Bald grenzenlos Zug fahren

23.06.2008 | Dresden
Während für den Straßenverkehr grenzüberschreitende Fahrten längst selbstverständlich sind, stößt die Eisenbahn an den meisten Staatsgrenzen auf Hindernisse.

Die Eisenbahntechnik der einzelnen Länder ist historisch gewachsen und nur teilweise kompatibel. Insbesondere die Zugsicherungssysteme, mit denen die Beachtung von Signalen und Geschwindigkeiten überwacht wird, unterscheiden sich deutlich. Doch gerade für Gütertransporte und Hochgeschwindigkeitsverkehr sind durchgehende europaweite Verbindungen unerlässlich.

Die Zauberformel heißt ETCS (European Train Control System). Durch diese einheitliche Zugsicherungstechnik soll die Vielfalt der Sicherungssysteme abgelöst werden. Doch die vollständige Umsetzung bringt in den einzelnen Ländern eine Vielzahl von Herausforderungen mit sich.

Und genau daran werden die Professur für Verkehrssicherungstechnik der TUD unter Leitung von Professor Jochen Trinckauf und der weltweit operierende italienische Technologiekonzern Ansaldo STS künftig gemeinsam forschen. Ein entsprechender Kooperationsvertrag wurde am 25. Juni 2008 in Dresden in Anwesenheit des italienischen Botschafters, S.E. Antonio Puri Purini, sowie des Sächsischen Staatsministers für Wirtschaft und Arbeit, Thomas Jurk, unterzeichnet.

"Wir wollen, dass viel mehr Güter auf der Schiene befördert werden. Das schont nicht nur Umwelt und Ressourcen, sondern entlastet auch unsere verstopften Autobahnen", sagt Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk. "Besonders wettbewerbsfähig ist der Schienengüterverkehr bei größeren Transportentfernungen. Deshalb unterstützt der Freistaat alle Aktivitäten, die darauf abzielen, die Systemgrenzen im europäischen Eisenbahnverkehr durchlässiger zu gestalten. Ziel muss es sein, dass ein Güterzug den Weg von Leipzig nach Lissabon ebenso problemlos und kontinuierlich zurücklegen kann wie ein LKW."

Der Vertrag regelt die Zusammenarbeit, welche letztlich auch die Gründung eines gemeinsamen Kompetenzzentrums zum Ziel hat. Das geplante Kompetenzzentrum "Ansaldo Competence Centre of Railway Interlocking and Signalling" wird sich nach Worten des Rektors der TUD, Professor Hermann Kokenge, sowohl anwendungsorientierten als auch entwicklungsstrategischen Forschungsprojekten widmen und dabei im Geiste interdisziplinärer Zusammenarbeit instituts- und fakultätsübergreifende Partnerschaften initiieren, aufbauen und koordinieren.

Die Fakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List" genießt im industriellen Umfeld großes Vertrauen. So konnten in der Vergangenheit auch mit anderen Unternehmen der Bahnindustrie und mit deren Zulieferern vergleichbare Kooperationsverträge abgeschlossen werden. Professor Hermann Kokenge betonte in diesem Zusammenhang, dass sich die TU Dresden, die Stadt Dresden und das regionale Umland auf bestem Wege sehen, sich zu einem Zentrum für Bahnausrüstungen von internationalem Rang zu entwickeln: "Durch die Kooperationsvereinbarung mit Ansaldo STS wird hier ein neuer und deutlicher Akzent auf die Bahnsicherungstechnik gesetzt und damit das Leistungsspektrum um eine ganz wesentliche Facette erweitert."

Professor Jochen Trinckauf verweist auf die enge Verflechtung von Theorie und Praxis: "Es ist vollkommen klar, dass ein Wirtschaftsunternehmen wie Ansaldo STS ausschließlich mit realisierten Projekten betriebswirtschaftlich erfolgreich sein kann. Dennoch oder gerade deswegen ist stets ein gedanklicher, konzeptioneller und schließlich auch technischer Vorlauf notwendig. Diesen Vorlauf für die Deutschland-Aktivitäten von Ansaldo STS zu schaffen, darauf ist die Kooperation mit der TU Dresden angelegt."

Ansaldo STS kann bei dieser Zusammenarbeit auf das exzellente Wissen auf dem Gebiet der Verkehrssicherungstechnik an der TU Dresden zurückgreifen. Da sich die Kooperation neben der Forschung auch auf die Bereiche Studium und Weiterbildung konzentrieren wird, können auch die Studierenden der Fachrichtung Verkehrswissenschaften an der TU Dresden davon profitieren. Gemeinsame Diplom- und Promotionsthemen sind ebenfalls angedacht.

Dass Interdisziplinarität an der TU Dresden nicht nur auf dem Papier propagiert wird, belegt die Tatsache, dass diese Kooperation wesentlich vom Italienzentrum der TU Dresden unter Leitung der Romanistin Professor Maria Lieber angebahnt wurde.

Quelle: Pressemeldung Technische Universität Dresden

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