Lieferkette: Kontrolle, Steuerung & Nachhaltigkeit

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Die effiziente und nachhaltige Steuerung und Kontrolle der Lieferkette ist Gegenstand des Supply Chain Management.

Integrierte Lieferkette: Herausforderung für das Supply Chain Management

Lieferketten gestalten sich durch die Integration verschiedener Organisationen immer umfangreicher, sodass dem Supply Chain Management eine wachsende Bedeutung zukommt.

Wie wird die Lieferkette effizient kontrolliert und gesteuert?

Die Steuerung und Kontrolle der Lieferkette (Supply Chain) erfolgt durch das Supply Chain Management (SCM). Das SCM umfasst die Gesamtheit der Instrumente und Methoden, mit denen die Logistikkette optimiert wird. Gelingt die Integration über alle Stufen des Wertschöpfungsprozesses, wird die Lieferkette von der Rohstoffgewinnung bis zur Auslieferung des fertigen Produktes an den Endverbraucher betrachtet.

Eine derartig umfassende Integration stellt das angestrebte Optimum einer digitalen Vernetzung sämtlicher Stufen des Wertschöpfungsprozesses dar. Durch die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit sollen Synergien genutzt und Kosten gesenkt werden. Hinzu kommt die steigende Bedeutung der Nachhaltigkeit, die ebenfalls bei der Betrachtung einer Steuerung und Kontrolle der Lieferkette in die Überlegungen einbezogen werden muss.

Ein steigender Wettbewerbsdruck, dynamische Märkte und eine zunehmende Globalisierung erfordern die flexible und kosteneffiziente Ausgestaltung der Wertschöpfungskette. Um eine Steuerung und Kontrolle zu realisieren, muss innerhalb der Lieferkette ein hohes Maß an Transparenz erzeugt werden.

Video: Was versteht man unter Supply Chain Management?

Womit beschäftigt sich das Supply Chain Management?

Die Lieferkette eines Unternehmens ist ein Netzwerk, dass aus den verschiedenen Organisationen besteht, die zusammen das Endprodukt für den Verbraucher erstellen. Die Verbindungen der im Netzwerk involvierten Organisationen bestehen in Form von Geld-, Material- aber auch Informationsflüssen. Eine zunehmende Verknüpfung über Informationsflüsse ist Ausdruck der wachsenden Digitalisierung und datengestützten Unternehmensführung. Auch die Lieferkette wird datengestützt gesteuert und kontrolliert, denn nur mit den modernen Möglichkeiten der Digitalisierung ist eine derart hoher Grad an Integration überhaupt möglich.

Mittlerweile verfügen 80 Prozent aller Unternehmen bereits über vernetzte Lieferketten. Die Unternehmen bemühen sich, die nötige Datenbasis zu beschaffen, um neben einer Sendungsverfolgung auch präzise Prognosen im Sinne von Predictive Analytics zu erstellen. In diesem Zusammenhang wird von der Connected Supply Chain gesprochen, die mit dem Ziel einer möglichst starken Kostensenkung verbunden ist.

Das Supply Chain Management umfasst folgende Teilbereiche:

  • Supply Chain Controlling
  • Supply Chain Performance Measurement
  • Supply Chain Event Management

Des Weiteren wird im Rahmen des Supplier Relationship Management der Aufbau und die Pflege der Beziehungen zu externen Lieferanten optimiert.

Ziele des Supply Chain Management: Steuerung und Kontrolle der Lieferkette

Mit dem Supply Chain Management werden wichtige Ziele verfolgt, von deren Erreichen der Erfolg des Unternehmens ganz entscheidend abhängt:

  • optimales Erfüllen der Kundenanforderungen
  • Steigerung der Wirtschaftlichkeit aller integrierten Wertschöpfungsprozesse
  • Verbesserung des Kundenservice
  • Verkürzung der Produktentwicklungszyklen
  • Verkürzung der Auftragsdurchlaufzeiten
  • Reduzierung von Beständen entlang der Lieferkette
  • Steigerung der Flexibilität durch perfekte Integration
  • Nutzung von Synergieeffekten
  • Identifikation neuer Marktchancen
Das Controlling eines Unternehmens bezieht sich traditionell auf die internen Unternehmensbereiche. Beim Supply Chain Controlling wird die Perspektive entscheidend erweitert und bezieht die gesamte Lieferkette sowie deren Steuerung und Kontrolle mit ein. (#01)

Das Controlling eines Unternehmens bezieht sich traditionell auf die internen Unternehmensbereiche. Beim Supply Chain Controlling wird die Perspektive entscheidend erweitert und bezieht die gesamte Lieferkette sowie deren Steuerung und Kontrolle mit ein. (#01)

Supply Chain Controlling

Das Controlling eines Unternehmens bezieht sich traditionell auf die internen Unternehmensbereiche. Beim Supply Chain Controlling wird die Perspektive entscheidend erweitert und bezieht die gesamte Lieferkette sowie deren Steuerung und Kontrolle mit ein. Es wird also nicht allein das eigene Unternehmen, sondern das gesamte Netzwerk betrachtet, was den Gegenstandsbereich erheblich erweitert und die Komplexität steigert. Zudem wird der Aspekt der Nachhaltigkeit immer wichtiger und muss somit bei der gesamten Betrachtung berücksichtigt werden.

