Bonitätsprüfung in der Logistik: Auch Zulieferer müssen gecheckt werden

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Sowohl im gewerblichen als auch im Endverbrauchersektor ist die Bonität ein wichtiges Hilfsmittel. Das gilt auch in der Industrie und dort in der Logistikbranche, in der Unternehmen stark vom Fortbestehen ihrer Zulieferer abhängig sind.

Die Bonitätsprüfung an sich: wichtiger Eckpfeiler für die gesamte Wirtschaft

In der Industrie sind Liquidität und Cashflow traditionell kritische Faktoren. Sie entscheiden darüber, ob Gehälter pünktlich gezahlt werden können, ob die Produktion nach Plan läuft und in welchen Dimensionen das Wachstum vorangetrieben werden kann. Bei der Zusammenarbeit mit künftigen Geschäftspartnern – ob Dienstleister, Zulieferer oder Abnehmer – ist ein Hintergrund-Check deswegen obligatorisch.

Erstaunlich oft findet die Bonitätsprüfung allerdings gar nicht statt. Viele Probleme sind deswegen gewissermaßen hausgemacht, da die Finanzsituation mehrerer Geschäftspartner die eigene Situation beeinflussen kann. Branchenkenner versuchen, ein Umdenken anzuregen; vor allem, wenn man bedenkt, dass die Überprüfung weder aufwändig noch kompliziert ist.

Das Prinzip ist schließlich bekannt und leicht verständlich: Bei einer Bonitätsprüfung wird die zu erwartende Zahlungsfähigkeit einer Partei überprüft. Möglich ist diese Vorhersage mithilfe historischer Daten. Das bisherige Zahlungsverhalten sowie weitere finanzielle Faktoren fließen in die Prüfung mit ein und erlauben eine Prognose für die Zukunft. Diese ist zwar nicht zu 100 Prozent verlässlich, gibt jedoch eine sehr klare Tendenz vor.

Dasselbe Prinzip wie bei Endverbrauchern also. Beantragt eine Privatperson eine Immobilienfinanzierung, so führt die Bank eine Bonitätsprüfung durch, um zu ermitteln, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es nicht zu Ausfällen bei der Rückzahlung kommt. Die genaue Berechnung des Kredit-Scores wird im späteren Verlauf näher beleuchtet; wichtig ist im Zusammenhang mit der Logistikbranche zunächst nur, dass die Bonitätsprüfung auch ein strategisches Instrument ist.

Es geht schließlich um Sicherheiten. Diese sind in der Industrie umso wichtiger, da Industrieunternehmen in der Regel hohe laufende Kosten verbuchen. Um diese Ausgaben zu decken, sind verlässliche Eingangszahlungen existenziell. Die Logistikbranche macht da keine Ausnahme: Unternehmen wird dringend empfohlen, auch bei neuen Zulieferern eine Bonitätsprüfung durchzuführen.

Sobald eine Geschäftbeziehung zwischen dem Logistikunternehmen und dem Zulieferer eingangen wird: Entsteht zwischen den Beiden ein Abhängigkeitsverhältniss. Der Eine kann ohne den Andern nicht existieren

Sobald eine Geschäftbeziehung zwischen dem Logistikunternehmen und dem Zulieferer eingangen wird: Entsteht zwischen den Beiden ein Abhängigkeitsverhältniss. Der Eine kann ohne den Andern nicht existieren (#01)

Strategische Planung: Warum die Bonitätsprüfung von Zulieferern so wichtig ist

Im Hinblick auf die Kooperation von Logistikern und Zulieferern erscheint die Bonität in einem besonderen Licht. Denn Zulieferer verkaufen Waren bzw. Produkte und erhalten dafür Geld von ihren Kunden – nicht umgekehrt. Rein intuitiv ist die Finanzlage von Zulieferern deswegen nicht wichtig für den Abnehmer. Auf den zweiten Blick allerdings schon, da die Zulieferer-Bonität in dieser Branche eine strategische Dimension besitzt.

