Lastkraftwagen Europa: Schiffe geraten zusehends ins Hintertreffen

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Einst war es der Schiffstransport, der einen Großteil des Warenumschlags ausmachte. Der Grund: Dieser Art des Transports war um ein Vielfaches günstiger als der Transport via Lastkraftwagen in Europa. Doch in den Monaten Januar bis Ende Juni 2015 hat sich gezeigt, dass sich dieser Eindruck auch umkehren lässt.

Lastkraftwagen in Europa: Plus bei den Transporten

Die Lastkraftwagen in Europa sind im ersten Halbjahr 2015 deutlich besser ausgelastet. Sie haben einen Teil der Transporte übernommen, die ursprünglich durch die Schiffe abgedeckt wurden. Dabei ist der Anteil sogar recht hoch: Zwanzig Prozent beträgt der Umschlagseinbruch bei den Schiffstransporten im Durchschnitt. Je nach zu transportierenden Gütern schwankt dieser Anteil. Bei Getreide und Futtermitteln, bei Nahrungsmitteln und sowie bei pflanzlichen Rohstoffen liegt er gerade einmal bei 0,8 Prozent. Dies wäre zu verschmerzen und würde kaum ins Gewicht fallen. Anders sieht die Sache jedoch bei Baustoffen und Bahntransporten aus. Hier betragen die Anteile 31,7 bzw. sogar 74,4 Prozent. Auch bei den Sekundärrohstoffen musste ein Minus hingenommen werden, dieses lag bei etwa 23 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich, warum es durchaus Gründe zur Besorgnis gibt. Gleichzeitig freuen sich natürlich die Logistikunternehmen, die die Lastkraftwagen in Europa so gut wie möglich auslasten wollen. Die Investition in neue Lastkraftwagen lohnt sich für viele Unternehmen, denn in absehbarer Zeit wird sich an den Umschlagverhältnissen wohl kaum etwas ändern. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Lastkraftwagen Europa: Gute Gründe für den Straßentransport

Der Transport via Lastkraftwagen in Europa ist um einiges günstiger für Unternehmen und Besteller. Der Grund liegt anderem im niedrigen Dieselpreis. Dieser bewegt sich schon seit längerer Zeit auf einem konstant niedrigen Niveau. Dieses bewirkt, dass der Transport billiger ist, als wenn auf den Schiffsumschlag gesetzt wird. Außerdem können die Lkw natürlich direkt bis zum Besteller vor die Tür fahren, was einem Schiff verständlicherweise nicht möglich ist.

Hinzu kommt – zumindest als Problem für den Oldenburger Hafen, der die oben genannten Zahlen gestellt hat -, dass der Hafen selbst zeitweise schlecht zu erreichen ist. Wenn Bauarbeiten verhindern, dass die Schiffe überhaupt passieren können oder wenn zum Beispiel die Hunte längere Zeit gesperrt ist, verzögern sich Lieferungen. Die Kunden warten – doch für sie ist Zeit nun einmal Geld. Sie weichen auf Lastkraftwagen aus, die innerhalb von Europa zuverlässiger liefern. Natürlich kann auf den Straßen auch ein Stau die Lieferzeit verlängern. Doch dieser bewirkt nicht, dass die Lastkraftwagen gleich um mehrere Tage zu spät eintreffen.

Der Oldenburger Hafen hat noch mit einem weiteren Problem zu kämpfen. Die Menge der Bahntransporte ist im ersten Halbjahr um drei Viertel eingebrochen. Durch den Bau des neuen Bahnumschlagplatzes soll dieser Einbruch zwar zum Teil wieder ausgeglichen werden. Gänzlich ist das natürlich nicht möglich.
Wie es in der Zukunft aussieht, weiß niemand so genau. Dass steigende Dieselpreise bewirken, dass die Lastkraftwagen in Europa wieder teilweise von den Straßen verschwinden, ist eher nicht zu erwarten. Die Logistikunternehmen, die in neue Lkw investiert haben, werden es sich nicht nehmen lassen, diese auch auszulasten. Die Menge der Transporte wird aber nicht unverhältnismäßig stark steigen. Es bleibt also zu erwarten, dass der Schiffsumschlag nur schwer wieder auf sein früheres Niveau zurückkommen kann.


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About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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