischen Verleiher und Entleiher geschlossen, Letzterer muss sich vorher aber einigen Überprüfungen unterziehen. Er muss beispielsweise die betriebliche Organisation in einer Art nachweisen können, die vermuten lässt, dass er seinen ordnungsgemäßen Arbeitgeberpflichten (gültig ist wie immer das Arbeitsrecht) nachkommen kann. Es müssen Sozialbeiträge ebenso gezahlt werden wie die gesetzliche Unfallversicherung abzuschließen ist.

Im Grund besteht ein vollwertiges Arbeitsverhältnis mit allen Pflichten für den Arbeitgeber, der zugrunde liegende Vertrag wurde aber mit der Entleihfirma geschlossen. Gerade in der Logistikbranche kann diese Variante hilfreich sein, denn sie bietet sich auch als kurzfristige Lösung an. Außerdem bringen die Leiharbeiter oft vielfältige Kenntnisse aus unterschiedlichen Unternehmen mit und bringen den sprichwörtlich frischen Wind in die Firma.

Mithilfe der Arbeitsagenturen lassen sich Angestellte finden, die ohne große Personalwerbung entdeckt werden können.

Mithilfe der Arbeitsagenturen lassen sich Angestellte finden, die ohne große Personalwerbung entdeckt werden können. (#03)

3. Personalakquise über die Personalvermittlung

Mithilfe der Arbeitsagenturen lassen sich Angestellte finden, die ohne große Personalwerbung entdeckt werden können. Freie Stellen werden der Arbeitsagentur gemeldet, diese wiederum schickt potenzielle Neumitarbeiter auf Probe ins Unternehmen. Die Arbeitsagenturen stellen für die Unternehmen eine kostenfreie Möglichkeit dar, qualifizierte Angestellte zu finden, wobei der Vermittler dabei auch beratend zur Seite stehen kann.

Unternehmen profitieren von dieser Art der Arbeitsvermittlung, denn sie können direkt selbst nach geeigneten Bewerbern suchen oder warten auf Vorschläge vom Vermittler. Außerdem kann die Arbeitsvermittlung sehr zeitsparend sein, wenn nämlich alle nötigen Tätigkeiten in die Hände der Vermittler gelegt werden. Gleichzeitig ist es sogar möglich, dass aktuelle Erkenntnisse aus Analysen der Arbeitsmarktlage an den Unternehmer weitergegeben werden, was wiederum für das eigene Personalmanagement von Bedeutung sein kann.

4. Personalakquise über die Abwerbung von Mitarbeitern

Für viele Unternehmen ist es hilfreich, einen Angestellten aus einer anderen Firma zu kennen und diesen abzuwerben. Das ist vor allem in der Führungs- und Leitungsebene häufiger der Fall und die Loyalität vieler Bereichsleiter gilt dem Unternehmer, der das beste Gehalt zahlt. Dies mag für das vorherige Unternehmen zwar traurig sein, doch der jetzige Chef kann dank der Abwerbung an qualifizierte Angestellte und Führungskräfte kommen, die Erfahrung aus anderen Firmen und Bereichen mitbringen und damit in der Lage sind, dem neuen Arbeitgeber eine wertvolle Unterstützung zu sein. Das Abwerben ist auch erlaubt, jedoch kann es unter bestimmten Bedingungen gegen das Arbeitsrecht sein. Hier gilt das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, außerdem ist das BGB maßgeblich.

Dementsprechend können derartige Wege zum passenden Mitarbeiter als unredlich bezeichnet werden, wenn sie einem verwerflichen Zweck dienen und es zum Beispiel um die Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen geht. Hat der Abgeworbenen solche etwa als private Aufzeichnung gespeichert und gibt sie nun an seinen neuen Arbeitgeber weiter, ist dies als unredlich zu sehen. Außerdem ist die Abwerbung nicht rechtens, wenn es dabei darum geht, dem Konkurrenzunternehmen bewusst zu schaden und es beispielsweise in seinem Geschäftsbetrieb negativ zu beeinflussen. Wird der Abgeworbene zum nachträglichen Verstoß gegen das Wettbewerbsgesetz verleitet oder erfolgt die Kontaktaufnahme wiederholt über das Geschäftstelefon des anderen Unternehmens, ist von einer unerlaubten Methode die Rede.

