Blick in die Zukunft: Welche Auswirkung hat die Bedrohung im Hamburger Hafen auf Speditionen?

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Seit vielen Jahrzehnten gilt der Hamburger Hafen als deutsches Tor zur Welt. Vor allem für die Anlieferung von Massengütern wird er gerne genutzt. Das kann sich jedoch bald ändern, denn Schlick und Sand im Hafenbecken machen es den Frachtern schwer, den Hafen zu erreichen.

Die Hafenstadt Hamburg war bisher für internationale Unternehmen ein attraktives Ziel für den Aufbau von deutschen Niederlassungen. Die Lieferungen aus aller Welt mit Großfrachtern konnten bis zum Hafen in Hamburg fahren und hier entladen werden. Speditionen, wie F.A. Kruse jun., haben die Waren dann in die Lager gebracht. Alles liegt nahe beieinander, die Kosten konnten optimal kalkuliert werden.

Schlick und Sand im Hafenbecken als Hindernis

Schon eine Weile zeichnen sich jedoch die Probleme ab, die nun dafür sorgen könnten, dass der Hamburger Hafen seine prädestinierte Stellung verliert. So sind in einigen Bereichen im Hafenbecken inzwischen viel Sand und Schlick aufgelaufen. Beides sorgt dafür, dass nicht mehr ausreichend Tiefe für die Massengutfrachter vorhanden sind. Die immer größer und schwerer werdenden Schiffe brauchen eine bestimmte Wassertiefe im Hafen, damit sie nicht auf Grund laufen. Gesprochen wird hier nicht von einigen Zentimetern, sondern von einer Wassertiefe von bis zu zwei Metern.

Gerade internationale Unternehmen kostet diese Problematik viel Geld. Bisher nutzen sie die Lösung, die Frachter zu verschiedenen europäischen Häfen zu schicken, Teile der Ladung dort abzulassen und von einer Spedition nach Hamburg bringen zu lassen. Was für die Speditionen vor Ort an den Häfen von Vorteil ist, ist für die Unternehmen besonders teuer. Wie hoch diese Zusatzkosten sind, lässt sich nur schwer abschätzen. Bei einigen Unternehmen gehen sie in die Millionenhöhe.

Hamburger Hafen, Speicherstadt

Hamburger Hafen, Speicherstadt  (#01)

Wo liegen die Zuständigkeiten?

Hier stellt sich die Frage, ob es nicht Zuständigkeiten gibt, die dafür sorgen müssen, dass das Hafenbecken tief genug bleibt. Tatsächlich liegt diese Aufgabe bei der Hamburg Port Authority. Die Hafenbehörde hat die Aufgabe, stets darauf zu achten, dass alle Hafenbecken die zugesagte Tiefe aufweisen. Um dies einhalten zu können, muss mit Baggern gearbeitet werden. Hansaport ist als erstes Unternehmen nun gegen die Behörde vor Gericht gezogen und hat einen Sieg erreicht. So hat das Gericht die Behörde aufgefordert, im Hafenbecken von Hansaport für eine ausreichende Tiefe zu sorgen.

Der Grund, warum die Hamburg Port Authority hier bisher nicht reagiert hat: Niemand weiß wohin mit dem Schlick. Das Verklappen des Schlicks wurde immer in bestimmten Gebieten durchgeführt. Eines dieser Gebiete jedoch wurde gesperrt und zwar durch die Hamburger Umweltbehörde. Natürlich gibt es Ausweichmöglichkeiten. Zumindest gab es diese bisher und zwar nach Schleswig-Holstein. Inzwischen jedoch sind die Abmachungen für das Verklappen von Schlick in Schleswig-Holstein ausgelaufen. Das heißt, er kann nirgends mehr abgeladen werden.

Statistiken zeigen: Negative Entwicklungen an deutschen Seehäfen

Die Idee, den Schlick einfach gar nicht abzutragen, mag zwar im ersten Moment passend erscheinen. Die Probleme löst es aber nicht. Wie die Statistiken deutlich machen, können es sich die deutschen Häfen nicht erlauben, nachlässig zu werden. Allein im ersten Halbjahr des Jahres 2015 sank der Umschlag der Seehäfen in Deutschland bereits. Ein Blick auf diese Zeit zeigt: der Umschlag in Bezug auf die Container sank um 2%. Im Vergleich zu 2014, wo der Umschlag zugenommen hat, ist diese Entwicklung schwierig.

Unter anderem sind für diesen Rückgang nachweislich die Krisen in Portugal und Griechenland, aber auch die Problematik mit dem Embargo gegen Russland, zuständig. Bereits diese Entwicklung hat nicht nur den Hamburger Hafen, sondern auch die Speditionen schwer getroffen, die von den Unternehmen engagiert werden, um die Waren zu dem Lagerhäusern zu bringen. Die Zukunft sieht nicht besser aus.

Neben den genannten Ursachen ist der Hamburger Hafen aber durch zusätzliche Schwächen immer mehr aus dem Fokus der Unternehmen herausgerückt. Nicht nur der Schlick gehört dazu. So haben gerade die immer größeren Schiffe für die Container-Lieferung kaum noch in die Hafenbecken hinein. Das führt zu starken Zeitverzögerungen. Anders sieht es bei der Konkurrenz, den Häfen in Antwerpen und Rotterdam, aus.

