Mercedes Future Car: Futuristische Konzepte für den Personen- und den Gütertransport

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Der Mercedes Future Car stellt ein Konzeptfahrzeug dar, das die neuesten technischen Entwicklungen sowie die Ideen und Konzeptionen des Daimler-Konzerns für den Verkehr der Zukunft vorstellt. Dabei handelt es sich nicht um ein Serienfahrzeug, das bereits zum Verkauf steht.

Mercedes Future Car: Modernste Technik und neuartiges Verkehrskonzept

In der Regel gibt es hierfür nicht einmal konkrete Pläne. Das futuristische Fortbewegungsmittel bietet jedoch einen sehr interessanten Einblick in den Stand der technischen Entwicklungen. Viele der darin verwendeten Technologien werden wahrscheinlich in einigen Jahren bereits auf den Straßen in Deutschland zu sehen sein.

Um genau zu sein, gibt es nicht einen einzigen Mercedes Future Car. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren immer wieder futuristische Modellstudien vorgestellt. Diese sollen hier ebenfalls kurz vorgestellt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei jedoch auf dem aktuellen Modell für den Mercedes Future Car.

Da bewegte Bilder den Mercedes Future Car besonder anschaulich vorstellen, ein Video zum Vision Urbanetic. Dieses zeigt, wie sich das futuristische Fahrzeug im Praxistest geschlagen hat und erklärt viele Details der verwendeten Technik:

Video: Mercedes F 015 – Erste Fahrt im Benz der Zukunft

Die bisherigen autonomen Konzeptfahrzeuge von Mercedes

Ein Projekt von Daimler, das vor einigen Jahren für viel Aufmerksamkeit sorgte, war der Future Truck 2025. Diesen präsentierte das Unternehmen 2014. Er ist mit einem teilautonomen System ausgestattet, das das Fahrzeug während großer Teile der Fahrt selbstständig steuert.

Dennoch muss hierbei nach wie vor ein Fahrer anwesend sein. Dieser kann während der größten Teile der Fahrt jedoch andere Aufgaben erledigen, sodass es möglich ist, die Arbeitszeit sehr effizient zu nutzen.

Im darauffolgenden Jahr präsentierte Mercedes einen Future Car, bei dem die autonomen Systeme bereits deutlich ausgereifter waren. Der F 015 kann bereits die komplette Wegstrecke selbstständig zurücklegen. Er ist dennoch mit einem Lenkrad und mit Pedalen ausgestattet.

Diese kommen jedoch nur zum Einsatz, wenn die Insassen der autonomen Technik noch nicht voll vertrauen oder wenn sie den Fahrspaß genießen möchten, den dieses leistungsstarke Auto mit sich bringt.

Hierbei handelt es sich zwar um einen Wagen, der ausschließlich für die Personenbeförderung vorgesehen ist. Dennoch könnte die darin verwendete Technik auch für Transportfahrzeuge zum Einsatz kommen.

Während der F 015 für Logistikbetriebe nur von geringer Bedeutung ist, könnte der Future Truck 2025 viele neue Möglichkeiten für einen effizienten Gütertransport bieten. Im Gegensatz zu den übrigen Konzeptfahrzeugen ist hierbei auch die Serienproduktion bereits in Planung.

Das bedeutet, dass es wahrscheinlich in einigen Jahren möglich sein wird, dieses futuristische Fahrzeug zu nutzen. Um weitere Details zum Future Truck 2025 zu erfahren, soll hierzu noch ein Video vorgestellt werden:

Autonomes Fahren im LKW – Mercedes-Benz Future Truck 2025

Vision Urbanetic: Der neueste Future Car

Der neueste Future Car von Mercedes trägt den Namen Vision Urbanetic. Diesen stellte Daimler 2018 vor. Wie der Name bereits vermuten lässt, ist dieses Auto in erster Linie für den Einsatz innerhalb der Stadt vorgesehen.

Mercedes präsentiert dabei nicht nur eine futuristische Technik:
Das Fahrzeug ist vollkommen autonom und mit einem Elektroantrieb ausgestattet.

Darüber hinaus steht es für ein neuartiges Verkehrskonzept. Dieses rückt vom bisherigen Individualverkehr ab. Stattdessen sollen die Anwender den Future Car gemeinsam nutzen. Der Komfort bei der Beförderung soll dabei jedoch genauso hoch sein wie bei der Verwendung des eigenen Autos.

Der Vision Urbanetic entspricht in seinen Abmessungen etwa dem Sprinter. Genau wie dieser ist er in zwei verschiedenen Ausführungen erhältlich:

  • als Lieferwagen und
  • als Kleinbus für die Personenbeförderung.

Allerdings ist es hierbei nicht notwendig, zwei verschiedene Fahrzeuge zu kaufen. Der Vision Urbanetic verwendet innovative Wechselaufbauten. Das komplette Antriebs- und Steuerungssystem ist in das sogenannte Skateboard integriert.

