Der Bahnhof als Instrument der Stadtentwicklung
Bahnhöfe üben seit jeher eine Faszination auf die Menschen aus - als Plätze des Wegfahrens und Ankommens, als Plätze der Kommunikation und inzwischen immer häufiger als Plätze des Konsums. Welche Rolle Bahnhöfe als Impulse für die sie umgebenden Städte geben können, interessiert Deike Peters vom Center for Metropolitan Studies am Institut für Geschichte und Kunstgeschichte der TU Berlin. Im Rahmen des Emmy-Noether-Programmes der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) evaluiert die promovierte Wissenschaftlerin mit ihrer Arbeitsgruppe das Potential von innerstädtischen Bahnhöfen, um zu einer nachhaltigen Siedlungs- und Verkehrsentwicklung beizutragen.
"Uns interessiert, wie große Metropolen ihren Strukturwandel bewältigen und welche Rolle dabei große Stadt- und Verkehrsentwicklungsprojekte auf Bahnhofsarealen spielen können", umreißt Projektleiterin Deike Peters ihr Forschungsinteresse. Seit einiger Zeit beobachteten Stadtplaner eine Renaissance der Innenstädte. Das frühere Modell einer Metropole mit Büros und Geschäften im Stadtkern und "Schlafstädten" an der Peripherie sei überholt.
Im Rahmen des Forschungsprojektes, das im Oktober 2008 startete und bis zu fünf Jahre lang von der DFG finanziert wird, wollen die Wissenschaftler eine internationale Datenbank erstellen, die alle großangelegten Stadtumbauprojekte rund um Bahnhöfe erfasst. Parallel dazu werden ausgesuchte Standorte wie Berlin (Hauptbahnhof), London (St. Pancras/King's Cross) und New York (Penn/Moynihan Station) in vertiefenden Fallstudien analysiert. "Letztlich geht es darum, unseren Wissensstand auf diesem Gebiet der Stadtplanung zu vertiefen. Es hat in den letzten zwanzig Jahren zwar viele Studien gegeben, die sich mit dem übergeordneten Thema "Großprojekte und Stadtentwicklung" beschäftigt haben, aber fast immer lag der Fokus hierbei auf großen Einkaufs- und Vergnügungszentren sowie auf Revitalisierungsmaßnahmen in Hafengebieten, Uferzonen oder auf Industriebrachen.
Eine systematische, international vergleichende Untersuchung zu Großprojekten der Stadtentwicklung, die den Um- oder Neubau von modernen innerstädtischen Bahnhöfen und die gleichzeitige Neuplanung der umliegenden Areale als attraktive, gemischt genutzte Standorte beinhalten, gibt es jedoch bisher nicht", sagt Deike Peters. "Dabei haben gerade diese Bahnhofsprojekte eine hohe strategische und symbolische Bedeutung für das zukünftige Gesicht der Städte."
Der Berliner Hauptbahnhof ist für die Arbeitsgruppe nicht nur wegen seiner räumlichen Nähe von großem Interesse. "Berlin ist aufgrund seiner jahrzehntelangen Teilung ein Sonderfall der Stadtentwicklung", sagt die Wissenschaftlerin. Unter anderem aufgrund überhöhter Erwartungen an die wirtschaftliche und demographische Entwicklung der Stadt nach 1989 stehe nun ein riesiger Kreuzungsbahnhof inmitten einer Brache. Das geplante pulsierende Büroviertel mit großen Hotels nahe dem Regierungsviertel wird wohl noch einige Jahre lang nicht realisiert werden. "Der Hauptbahnhof ist außerdem fast drei Jahre nach seiner Eröffnung noch immer nicht an das U-Bahn- und Straßenbahnnetz angebunden", sagt Deike Peters. "Trotzdem wird der Bahnhof heute gemeinhin als ein großer baulicher und planerischer Erfolg wahrgenommen - und diese Wahrnehmung ist für uns ebenso von analytischem Interesse wie die Rekonstruktion der verschiedenen planerischen Abwägungsprozesse, die Anfang der 1990er Jahre zu der Entscheidung für diesen Standort und für dieses Projekt geführt haben."
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt betreiben die Forscher intensive Recherche in der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur, in Presseartikeln und im Internet. Die wichtigste Informationsquelle für die Fallstudien sind jedoch meist die Interviews mit den verschiedenen Projektbeteiligten. "Im Juli werden wir dann einen internationalen Workshop mit Experten organisieren", kündigt Deike Peters an. Auf einer eigenen Homepage sollen die Forschungsergebnisse künftig für alle Interessierten aufbereitet werden.
Quelle: Pressemeldung Technische Universität Berlin
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