Die Aufgaben der Steuerung und Kontrolle müssen also über die gesamte Lieferkette hinweg durchgeführt werden. Es ist deswegen erforderlich, dass dem Controlling von allen beteiligten Organisationen einheitliche Kennzahlen zur Verfügung gestellt werden.

Für die Steuerung und Kontrolle der Lieferkette können folgende Instrumente genutzt werden:

  • Balanced Score Card
  • Methoden eines Beziehungs-Controlling
  • unternehmensübergreifende Prozesskostenrechnungen
  • selektive Kennzahlen

Supply Chain Performance Measurement

Dieser Teilbereich des Supply Change Management umfasst die Ermittlung von Kenngrößen zur Beurteilung der Effizienz der Lieferkette. Die Kenngrößen werden meist in einer Balanced Scorecard, die um Perspektiven der Logistik erweitert wurde, zusammengefasst. Der Vergleich der ermittelten Kenngrößen mit Soll-Werten oder mit Werten der Vergangenheit kann dazu führen, Kostensenkungspotentiale zu identifizieren und Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.

Supply Chain Event Management

Mit dem Supply Chain Event Management soll erreicht werden, auf der operativen Ebene eine Steuerung vorzunehmen, die sich am Kunden und an Zeitvorteilen orientiert. In diesem Bereich übernehmen innovative IT-Systeme die Kontrolle der Lieferkette. Auf Basis der generierten Daten werden den Entscheidungsträgern Statusmeldungen und Handlungsempfehlungen übermittelt, mit denen die Produktivität der Lieferkette gesteigert werden kann. Letztlich soll die Flexibilität des gesamten Logistikprozesses erhöht und eine verbesserte Reaktionsfähigkeit erreicht werden.

Hindernis auf dem Weg zur Erreichung dieser Ziele ist das Fehlen standardisierter Prozesse und Funktionen bei allen beteiligten Unternehmen und die mangelnde Bereitschaft, alle nötigen Informationen umgehend dem System zur Verfügung zu stellen. Eine weitergehende Integration wird wahrscheinlich mit zunehmender Digitalisierung erreicht oder zumindest erleichtert werden.

Mit dem Supply Chain Event Management soll erreicht werden, auf der operativen Ebene eine Steuerung vorzunehmen, die sich am Kunden und an Zeitvorteilen orientiert. (#02)

Mit dem Supply Chain Event Management soll erreicht werden, auf der operativen Ebene eine Steuerung vorzunehmen, die sich am Kunden und an Zeitvorteilen orientiert. (#02)

Supplier Relationship Management

Im Rahmen des Supplier Relationship Management soll der gesamte Beschaffungsprozess optimiert und integriert werden. Ziel ist eine Verbesserung der Einkaufsseite der Lieferkette. Dafür wird ein zentrales Vertrags- sowie Stammdatenmanagement implementiert. Darüber hinaus werden Einsparpotentiale durch eine kollaborative Beschaffungsplanung zusammen mit den anderen am Netzwerk beteiligten Unternehmen realisiert.

Gelingt die Integration, wird es möglich, gemeinsam Technologien zu nutzen, um die Produktentwicklung, den Einkauf sowie die Abwicklung von Kundenaufträgen im gesamten Netzwerk zu optimieren. Ziel ist letztlich, die Zeitspanne bis zur Markteinführung eines Produkts zu minimieren und somit Zeit- und Wettbewerbsvorteile im Vergleich zur Konkurrenz zu realisieren.

Erfolgsfaktor Supply Chain Management

Die gesamte Lieferkette von der Rohstoffgewinnung bis zur Auslieferung des Endprodukts zu optimieren, birgt große Potentiale. Dafür ist jedoch ein generelles Umdenken erforderlich. Es ist nicht mehr ausreichend, nur das eigene Unternehmen zu betrachten und in die Entscheidungen einzubeziehen.

Diese isolierte Vorgehensweise vernachlässigt die Zusammenarbeit mit vor- und nachgelagerten Produktionsstufen. Das Supply Chain Management hat das Ziel, diese einzelwirtschaftliche Sichtweise zu überwinden und eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit zu erreichen.

Bei einer derart integrierten Vorgehensweise handeln Unternehmen gemeinsam, um durch diese partnerschaftliche Zusammenarbeit zu einer Optimierung des Gesamtsystems zu gelangen. Zu diesem Zweck wird versucht, gemeinsam externe Störfaktoren auszuschalten und Schnittstellenprobleme zu minimieren.