Darauf lassen sich Aufsätze für den Personen- und für den Gütertransport anbringen. Selbstverständlich fallen auch für diese Aufsätze zusätzliche Kosten an. Diese sind jedoch deutlich geringer als beim Erwerb eines kompletten Fahrzeugs. Daher kann es wirtschaftlich sein, den Vision Urbanetic je nach Bedarf für verschiedene Einsatzzwecke zu verwenden und entsprechend umzurüsten.

Bildunterschrift: Praktische Wechselaufbauten: ein besonderes Merkmal des Vision Urbanetic

Praktische Wechselaufbauten: ein besonderes Merkmal des Vision Urbanetic
(World Premiere Vision URBANETIC, Copenhagen 2018)

Der Vision Urbanetic ist ein Vorschlag von Mercedes, um die drängenden Probleme des Stadtverkehrs zu lösen. Hierbei sind insbesondere die hohe Luftverschmutzung und die ständig verstopften Straßen zu nennen. Der Future Car erzeugt an seinem Einsatzort keinerlei Emissionen und soll durch die geteilte Nutzung das Verkehrsaufkommen reduzieren.

Elektroantrieb: Fortbewegung ohne Emissionen

Eines der zentralen Probleme des Individualverkehrs besteht im hohen Kraftstoffverbrauch. Die folgende Tabelle zeigt zwar, dass in den letzten Jahrzehnten der durchschnittliche Verbrauch deutlich zurückgegangen ist. Da im gleichen Zeitraum jedoch das Verkehrsaufkommen gestiegen ist, hat sich der Gesamtverbrauch sogar leicht erhöht.

Durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch für Pkw und Kombi (in l/100km)
1995 8,8
2000 8,3
2005 7,8
2010 7,5
2015 7,3
2016 7,2
2017 7,4

Quelle

Der Elektroantrieb kann in diesem Bereich erhebliche Verbesserungen mit sich bringen. Insbesondere für den Stadtverkehr ist es von großer Bedeutung, dass das Fahrzeug hier keine Emissionen freisetzt. Das kann die Werte für Feinstaub und Stickoxide deutlich reduzieren. Außerdem ist es möglich, Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu verwenden. Das erlaubt es, das Fahrzeug ausgesprochen umweltfreundlich zu betreiben.

Autonomes Fahren: So senken Self Driving Cars die Transportkosten

Im Bereich der selbstfahrenden Autos beherrschen Google Self Driving Cars und andere Projekte aus den USA die Schlagzeilen. Doch auch Mercedes nimmt hierbei eine Führungsrolle ein. Der Future Car fährt vollkommen autonom und verfügt nicht einmal über ein Lenkrad. Im Rahmen der CES 2019 war er sogar auf öffentlichen Straßen unterwegs. Das zeigt deutlich, dass Daimler bei der Entwicklung dieser Technologie bereits sehr weit fortgeschritten ist.

Diese Technik ist insbesondere für Betriebe aus der Logistik-Branche sehr interessant. Diese könnten durch autonomes Fahren die Transportkosten deutlich reduzieren. Bislang ist der Fahrer für einen erheblichen Teil der Ausgaben verantwortlich. Die Verwendung selbstfahrender Lkws und Lieferwagen bietet daher ein enormes Einsparpotenzial.

Mercedes Future Car: Von den Vorteilen der Vernetzung profitieren

Der Future Car von Mercedes ist mit Cellular V2X Communication ausgestattet. Das bedeutet, dass er gut vernetzt ist und mit vielen anderen Objekten in der Umgebung kommunizieren kann. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Car2Car Kommunikation. Wenn die einzelnen Fahrzeuge untereinander Daten über ihre Bewegungsrichtung und über die aktuelle Geschwindigkeit austauschen, ist es möglich, genau zu berechnen, ob sich die Wege gefährlich kreuzen werden. Das macht die Fahrt nicht nur sicherer.

Darüber hinaus lassen sich unnötige Bremsvorgänge vermeiden. Das führt zu einer effizienteren Nutzung der Verkehrswege. V2V kann außerdem dabei helfen, Staus zu vermeiden. Indem der Future Car auf Bremsvorgänge von Fahrzeugen reagieren kann, die sich sogar noch außer Sichtweite befinden, kann er die Geschwindigkeit deutlich gleichmäßiger gestalten. Das reduziert das Risiko für Staus.

Embedded Security: Hackerangriffe vermeiden

Die Vernetzung der Fahrzeuge bringt zwar enorme Vorteile mit sich. Allerdings entstehen auf diese Weise auch einige neue Risiken. Ein Can Bus Hacking würde es beispielsweise möglich machen, die Kontrolle über das Auto zu erlangen. Das bietet zahlreiche Möglichkeiten für Erpressungsversuche.

Aus diesem Grund ist der Future Car mit zahlreichen Schutzvorrichtungen für die E/E-Architektur ausgestattet. Diese können die entsprechenden Angriffe abwehren und sorgen dadurch für eine hohe Embedded Security. Die Ingenieure orientieren sich dabei an internationalen Standards wie beispielsweise SAE J3061.