Fazit: Die Personalwerbung bzw. das Abwerben ist zwar gemäß dem Arbeitsrecht möglich und erlaubt, muss sich aber in festen Grenzen bewegen.

Neben den genannten Möglichkeiten zur Personalakquise, die in den Bereich der externen Mitarbeiterfindung fallen, gibt es noch interne Möglichkeiten, um das geeignete Personal zu finden und offene Stellen zu besetzen.

Neben den genannten Möglichkeiten zur Personalakquise, die in den Bereich der externen Mitarbeiterfindung fallen, gibt es noch interne Möglichkeiten, um das geeignete Personal zu finden und offene Stellen zu besetzen. (#04)

5. Personalakquise in den eigenen Reihen

Neben den genannten Möglichkeiten zur Personalakquise, die in den Bereich der externen Mitarbeiterfindung fallen, gibt es noch interne Möglichkeiten, um das geeignete Personal zu finden und offene Stellen zu besetzen. Der Angestellte wird damit aus den eigenen Reihen rekrutiert und durch Weiterbildungsangebote und Coaching für die anfallenden Arbeiten qualifiziert. Möglich ist das über eine interne Stellenausschreibung oder über eine Versetzung. Außerdem können bestehende befristete Arbeitsverträge in unbefristete Verträge umgewandelt werden. Sieht die zu besetzende Stelle vor, dass hier nur in Vollzeit gearbeitet werden kann, können auch Angestellte mit Teilzeitverträgen eine Vertragsumwandlung erfahren.

Die Vorteile dieser Vorgehensweise sind vielfältig und liegen nahezu auf der Hand. Denn: Der neue Angestellte ist nicht wirklich neu, sondern in Bezug auf seine fachlichen und menschlichen Kompetenzen durchaus gut bekannt. Er selbst wiederum kennt die gesamte Struktur im Unternehmen, dessen Abteilungen und Abläufe, ist rundum mit allen Arbeiten vertraut. Inzwischen aufgebaute Netzwerke können auch weiterhin genutzt werden.

Die Beschaffung des Personals auf diesem Weg gilt als besonders leicht und günstig, denn es sind kaum Kosten damit verbunden: Es müssen weder Stellenausschreibungen angefertigt werden noch fallen zusätzliche Kosten für Headhunter oder Stellenvermittler an. Dem Angestellten wiederum wird damit seitens des Unternehmens eine tolle Entwicklungsmöglichkeit geboten, was wiederum im Sinne des Employer Brandings eine hilfreiche Maßnahme zur Sicherung des eigenen Images ist.

Die Nachwuchskräfte aus der eigenen Firma werden zu Führungskräften „herangezogen“, müssen nicht eingearbeitet oder mit den speziellen Strukturen vertraut gemacht werden. Sie sind direkt belastbar und bekommen lediglich zu gewohnten Aufgaben neue Tätigkeiten dazu. Nachteilig ist allerdings, dass auch keine neuen Ideen und frischen Gedanken ins Unternehmen kommen, außerdem kann eine interne Personalbeschaffung für Spannungen unter den Mitarbeitern sorgen. Gleichzeitig muss sich das Personalmanagement darum bemühen, die durch das Versetzen eines Mitarbeiters frei gewordene Stelle neu zu besetzen, was wiederum neue Notwendigkeiten der Personalakquise hervorrufen kann.

Bei all diesen Möglichkeiten der Personalakquise bestehen sowohl Vor- als auch Nachteile und die meisten Logistikunternehmen verfolgen in der Regel nicht nur einen Weg, sondern beschreiten immer wieder neue Arten der Personalfindung. Gerade aber beim Besetzen von Führungsstellen kommt es für viele Unternehmen darauf an, eher extern zu suchen, um auf neue Ideen und kreative Vorschläge zu stoßen, die die eigene Firma voranbringen können.

Trotz intensiver Nutzung verschiedener Social Media Kanäle bleibt damit der klassische Weg des Personalrecruitings nicht verschlossen und viele Unternehmen setzen auf die gleichzeitige Veröffentlichung der klassischen Stellenanzeige und der Darstellung der Suche bei Facebook oder Twitter. Allerdings ist dies auch davon abhängig, ob die Stellensuche überhaupt öffentlich dargestellt werden soll oder ob es nicht darum geht, die Führungsebene vor der Konkurrenz verborgen auszutauschen.


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About Author

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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