Denn sobald ein Logistiker eine Geschäftsbeziehung mit einem Zulieferer eingeht, entstehen Abhängigkeiten für das Tagesgeschäft. Wie groß diese sind, hängt vom Umfang der Zulieferer-Leistungen ab, doch in jedem Fall sind Logistiker darauf angewiesen, von ihren Zulieferern planmäßig beliefert zu werden. Eine instabile Finanzlage, die man anhand einer schlechten Bonität bereits frühzeitig erkennen könnte, kann diesen Plan bedrohen.

Dazu ein einfaches Beispiel. Ein Unternehmen stellt Verpackungen her und benötigt dafür fortlaufend große Mengen an Kartonmaterial. Um den Materialfluss zu sichern, schließt das Unternehmen einen Vertrag mit einem Kartonagen-Spezialisten ab und lässt sich von diesem beliefern.

Im Idealfall ist die Bonität des Kartonherstellers für das Verpackungsunternehmen nicht von Bedeutung. Doch Idealfälle sind in der Industrie (genau wie in allen anderen Lebensbereichen) höchstens eine Momentaufnahme und eignen sich deswegen nicht als Grundlage für strategische Entscheidungen. Denn: Gerät der Kartonhersteller in finanzielle Schwierigkeiten, wirkt sich das direkt auf die Produktion neuen Materials aus. In der Folge wird das Verpackungsunternehmen nicht mehr mit dem benötigten Material beliefert, sodass die Weiterverarbeitung ins Stocken kommt, wodurch wiederum der Absatz und die Einnahmen sinken.

Je nach Volumen der Geschäftsbeziehung ist es kaum möglich, auf die Schnelle einen neuen Zulieferer zu finden, der alle Kriterien (produkttechnisch, mengentechnisch und finanziell) erfüllt. Auf diese Weise entsteht schnell ein Domino-Effekt, der in vielen Fällen existenzbedrohend sein kann. Schließlich bedeuten in der Industrie schon kurze Ausfälle große Verluste – eine große Kapitaldecke ist nötig, um diese Verluste aufzufangen. Befindet sich das Unternehmen jedoch im Wachstum, sind die Eigenmittel meistens nicht ausreichend.

Mit einem Bonitäts-Check wird dieses Risiko minimiert: Das Verpackungsunternehmen arbeitet ausschließlich mit Zulieferern zusammen, bei denen eine vertragsgemäße Erfüllung des Materialflusses wahrscheinlich ist. Dieses Vorgehen gilt natürlich auch umgekehrt: Zulieferer prüfen die Bonität ihrer Abnehmer, um sicher zu stellen, dass die verkauften Produkte auch tatsächlich bezahlt werden. Ein weiterer wichtiger Umkehrschluss ist, dass eine gute Bonität genau wie andere Aspekte einen Wettbewerbsvorteil darstellen kann, da es den Zuliefererbetrieb von der Konkurrenz abhebt.

Die Bonitätsprüfung trägt also entscheidend zur Sicherung des Geschäftsbetriebs bei und ist deswegen ein wichtiger Faktor im Risikomanagement. Logistik-Unternehmen aller Arten sind davon gleichermaßen betroffen: So benötigen Hersteller von Lastkraftwagen für die Fahrzeugproduktion laufend Bremsen, Karosserieteile und Motoren von spezialisierten Zulieferern, und schon ein Ausfall in einzelnen Teilbereichen kann zum Erliegen der gesamten Fertigung kommen.

Egal ob in der Logstikbranche oder im privaten Bereich, es immer wichtig seine eigene Bonität zu kennen.

Egal ob in der Logstikbranche oder im privaten Bereich, es immer wichtig seine eigene Bonität zu kennen.(#02)

Komprimierte Fakten: So sieht die moderne Bonitätsprüfung aus

Im Zuge der Digitalisierung wurde die Bonitätsprüfung deutlich vereinfacht, ohne an Aussagekraft zu verlieren. Wieder liefert der Markt für Endverbraucher ein anschauliches Beispiel: Plattformen wie Score Kompass haben einen Algorithmus entwickelt, der alle relevanten Faktoren einbezieht und als Ergebnis in eine einzelne Zahl, den sogenannten Score, zwischen 100 und 600 umwandelt. Die entscheidende Information ist damit so leicht verständlich wie nur möglich; ein hoher Wert ist gut, ein niedriger Wert weist auf Zahlungsverzüge in der Vergangenheit hin.

