Motivierende Ausbildungsmethoden: Vom richtigen Umgang mit dem Azubi

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Leittextmethode, Gesprächsmethode und viele weitere Ausbildungsmethoden zielen darauf ab, mehr als nur Fachkompetenz zu vermitteln. Ausbilder scheitern aber nicht selten an ihrem Lehrauftrag.

Motivierende Ausbildungsmethoden: Fachwissen der Ausbilder ist gefragt

In einem modernen Logistikunternehmen müssen Auszubildende eine Vielzahl an Aufgaben bewältigen. Sie benötigen dafür auf der einen Seite das fachliche Wissen, auf der anderen Seite menschliche Kompetenzen, die sie zu angenehmen Mitarbeitern werden lassen. Die neuen Ausbildungsmethoden sind daher mit früheren Methoden nicht mehr vergleichbar.

Heute geht es auch darum, dem Azubi Eigenverantwortung zu übertragen und ihn dahin gehend zu erziehen, dass er Handlungskompetenz erwirbt und gleichzeitig zielorientiert arbeitet. In einer Branche wie der Logistik, in der die Konkurrenz zunehmend wächst und Billigheimer immer stärker auf den Markt drängen, müssen sich Unternehmen positionieren: Zu mehr Qualität und zu einer besseren Ausbildung. Ausbildende müssen dafür das nötige Fachwissen mitbringen und dafür sorgen, dass die Azubis bestimmte Schlüsselqualifikationen erwerben.

Die Ausbildung selbst soll dafür handlungsorientiert und praxisnah sein, die Lehrlinge sollen so früh wie möglich im Logistikalltag anpacken. Sie nehmen einen Lernauftrag wahr und werden bestenfalls an das ausbildende Unternehmen gebunden. Sie identifizieren sich mit der Ausbildungsfirma und werden so zu einem Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Unternehmen, die auf Verschleiß und ständigen Wechsel der Azubis setzen.

Ein Ausbilder darf sich nicht als Führer betrachten, er soll zwar Vorgesetzter, dennoch aber Vertrauter sein.

Ein Ausbilder darf sich nicht als Führer betrachten, er soll zwar Vorgesetzter, dennoch aber Vertrauter sein.(#01)

Moderne Ausbilder und neue Ausbildungsmethoden

Ein Ausbilder darf sich nicht als Führer betrachten, er soll zwar Vorgesetzter, dennoch aber Vertrauter sein. Eher eine Art Mentor, der motivierende Ausbildungsmethoden anwendet, um die Azubis zu fördern und zu fordern. Ein moderner Ausbilder ist ein Begleiter, der den Auszubildenden in seinem Lernauftrag unterstützt und sowohl auf bewährte Methoden als auch auf neue Alternativen setzt.

Es geht darum, dass ein Lehrling lernt, dass er Verantwortung übernehmen muss und dies auch kann! Möglich wird das aber erst, wenn die nötige Fachkompetenz vorhanden ist. Gleichzeitig muss das Vertrauen des Auszubildenden in sich selbst erhöht werden. Erst dann, wenn er sich zutraut, diese oder jene Aufgabe wirklich eigenverantwortlich auszuführen, wird er zu dem vom Unternehmen benötigten Mitarbeiter.

Lehrmeister in den Unternehmen müssen daher umdenken und sind längst keine reinen Unterweiser mehr. Sie begleiten den Lernprozess des Fachnachwuchses und zeigen Ausbildungsmethoden auf, die die Handlungskompetenz der Lehrlinge fördern. Wissen wird heute erlebnisorientiert vermittelt und soll stets positiv behaftet sein. Es geht nicht nur darum, das branchenspezifische Wissen in den Kopf zu bekommen, sondern es sollen Anwendungsmöglichkeiten und Übertragungen auf andere Situationen möglich sein.

Das Lernen soll Spaß machen, denn nur die Lehrlinge, die gern lernen, sind auch gut darin. Dies sichert zudem gleichzeitig einen langfristigen Lernerfolg. Wichtig: Die Ausbildereignungsprüfung mag ein sinnvoller Nachweis über vorhandene Lehrkompetenzen sein. Ob diese tatsächlich in der Realität angewendet werden können, geht daraus nicht hervor. Denn ob jemand etwas weiß oder ob er dieses Wissen auch vermitteln kann, sind zwei unterschiedliche Dinge.