Mit dem integrierten Supply Chain Management werden:

  • Kostenvorteile
  • Qualitätsvorteile
  • Zeitvorteile

realisiert. Damit diese positiven Effekte erzielt werden können, müssen die Lieferketten dynamisch gestaltet werden, also einen hohen Grad an Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit aufweisen.

Wie erfolgt die Steuerung und Kontrolle in der Praxis?

Meist wird damit begonnen, die interne Wertschöpfungskette zu analysieren, indem die Unternehmensziele im Hinblick auf die einzelnen Bereiche der Wertschöpfungskette betrachtet werden. Nun wird eine Strategie entwickelt, die diese einzelnen Bereiche untersucht und Optimierungspotentiale identifiziert.

Es gibt verschiedene Ansatzpunkte, die für die Verbesserung der internen Lieferketten genutzt werden können:

  • Konzentration auf Kernkompetenzen
  • Einkaufs- und Logistikmanagement
  • Prozessorientierung
  • Qualitätssicherung
  • transparente Informationen
  • Reduktion der Komplexität
  • Nutzenorientierung
  • Networking
  • Controlling
  • unternehmensübergreifende Kooperationen
Die meisten Unternehmen möchten durch eine optimale Gestaltung der Lieferketten Kostensenkungspotentiale realisieren und auch eine verbesserte Wettbewerbsposition erreichen. (#03)

Die meisten Unternehmen möchten durch eine optimale Gestaltung der Lieferketten Kostensenkungspotentiale realisieren und auch eine verbesserte Wettbewerbsposition erreichen. (#03)

Realisierung optimierter Lieferketten

Im Rahmen der Konzentration auf Kernkompetenzen sollten nicht wertschöpfende Prozesse ausgelagert werden. Der Produktionsprozess wird mit Prozessanalysen im Hinblick auf Optimierungspotentiale betrachtet. Ziel ist die Generierung einer Lean Production, um die Abläufe im Bereich der Produktion transparenter und effizienter zu gestalten. Die Prozessoptimierung sorgt außerdem nicht nur im eigenen Unternehmen für eine Verschlankung der Prozesse, sondern bezieht auch Partnerunternehmen mit ein.

Neben dem Produktionsbereich wird im Rahmen des Einkaufs- und Logistikmanagement außerdem die Beschaffungsseite optimiert. Hierunter fällt ein Materialkosten- und Lieferantenmanagement sowie die wirtschaftliche Gestaltung von Lagerbeständen. Begleitend sorgt eine Qualitätssicherung für die Vermeidung von Fehlerquellen, wobei besonders die Schnittstellen betrachtet werden. In diesem Bereich wird auch explizit auf Aspekte der Nachhaltigkeit geachtet.

Transparente Informationen sind ebenfalls eine wichtige Voraussetzung zur Erreichung der Nachhaltigkeit. Mit der Standardisierung von Prozessen wird die Komplexität reduziert und dabei wird stets der Kundennutzen als zentrales Entscheidungskriterium für alle Aktivitäten herangezogen. Um die Potentiale zu realisieren, bedarf es eines konsequenten Networking und der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit auf dynamischen, globalisierten Märkten. Schließlich ist ein spezifisches Controlling erforderlich, das auch die unternehmensexternen Bereiche der Lieferketten einbezieht.

Hindernisse müssen auf dem Weg zu optimierte Lieferketten

Die meisten Unternehmen möchten durch eine optimale Gestaltung der Lieferketten Kostensenkungspotentiale realisieren und auch eine verbesserte Wettbewerbsposition erreichen. Um diese ambitionierten Ziele zu verwirklichen, bedarf es jedoch des Einsatzes moderner IT-Lösungen, die den unternehmensübergreifenden Datentransfer für Steuerungs- und Kontrollzwecke ermöglichen.

Aspekte der Nachhaltigkeit werden insbesondere dann relevant, wenn die Lieferketten auch Unternehmen aus Schwellen- und Entwicklungsländern umfassen. Das beginnt bei der Rohstoffgewinnung und endet bei der Entsorgung. Um eine nachhaltige Lieferkette zu realisieren, ist es empfehlenswert, eine Risikoanalyse aller beteiligten Prozesse vorzunehmen, um unternehmensübergreifend Strategien für die Generierung sicherer Lieferketten zu entwickeln.

Die Auswahl der Lieferanten, das Bilden von Netzwerken und die Generierung langfristiger Beziehungen tragen entscheidend zu einer nachhaltigen Gestaltung von Lieferketten bei. Besonders das Festlegen von Standards und Verhaltensregeln, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette von allen beteiligten Unternehmen eingehalten werden müssen, steigert effektiv die Nachhaltigkeit des gesamten Prozesses.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: _Worawitj   -#01: KAMONRAT  -#02:   garagestock-#03: KAMONRAT

About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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