MAN übergibt LKW an DB Schenker: Platooning im Praxis-Test auf der Strasse

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Kolonnenfahrten sind auf Deutschlands Fernstrassen ein gewohntes Bild. Die großen Lkws fahren hintereinander, sodass einer im Windschatten des anderen Sprit sparen kann. Logistikexperten arbeiten seit einiger Zeit daran, daraus aus ein durch die entsprechende Technik wie Assistenzsysteme und Abstandswarner unterstütztes Verfahren zu machen.

Nun hat Anfang Februar der Nutzfahrzeughersteller MAN die ersten Versuchsfahrzeuge für die praktische Erprobung dieses so genannten ‚Platooning‘ an das Logistikunternehmen DB Schenker übergeben. Diese Lkw werden nun über mehrere Monate im realen Straßenverkehr auf der A9 zwischen München und Nürnberg getestet. Außerdem werden Wissenschaftler der Hochschule Fresenius untersuchen, welche Auswirkungen der Platooning-Betrieb auf die Lkw-Fahrer hat.

MAN Trucks & Bus AG forscht schon länger an Platooning-Lösungen

MAN hat sich bereits in früheren Projekten mit dem Platooning beschäftigt. „Dass Platooning technisch funktioniert, haben wir in verschiedenen Vorgängerprojekten wie 2016 in der European Truck Platooning Challenge bereits bewiesen. Die Anpassung dieser Technologie an die realen Alltagsbedingungen der Logistik ist die Herausforderung, die wir jetzt angehen“, sagte Dr. Frederik Zohm. Vorstand Forschung und Entwicklung der MAN Truck & Bus AG, bei der Übergabe der Fahrzeuge an DB Schenker.

Platooning steht für ein Fahrzeugsystem, bei dem mindestens zwei Fahrzeuge auf der Autobahn durch Fahrassistenz- und Steuersysteme miteinander verbunden sind. Diese so genannte elektronische Deichsel sorgt dafür, dass sie in geringem Abstand hintereinander fahren können. Dabei gibt das Führungsfahrzeug Geschwindigkeit und Richtung vor. Weil die Fahrzeuge elektronisch miteinander verbunden sind, ist das Risiko von Auffahrunfällen eher gering. Zudem kann durch Platooning die gesamte Fahrzeug-Formation Treibstoff einsparen.

MAN_Platooning_Grafik_

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MAN, DB Schenker und Hochschule Fresenius kooperieren

Die drei Projektpartner MAN, DB Schenker und die Hochschule Fresenius hatten diese Kooperation bereits im Mai 2017 vereinbart. Nach der Übergabe der Fahrzeuge beginnen nun die Vorbereitungen für die Tests im Straßenverkehr. Während dieser Tests werden die Lkws zum ersten Mal von regulären Berufskraftfahrern gesteuert, nicht von Werkstestern. Sie werden zunächst in die Technik der Fahrzeuge eingewiesen. Außerdem sorgen die Projektverantwortlichen für die Einbindung der Test-Lkw in die Logistik-Abläufe bei DB Schenker.

Eine wichtige Komponente der Testkampagne ist dabei die wissenschaftliche Begleitung durch die Hochschule Fresenius. Deren Wissenschaftler interessieren sich für die Mensch-Maschine-Schnittstelle und die Erfahrungen der Kraftfahrer mit der neuen Technik. „Wir möchten herausfinden, welche Auswirkungen die neue Technologie auf die Fahrer hat.

Die Schwerpunkte der Studie liegen auf der neurophysiologischen und psychosozialen Ebene“, erläutert Prof. Dr. Christian T. Haas, Leiter des Instituts für komplexe Gesundheitsforschung an der Hochschule Fresenius. „Die Resultate der Untersuchung an der Mensch-Maschine-Schnittstelle sollen unmittelbar zurück in die Technologieentwicklung fließen.“ Daneben sieht Haas auch Erkenntnisgewinne über die weitere Digitalisierung von Arbeitsbedingungen, die weitere Forschungen anregen könnten.

Linienverkehr zwischen den DB-Schenker-Zentren Nürnberg und München

Einzelne Fahrten der Platoons werden auf der Teststrecke werden im April beginnen. Während dieser ersten Testphase haben die Lkw allerdings keine Ladung an Bord. Zudem werden die Fahrer währenddessen auch im Simulator geschult. Auf diese erste Test- und Schulungsphase folgen dann erst wöchentliche, dann tägliche Platoon-Fahrten. Die nächste Stufe sind dann Linienfahrten mit regulärer Ladung, die bis zu dreimal täglich die DB-Schenker-Logistikzentren in München und Nürnberg miteinander verbinden werden.


Bildnachweis:©Titelbild: MAN_Platooning_

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