Ride Hailing und Autosharing: neue Konzepte für den Verkehr der Zukunft

Der Mercedes Future Car sorgt nicht nur durch seine innovative Technik für viel Aufsehen. Auch das Verkehrskonzept, das hinter diesem Fahrzeug steht, ist sehr interessant. Autonome Fahrzeuge bieten sich hervorragend für das Ride Hailing an. Das kann man sich wie einen herkömmlichen Taxidienst vorstellen, allerdings ohne Fahrer.

Dadurch wird der Service deutlich preiswerter und könnte eine interessante Alternative zum Unterhalt eines eigenen Autos darstellen. Mercedes geht dabei jedoch noch einen Schritt weiter. Der Future Car ist für Rideshare konzipiert. Das bedeutet, dass mehrere Fahrgäste das Fortbewegungsmittel gemeinsam verwenden. Daher ist das Modul für die Personenbeförderung sehr geräumig und bietet Platz für bis zu zwölf Fahrgäste.

Der geräumige Innenraum bietet Platz für bis zu 12 Personen.

Mercedes-Benz Vision URBANETIC on the Las Vegas Strip: Der geräumige Innenraum bietet Platz für bis zu 12 Personen.

Im Gegensatz zum öffentlichen Nahverkehr sollen die Anwender dabei jedoch ihre Start- und Zielpunkte individuell vorgeben können. Das System berechnet daraufhin eine Route, um alle Punkte möglichst effizient anzufahren. Das macht es möglich, das Verkehrsaufkommen zu senken, ohne dass dabei Einbußen beim Komfort entstehen.

Interessante Anregungen für den Gütertransport

Für Logistiker ist jedoch der Gütertransport von besonderer Bedeutung. Auch in diesem Bereich bietet der Future Car viele neue Ansätze. Das Cargo-Modul bietet Raum für bis zu 10 EPAL-Paletten. Die enorme Kapazität ist möglich, da hierbei kein Platz für den Fahrer vorgesehen ist. Da der Vision Urbanetic autonom unterwegs ist, kann er daher besonders viele Güter aufnehmen.

Auch beim Gütertransport bleiben häufig große Teile der Transportkapazität frei. Wenn beispielsweise ein Unternehmen für die Just-in-Time-Produktion genau die benötigte Menge an Bauteilen liefern muss, führt das dazu, dass der Lieferwagen häufig nicht vollständig gefüllt ist. Hinzu kommt die steigende Zahl der Paketsendungen. Durch den zunehmenden Online-Handel erhalten immer mehr Menschen ihre Warenlieferungen bis an die Haustüre. Das ist aus der folgenden Tabelle abzulesen. Auch hieraus ergibt sich ein enormer logistischer Aufwand.

Zahl der Paket-, Express- und Kuriersendungen (in Mio.)
2005 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Paket-Sendungen 1.520 1.890 2.010 2.090 2.190 2.300 2.450 2.640
Express- und Kuriersendungen 430 440 460 470 470 480 500 520
Gesamt 1.950 2.330 2.470 2.560 2.660 2.780 2.950 3.160

Quelle

Der Future Car von Mercedes könnte auch in diesem Bereich für eine effizientere Auslastung sorgen. Analog zum vorgestellten Modell für die Personenbeförderung wäre es auch für den Gütertransport möglich, das Fahrzeug mit mehreren Anwendern zu teilen. Wenn ein Transport notwendig wird, kann der Nutzer den Vision Urbanetic einfach per App anfordern. Daraufhin kann er den benötigten Bereich beladen.

Die übrigen Teile des Laderaums belegen andere Auftraggeber. Das Fahrzeug fährt dann die individuellen Ziele autonom an. Dort ermöglicht es dem Empfänger den Zugang zu den entsprechenden Waren, damit dieser sie entladen kann. Dieses System kann die Güterbeförderung insbesondere bei kleinen Transportmengen deutlich effizienter gestalten.

Mercedes Future Car: Welche Entwicklungen werden im Alltag zu sehen sein?

Der Mercedes Future Car stellt viele interessante technische Entwicklungen vor. Allerdings sind bislang keine konkreten Pläne für eine Serienproduktion bekannt. Daher ist es fraglich, ob dieses Auto jemals auf den Straßen in Deutschland zu sehen sein wird. Doch selbst wenn die Modellstudie nicht in die Praxis umgesetzt wird, kann sie den Verkehr der Zukunft prägen. Der Elektroantrieb setzt sich beispielsweise bereits immer stärker durch. Auch vollkommen autonome Fahrzeuge stehen kurz vor dem Durchbruch.

Das Verkehrskonzept, das hinter dem Vision Urbanetic steht, könnte den Verkehr in einigen Jahrzehnten ebenfalls prägen. Die Probleme, die der bisherige Individualverkehr mit sich bringt, sind zu schwerwiegend, als dass sie auf Dauer tragbar wären. Für Logistikbetriebe ist es daher wichtig, diese Entwicklungen genau zu verfolgen und sich rechtzeitig darauf vorzubereiten.

 


Bildnachweis:© Bilder- Daimler AG

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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