Dazu kommt, dass es zwar verschiedene Ausbildungsmethoden gibt, doch ob die Leittextmethode oder eine andere Methode richtig ist, kann nur im Einzelfall entschieden werden. Denn auch wenn es bestimmte Lerninhalte gibt, die zwingend bis zur Prüfung vermittelt werden müssen, so ist es doch eine Sache auf persönlicher Ebene, ob der Ausbildende in der Lage ist, dem Azubi alles Nötige beizubringen und ob genau dieser Lehrling mit der gewählten Methode gut beraten ist. Genau diesen Fakt des „Individuums Azubi“ berücksichtigt keine Ausbildereignungsprüfung.

Kaum etwas motiviert mehr, als wenn einem ein Vorgesetzter etwas zutraut. Das Vertrauen soll nicht enttäuscht werden und so sind viele Lehrlinge deutlich motivierter bei der Arbeit.

Kaum etwas motiviert mehr, als wenn einem ein Vorgesetzter etwas zutraut. Das Vertrauen soll nicht enttäuscht werden und so sind viele Lehrlinge deutlich motivierter bei der Arbeit.(#02)

Motivierende Ausbildungsmethoden: Auszubildende fördern mit diesen Tipps

Viele Unternehmen (nicht nur in der Logistikbranche) kennen das Problem. Da kommt ein wenig motivierter junger Mensch ohne Vorkenntnisse und möchte einen Beruf erlernen. „Weil man das eben nach der Schule so macht.“ Auf die Frage, warum es gerade dieser Beruf sein soll oder was ihn zu genau diesem Unternehmen geführt hat, kommen nur gestammelte Antworten.

Wer als Lehrling das Glück hat, dennoch einen Auszubildendenvertrag zu ergattern, fühlt sich meist nicht glücklich, sondern braucht immer noch eine gesonderte Motivation. Das Feinlernziel heißt nämlich, durch Eigenmotivation viel zu erreichen und nicht nur den Stoffinhalt des Ausbildungsberufs zu pauken. Neben den fachlichen Kompetenzen sollen schließlich auch die viel gepriesenen Soft Skills ausgebildet werden.

Mit diesen Tipps können Unternehmen und Ausbilder arbeiten, um Lehrlinge zu motivieren:

  • Aufstiegsmöglichkeiten
    Zu den modernen und motivierenden Ausbildungsmethoden zählt unter anderem, dem Lehrling mögliche Aufstiegspositionen im Unternehmen aufzuzeigen. Dies zählt entgegen der allgemeinen Annahme mehr als die Sicherheit der Branche deutlich zu machen oder ein höheres Gehalt nach der Ausbildung in Aussicht zu stellen. Der Grund: Die Gehälter sind für Azubis zwar wichtig, jedoch ist der Spielraum hier recht eng. Kein Unternehmen zahlt übertrieben gesagt Managergehälter, um einen Lehrling zu halten. Da die meisten Lehrlinge noch sehr jung sind, spielen Sicherheitsaspekte für sie noch keine große Rolle.Immerhin haben sie meist noch keine Familie zu ernähren und sind beruflich und lokal gesehen noch flexibel. Viele Lehrlinge legen auf Wertschätzung und eine respektvolle Behandlung großen Wert. Doch es kommt vielmehr darauf an, ob der betreffende Azubi eine Karrieremöglichkeit in Aussicht gestellt bekommt oder nicht. Es geht bei motivierenden Ausbildungsmethoden vor allem darum, dass der Azubi keinen Dienst nach Vorschrift macht, er soll vielmehr freiwillig Mehrleistungen und persönliche Bestleistungen erbringen, um seine Aufstiegschancen wahrzunehmen.
  • Wertschätzung
    Die eben angesprochene Wertschätzung ist für alle Mitarbeiter wichtig und so verständlicherweise auch für den Lehrling, auch wenn er kaum Vorkenntnisse aus der Logistik hat und generell noch etwas branchenfern scheint. Führungskräfte sollen sich als menschlich erweisen und die Angestellten gut behandeln. Auch die Bedürfnisse von Lehrlingen sollen so gut wie möglich berücksichtigt werden!
  • Feedbacks
    Motivierende Ausbildungsmethoden setzen vor allem auf Lob und Feedback. Es geht darum, regelmäßig einen Raum für Feedbacks zu schaffen, in denen unter vier Augen erklärt wird, welche Aspekte der Arbeit besonders gut laufen. Muss Kritik geübt werden, darf diese nicht zu negativ ausfallen und muss gleichzeitig Verbesserungsvorschläge mitbringen.Der Azubi soll die Gelegenheit bekommen, mit seinem Mentor in einen Dialog zu treten. Dies ist auch für ihn positiv, denn er erfährt damit, ob seine Firmenphilosophie so gut ankommt wie gedacht. Im Rahmen solcher Gesprächsstunden kann über ein Feinlernziel diskutiert werden und darüber, wo der Lehrling Potenziale sieht, um ihn besser fördern oder auf die Prüfung vorbereiten zu können.
Zu den modernen und motivierenden Ausbildungsmethoden zählt unter anderem, dem Lehrling mögliche Aufstiegspositionen im Unternehmen aufzuzeigen.