So hat sich der Antwerpener Hafen beim Ranking der Containerhäfen vor Hamburg geschoben. Klare Aussagen von Unternehmen, dass sie dauerhaft abwandern, gibt es derzeit noch nicht. Das heißt aber nicht, dass dies in Zukunft nicht passieren kann. Der Containerumschlag in Antwerpen hat beispielsweise um 11% zugenommen. Dieser Wert steht auch für den Rückgang in Hamburg in Bezug auf die Container.

Rotterdam: Eine echte Konkurrenz für den Hamburger Hafen

Rotterdam: Eine echte Konkurrenz für den Hamburger Hafen (#02)

Rotterdam als echte Konkurrenz

Neben Antwerpen sollte der Blick auch in Richtung Rotterdam gehen, denn auch hier ist Konkurrenz zu sehen. Der Hafen ist bei den größten Containerhäfen weltweit ebenfalls vor Hamburg zu finden und für den Verkehr über Wasser eine wichtige Anlaufstelle. Der Vorteil: Großschiffe können problemlos und schnell abgefertigt werden. Einschränkungen bei der Abfertigung gibt es nicht.

Auch die Preise des Hafens sorgen dafür, dass Rotterdam für Unternehmen immer interessanter wird. Die Verantwortlichen beim Hamburger Hafen kennen diese Zahlen. Sie wissen aber auch, dass Hamburg bisher noch mit einem sehr guten Güterverkehr punkten kann. Wie lange dieser Pluspunkt jedoch dem Hafen noch einen Vorteil bringt, lässt sich nicht sagen.

Doch nicht beim Hamburger Hafen allein liegt die Schuld für die Entwicklungen und den Ausblick auf die Zukunft. Auch die Probleme im Verkehr spielen eine Rolle. So gibt es bei der Infrastruktur in Deutschland viele Bereiche, wo fehlende Instandhaltungsarbeiten sich bemerkbar machen. Davon können auch die Speditionen ein Lied singen, wie beispielsweise bei der Rader Hochbrücke, die durch die Lkw von den Speditionen lange Zeit nicht zu befahren war.

Für den Hamburger Hafen brachte diese Thematik einen hohen Verlust mit sich. Insgesamt 250.000 Container wurden statt nach Hamburg zur Konkurrenz mit dem Schiff gebracht. Die Speditionen waren angehalten, die Container nach Fredericia zu bringen. Für die Zuständigen des Dänischen Hafens war dies natürlich ein Glücksfall. Generell profitieren die Großhäfen in der EU von der Entwicklung, denn jahrelang haben sie versucht, sich gegen Hamburg zu behaupten. Denn kaum ein Hafen hat es so gut geschafft, Tourismus sowie Industrie miteinander zu vereinen.

Das hat natürlich bei den internationalen Unternehmen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und dafür gesorgt, dass sie Lösungen suchen, um den Hamburger Hafen nicht ganz aus ihren Anlaufstellen zu streichen. Bei den steigenden Kosten, die in Bezug auf die Probleme vor Ort entstehen, ist es aber nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Firmen möglicherweise über einen Standortwechsel nachdenken.

Viele Countainer werden am Hamburger Hafen täglich bewegt

Viele Countainer werden am Hamburger Hafen täglich bewegt (#03)

Mögliche Auswirkungen auf die Speditionen von Hamburg

Die Zeit wird zeigen, wie sich die Entwicklungen am Hamburger Hafen in Zukunft auf die Speditionen direkt vor Ort auswirken. Auch wenn die aktuellen Nachrichten durchaus einen Grund zur Sorge geben, so ist der Hamburger Hafen nach wie vor auf der Liste der größten Containerhäfen der Welt relativ weit vorne mit dabei. Dennoch gibt es bereits bisher einige Auswirkungen auf die Speditionen.

Dadurch, dass Teile der Lieferungen in anderen europäischen Häfen abgeladen werden, sinken die Aufträge für die Speditionen vor Ort. Unternehmen beauftragen Speditionen an den angefahrenen Häfen, die Container zu den Lagern zu bringen.

Speditionen sowie der Hamburger Hafen arbeiten Hand in Hand. Gerade für kleine Anbieter kann es daher schwierig werden, wenn die aktuelle Auftragslage zurückgeht. Da der Hamburger Hafen und die internationalen Unternehmen zu den größten Auftraggebern gehören, kann ein Rückgang der Aufträge zu Jobverlusten führen. Ob es soweit kommt oder ob die Entfernung von Schlick und Sand die Lage wieder etwas entspannen können, wird die Zukunft zeigen.


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Klaus Müller-Stern (25) studiert aktuell Maschinenbau, beschäftigt sich daneben jedoch schon lange mit allen Aspekten rund um Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Eloquent und scharfsinnig bringt er Themen wie Social Media oder den Finanzsektor auf den Punkt. Darüber hinaus blickt der passionierte Laufsportler in seinen Beiträgen hinter die Kulissen erfolgreicher Startup-Firmen.

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