Verbraucher erhalten somit eine hilfreiche Kennzahl, um ihre eigene Finanzsituation besser einschätzen zu können. Das ist vor allem beim Kreditantrag wichtig, doch auch bei Verträgen mit Mobilfunkanbietern, bei Ratenkäufen in Onlineshops oder zur Erhöhung des Dispozinses bei der Hausbank.

Zur Berechnung des Scores bezieht die Bonitäts-Plattform ihre Daten von der Auskunftei Arvato. Arvato ist nach der SCHUFA Holding die größte deutsche Auskunftei und sammelt Verbraucherinformationen, die von Vertragspartnern aus den genannten Branchen übermittelt werden. Nicht bezahlte Rechnungen, Mahnungen und verschleppte Kredit-Tilgungen wirken sich logischerweise schlecht auf den Score aus; mit der kostenlosen Bonitätsauskunft bringt Score Kompass Verbrauchern das sensible Thema näher und hofft, zu einem besseren Umgang mit den eigenen Finanzen beizutragen.

Denn bis dato war die Kreditwürdigkeit ein ungeliebtes Thema, mit dem sich Verbraucher nur dann beschäftigt haben, wenn es wirklich nötig war. Die Vereinfachung des komplexen Themas und die schnelle Online-Übersicht machen die Bonität zu einem greifbaren Begriff, der darüber hinaus in einem freundlicheren Licht erscheint. Die Motivation, sich mit der Kreditwürdigkeit auseinanderzusetzen, steigt dadurch und hilft letztendlich vor allem den Verbrauchern selbst.

Gute Vorzeichen: Bonität rückt allmählich in den Mittelpunkt

Und dieser Wandel könnte sich auch auf die Unternehmensebene auswirken. Gerade in kleinen und mittelständischen Betrieben herrscht oft Unklarheit bezüglich der eigenen Bonität; dies kann Schwierigkeiten bei neuen Geschäftsbeziehungen nach sich ziehen und auch abgesehen davon Probleme bereiten. Etwa dann, wenn ein finanzieller Engpass entsteht und die benötigte Brückenfinanzierung aufgrund einer zu schwachen Bonität abgelehnt wird. Es geht also nicht nur um den Bonitäts-Score an sich, sondern auch um den Wissensstand und den Umgang mit diesem Thema. Grundsätzlich gilt also: Wer seine Bonität kennt, der ist klar im Vorteil und hat eine größere Planungssicherheit. In diesem Punkt macht es keinen Unterschied, ob es sich um Privatpersonen oder Unternehmen handelt.

Logistik-Unternehmen dürfen die Entwicklung auf dem Verbrauchermarkt deswegen als positives Signal werten. Negative Kreisläufe können durch ein sorgfältiges Finanzmanagement schon im Ansatz verhindert werden und die Bonitätsprüfung entpuppt sich dabei als zentrales Element. Logistiker, die bereits unliebsame Erfahrungen mit Zulieferern gemacht haben, haben die Bedeutung längst verstanden; nun liegt es an den anderen Marktteilnehmern, ebenfalls diesen Schritt zu machen und einen stabilen Markt zu fördern.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild: WavebreakmediaMicro-#01: auremar-#02: SZ-Designs

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Klaus Müller-Stern (25) studiert aktuell Maschinenbau, beschäftigt sich daneben jedoch schon lange mit allen Aspekten rund um Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Eloquent und scharfsinnig bringt er Themen wie Social Media oder den Finanzsektor auf den Punkt. Darüber hinaus blickt der passionierte Laufsportler in seinen Beiträgen hinter die Kulissen erfolgreicher Startup-Firmen.

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