Zu den modernen und motivierenden Ausbildungsmethoden zählt unter anderem, dem Lehrling mögliche Aufstiegspositionen im Unternehmen aufzuzeigen.(#03)

  • Eigenverantwortung
    Kaum etwas motiviert mehr, als wenn einem ein Vorgesetzter etwas zutraut. Das Vertrauen soll nicht enttäuscht werden und so sind viele Lehrlinge deutlich motivierter bei der Arbeit. Sie haben das Gefühl, an der Gestaltung des Unternehmens teilzuhaben und dafür einen wichtigen Beitrag zu leisten. Moderne Ausbildungsmethoden, die auf die Motivation der Lehrlinge abzielen, sollen daher auch immer diesen Punkt berücksichtigen und den jungen Menschen gleichzeitig eigene Lernerfahrungen ermöglichen.Eigene Ideen und die Freiräume zur Umsetzung der Ideen müssen gefördert werden. Gibt es dadurch Nachteile? Sicherlich mag die eine oder andere Arbeit weniger schnell gehen, wenn noch nicht vollständig ausgebildete Lehrlinge neue Ideen umsetzen, gleichzeitig bringen diese frischen Wind ins Unternehmen und zeigen, dass sich so manche Sache auch von einem anderen Standpunkt aus angehen lässt.
  • Bezahlung
    Natürlich gibt es feste Lehrlingsgehälter und die fallen auch in der Logistik nicht gerade üppig aus. Damit die Motivation von Auszubildenden dennoch erhalten bleibt und sich keine Nachteile für das Unternehmen durch schlecht mitarbeitende und mitdenkende Lehrlinge ergeben, darf aber niemand für den sprichwörtlichen „Äppel und ein Ei“ arbeiten müssen. Auch wenn die Azubi-Gehälter nicht großzügig ausfallen, so müssen sie doch wenigstens einheitlich geregelt sein.Das heißt, dass die Lehrlinge im gleichen Lehrjahr auch gleich verdienen müssen. Bestimmte Sonderleistungen, die separat vergütet werden, müssen auch allen Lehrlingen offenstehen. Außerdem darf ein Unternehmer nicht vergessen, dass die Lehrlinge in der Berufsschule auch mit anderen Azubis sprechen und dort über Gehälter geredet wird. Wird in einem anderen Unternehmen in der gleichen Branche deutlich mehr gezahlt, ruiniert das die Motivation des Lehrlings dauerhaft.
  • Sicherheit
    Auch wenn die meisten Lehrlinge noch keine Familie gegründet haben: Sie wollen meist aber wenigstens ungefähr wissen, wie es nach drei Jahren weitergehen kann. Wohin sollen sie sich wenden, wenn die Ausbildung beendet ist? Wenn das ausbildende Unternehmen diesbezüglich keine Aussagen treffen kann oder gar bereits zu Beginn der Lehrzeit einen sich anschließenden Arbeitsvertrag in Aussicht stellen kann, sollen doch zumindest Gesprächsangebote dargebracht werden.Welche Möglichkeiten der Unterstützung gibt es nach der Ausbildung, falls keine Übernahme möglich ist? Wenn sich das Unternehmen hier gesprächsbereit zeigt sowie den Lehrlingen Einblicke in die Branche und in Verfahrensweisen in anderen Unternehmen gewährt, erhöht das die Motivation des Lehrlings beträchtlich. Er sieht seine eigene Zukunft klarer, auch wenn sich diese nicht im Ausbildungsbetrieb abspielen wird.

Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild:  goodluz _-#01: wavebreakmedia -#02:  Monkey Business Images _-#03: Maksim Shmeljov

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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